1. IN GUÉLIZ
2. IM KÜHLEN GARTEN VON MAJORELLE
3. VON DEN KAKERLAKEN UND DEN HARTEN KOPFKISSEN
4. DIE FLUT DER BILDER
5. PALÄSTE, RUINEN UND VERSTECKTE GRÄBER
6. RAMADAN IN MARRAKECH
7. BROCHETTE UND TAJINE
8. IM SCHATTEN DER GASSEN - DIE MEDINA
9. ALS ICH MIR EINMAL DIE SCHUHE PUTZEN LIESS
10. MENARA - EINE OASE IN DER STADT
11. OUZOUD - DER BLICK INS PARADIES
12. STADTRUNDFAHRT - OPEN AIR
13. OURIKA - BERGE, BERBER UND EIN DIORAMA
14. ZIGARETTEN UND ZAHNPASTA
15. UNTER DEN WEISSEN SCHATTEN DES TOUBKAL
16. SALAMALEIKUM MARRAKECH ... EIN NACHWORT

** DIE GALERIE ALLER FOTOGRAFIEN DER REISE **

die einzelnen galerien zu den entsprechenden notizen der reise
können auch jeweils am ende der kapitel aufgerufen werden!


  SCHON einige male war ich in marrakech gewesen und hatte die stadt lieben gelernt - wenn man überhaupt so nennen will, was faszination und bilderflut einem antun. dieses mal wollte ich nach marrakech, um von der stadt zu erzählen. natürlich wollte ich auch urlaub machen, aber man fährt - hand aufs herz - nicht in eine solche stadt, um dort seine ferien zu verbringen. marrakech ist turbulent, anstrengend, massloss, frech und dann auch wieder (auf sprichwörtlich-typische weise) ...

leichtfertig, burlesk, heiter und ohne rechten sinn für den alltag ...

genau dies sagt man den menschen nach, die in marrakech leben.

das alles stimmt - und stimmt auch nicht. ich habe in marrakech nicht nur einmal den ernst erlebt, mit dem menschen ihre tage verbringen, wenn sie in einer solchen, alles verschlingenden stadt überleben wollen. es gibt in marrakech - mehr noch als in den anderen städten marokkos - die grösste armut. der tourismus (dem die menschen sich - einer verheissung gleich - blind und von überall her in den schlund werfen) ist für manche vielleicht ein segen, für die allermeisten aber ein fluch. es will mir nicht gelingen, die augen davor zu verschliessen. ich ahne aber (und es tröstet mich in gewisser weise), dass es menschen hilft, ihr vertrauen auf allah zu setzen, wenn sie den tag beginnen ...

der, wie so viele tage zuvor, wohl wenig freude bereit halten wird.

in der französisch geprägten neustadt von marrakech werden wir von all dem jedoch nicht viel erfahren. hier herrscht der
kommerz, hier schlägt das herz der stadt besonders schnell (und manchmal besonders unregelmässig) ...

IN GUELIZ
(mit zwei QUICKTIME-filmen)

erholung von den turbulenzen, den niederlagen, dem täglichen kampf, der hitze und dem lärm des verkehrs finden wir ...

IM KÜHLEN GARTEN VON MAJORELLE
(mit einer fotogalerie)


wer zum ersten mal nach marrrakech kommt, wird bei aller faszination, die von dieser stadt ausgeht, auch verwirrt und zuweilen befremdet sein. die andersartigen laute, die ganz und gar ungewohnten gerüche, die hektik in den strassen und souks, die unentwegten fragen der marokkaner ("hallo mister, hallo madam, wohin, du willst sehen meinen laden? komm´ hier entlang ...") machen dünnhäutig und schlagen unablässig breschen in eine von uns gezogene, persönliche grenze, die nach unserem verständnis auch etwas mit selbstbestimmung, unverletzbarkeit und integrität zu tun hat.

marokkaner lassen das "private" hinter sich, wenn sie ihre häuser verlassen. in der öffentlichkeit sind wir für sie - wie jeder andere auch - informant, ansprech- und potentieller handelspartner. der respekt, andere ihrer wege gehen zu lassen, ist ihnen unbekannt. es sollte uns deswegen auch nicht weiter befremden, von unbekannten auf der strasse beobachtet und unverhohlen taxiert zu werden. die marokkaner sind neugierig und wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben.

mir scheint, als habe man uns europäern diese natürliche neugier in einem schmerzhaften prozess der sozialen disziplinierung ausgetrieben, und wir müssten nunmehr unter diesem erzwungenen verlust besonders leiden.

jedenfalls wird kein marokkaner auf die idee kommen, in bussen, bahnen oder irgendwo sonst seinem gegenüber stumm und verlegen gegenüberzusitzen. das erträgliche soziale klima ist erst dann hergestellt, wenn alle mit allen über alles reden, lamentieren, schimpfen, sich ereifern und lachen ...

was uns europäern manchmal ganz und gar fehlt, ist die geduld, die unabdingbar zum leben in marokko gehört. auch unser hang, zuweilen vorschnelle urteile über das, was wir vorfinden, zu fällen, führt in die blinden sackgassen des unverständnisses. nicht alles, was wir als "sinnlos" empfinden, ist ohne sinn - nicht alles, was wir kritisieren, muss sogleich einer revision unterzogen werden ...

VON DEN KAKERLAKEN UND DEN HARTEN KOPFKISSEN

wer von den bildern in marokko nicht überwältigt wird, sollte dem land bald wieder den rücken kehren. es mag sein, dass er für die harte poesie, die diese bilder bereit halten, noch kein rechtes verständnis entwickelt hat. es wäre allerdings schade, wenn er für immer unempfänglich dafür bliebe. diese bilder sind - wenn wir nur genau hinschauen - von elementarer kraft und einer unbedingtheit, die uns ratlos macht - deswegen, weil wir den text der bilder nicht - retouchierend, larvierend - verbiegen und interpretieren können.

 das gesicht ist ein gesicht - der stein ist ein stein - und das leben ist das leben ...

anders kann ich nicht beschreiben, was mir in den bildern marokkos begegnet ...


DIE FLUT DER BILDER
(eine fotogalerie)

für einen streifzug durch marrakech brauchen wir keinen führer. wer sich ein wenig mit der lage der stadt vertraut macht, wird die lohnenswerten ziele auch allein finden ... und wer die alles überragende kutubiya-moschee zum ausgangs- und orientierungspunkt seiner wanderungen macht, kann sich beim besten willen nicht verlaufen.

die wichtigsten sehenswürdigkeiten - einmal abgesehen von der weitläufigen medina - liegen südlich des platzes jemma-el-fna. wer an der südöstlichen seite den platz verlässt, trifft auf eine breite gasse, die von souvenierhändlern gesäumt ist. hier finden wir aber auch  grosse, traditionelle restaurants (die aber vor allem auf touristengruppen eingestellt sind) und einige besonders schöne, zu hotels umgebaute riads.

wenn wir der gasse in südlicher richtung folgen - wir sollten sie jedoch zur mittagszeit meiden, weil dann eine gnadenlos heisse sonne in sie hinein scheint - stossen wir auf die mellah, das alte jüdische viertel. links davon liegt der sehenswerte palast de bahia, rechter hand die beeindruckende ruine des palastes el badi und - nur wenig weiter entfernt - finden wir die überaus schönen saaditen-gräber.

um diese drei ziele zu besuchen, müssen wir uns einen tag zeit nehmen, wobei wir eine mütze nicht vergessen und die ruhepausen durchaus grosszügig bemessen sollten - denn nichts ist anstrengender als eine wanderung auf harten pflastersteinen durchs heisse, laute marrakech, wenn die sonne fast im zenith steht und uns auf den kopf brennt.

PALÄSTE, RUINEN UND VERSTECKTE GRÄBER
(mit einer fotogalerie)

wer im ramadan nach marokko reist, muss sich auf keine grossen einschränkungen gefasst machen. das leben geht - wenigstens für die touristen - auf gewohnte weise weiter. dennoch lohnt es, sich mit der speziellen situation vertraut zu machen, die der ramadan ohne zweifel mit sich bringt. zwischen den böllerschüssen frühmorgens und abends ist so manches anders. weil für uns touristen aber so vieles in marokko "anders" ist, bemerken wir es womöglich kaum:

RAMADAN IN MARRAKECH

in der hitze, die selbst im oktober noch bis spät in die nacht herrschte, hatte ich nur selten appetit. an manchen tagen beliess ich es bei einem salat - und als mir eines abends in einem restaurant an der strasse die halbe pizza vom teller "stiebitzt" wurde, war es mir nur recht. ein marokkaner war vielleicht satt geworden - und ich nicht hungrig geblieben. ich bin vorsichtig mit dem geworden, was ich in marokko zu mir nehme. es gibt einige feste regeln, die ich strikt befolge, um (hoffentlich) gesund zu bleiben. ich wundere mich schon, wenn ich touristen beobachte, die gedankenlos alles essen, was vor ihre augen kommt. dabei spreche ich noch nicht einmal von den gesottenen schnecken und den gekochten rinderköpfen aus den suppentöpfen der garküchen auf dem jemma el fna ...

BROCHETTE UND TAJINE

die medina von marrakech blieb unangestastet, als die franzosen ins land kamen und marokko zu ihrem protektorat erklärten. deswegen konnte sich die medina in ihrer alten gestalt konservieren und mehr als einmal meinte ich bei meiner wanderung durch die alte stadt, bilder zu erkennen, die biblischen ursprungs zu sein schienen. verlaufen können wir uns in der medina nicht - obwohl wir vielleicht manchmal ratlos vor hauswänden stehen, die eine gasse verriegeln und versperren. das leben in der medina ist faszinierend. wer sich zeit nimmt, wird dort viele kleine und grosse geschichten über das leben erfahren. wir sollten gar keine besonderen ziele ins auge fassen - die medina selbst ist das ziel. wer die neugier und das staunen nicht verlernt hat, wird hier - ich verspreche es - reich belohnt werden.

IM SCHATTEN DER GASSEN - DIE MEDINA
(mit einer fotogalerie)

entweder sind es sonnenbrillenverkäufer (die auch noch rolex-uhren und montblanc-stifte - natürlich alles original - im programm haben) oder heerscharen von schuhputzern, die uns umlagern, wenn wir im café sitzen, um von unseren anstrengenden streifzügen durch marrakech auszuruhen. wer schon eine sonnenbrille hat, muss noch eine zweite kaufen ... und wer am linken handgelenk eine uhr trägt, braucht dringend eine zweite fürs rechte handgelenk. wer hingegen lederschuhe trägt, wird das opfer von heftig mit ihren bürsten auf holzkästen klopfenden marokkanern, die keinen ungeputzten schuh in marrakech übersehen ...

ALS ICH MIR EINMAL DIE SCHUHE PUTZEN LIESS

gärten sind in marokko - ich sage nicht zu viel - sinnbilder des paradieses und orte, um allah näher zu sein. in einer dem leben feindlichen umwelt transzendieren sie den oft harten und entbehrungsreichen alltag der menschen. auch der garten von menara ist ein ort der stille und besinnung - kontrapunkt zu den turbulenzen einer so grossen stadt wie marrakech.

MENARA - EINE OASE IN DER STADT
(eine fotogalerie)

drei stunden müssen wir fahren, wenn wir die kaskaden von ouzoud erreichen wollen. die wasserfälle - es sind die grössten in marokko - lohnen die fahrt allemal. sie sind bestimmt das schönste ziel, wenn wir etwas zeit haben, um auch in die umgebung von marrakech hinauszufahren. die schlucht, in die sich der gewaltige wasserfall ergiesst, ist 160 meter tief. wir benötigen also einige kondition, wenn wir uns - endlich unten in der schlucht angekommen -  ein bild von den kaskaden machen wollen. mich verliessen fast die kräfte, als ich diesen ausflug unternahm. die eindrücke waren jedoch überwältigend:

OUZOUD - DER BLICK INS PARADIES
(mit einer fotogalerie)

marrakech ist eine weitläufige stadt. wir können zwar alle lohnenswerten ziele zu fuss erreichen, werden aber bald feststellen, dass streifzüge - auf diese weise unternommen - besonders anstrengend sind. warum also nicht einen bus nehmen, um uns bequem von einem ziel zum nächsten bringen zu lassen?

STADTRUNDFAHRT - OPEN AIR

  das ourika-tal schneidet sich - gar nicht besonders weit von marrakech entfernt - tief in den hohen atlas. es wird von einem kleinen fluss - schmelzwasser der berge - durchflossen, der sich seinen weg durch geröll und gestein sucht. der fluss macht das tal besonders fruchtbar. an den begrünten hängen wachsen olivenbäume, aber auch kirschen, äpfel, feigen und walnüsse. deswegen war das ourika-tal schon immer ein bevorzugtes ziel der menschen aus marrakech. sie kommen hier her, wenn sie wieder einmal die frische, unverbrauchte luft der berge atmen wollen.

OURIKA - BERGE, BERBER UND EIN DIORAMA
(mit einer fotogalerie)

wenn uns in marokko die - im urlaub doch eigentlich gestattete - bequemlichkeit überkommt, befinden wir uns bereits auf der verliererstrasse. es gilt, hellwach zu bleiben und jeden - noch so freundlichen - angriff auf unsere geldbörse abzuwehren. die furcht vor taschendieben ist jedoch unbegründet - wenn wir uns nicht gerade durch das gedränge der souks kämpfen. aber es gibt
noch viele andere (und absolut legale) möglichkeiten, uns das geld aus der tasche zu ziehen ...
einmal nicht nachgerechnet, einmal nicht aufgepasst - schon hat es uns eine lücke ins urlaubsbudget gerissen.

ZIGARETTEN UND ZAHNPASTA

die luft ist leicht und von ungetrübter durchsichtigkeit. es ist, als habe jemand der landschaft zu grössten kontrasten verholfen und ihre leuchtkraft um viele grade verstärkt. die fahrt nach imlil, in das herz des hohen atlas, führte mich zu dem über 4000 meter hohen toubkal, der - fern, still und erhaben - das ganze jahr über schneebedeckt ist und eine magische ruhe ausstrahlt. ich konnte mich seinem zauber nicht entziehen und sass - nichts wünschend, nichts erwartend - einfach nur staunend auf einer kleinen terrasse in imlil und nahm die bilder, die sich vor meinen augen entrollten, in mich auf. es waren die schönsten, die mir auf dieser reise begegneten.

UNTER DEN WEISSEN SCHATTEN DES TOUBKAL
(mit einer fotogalerie)

es wurde zeit, die koffer zu packen. die 14 tage in marrakech waren vorbei. ich dachte, bevor ich das hotel verliess, noch einmal über das nach, was ich erlebt und erfahren hatte. die eindrücke waren durchaus zwiespältig. widersprüche und ungereimtheiten enfalten ihre verwirrende wirkung bisweilen erst nach und nach. auf vielen reisen war mir am ende das herz schwer geworden. so war es in marrakech nicht. als das flugzeug in eine letzte kurve über der rostroten ebene, in der marrakech liegt, ging und dann in die wolken stiess ... hatte mich marokko vergessen.

SALAMALEIKUM - MARRAKECH ... EIN NACHWORT



copyright für alle texte und bilder: rolf-dieter venzlaff (2007)