*** RUND UM AGADIR ***
 
IM FISCHEREIHAFEN VON AGADIR





Vielleicht haben meine reiseberichte auch das bild agadirs ein wenig zurecht gerückt. es muss nämlich nicht immer wiederholt werden, dass diese stadt kaum repräsentativ für marokko ist. wie sollte sie es? ein schweres erdbeben hat agadir 1960 dem erdboden gleich gemacht - 15.000 menschen starben an diesem tag in den zusammen stürzenden häusern, wovon ich als kind - ich erinnere mich genau - in den nachrichten erfuhr und erschüttert war.

aus den trümmern entstand eine neue stadt. zur erinnerung an das grösste unglück, das marokko widerfuhr, hat man am felsen agadirs, wo einmal die kasbah lag, einen schriftzug angebracht:

für allah, könig und vaterland!

immer, wenn ich in agadir bin, sehe ich zu diesem felsen, lese die inschrift und schaue mich staunend um, in was für eine blühende metropole sich die stadt verwandelt hat. sie ist nach casablanca der modernste ort in marokko und zukunftsweisend für alle ehrgeizigen pläne dieses landes.

es hat keinen sinn, das „alte“, konservativ strukturierte und agraisch geprägte land konservieren zu wollen. es hat auch keinen zweck, touristen, die in dieses land kommen, die 1000 und eine nacht vorzugaukeln. es gibt sie nicht mehr - wahrscheinlich hat es sie nie gegeben. wenn sich europäer - aussteiger zumeist, aber auch investoren - beklagen und sich dem fortschritt marokkos entgegen stellen, so muss erlaubt sein zu fragen:

warum sperrt ihr euch? kann es sein, dass in den alten, verkrusteten strukturen marokkos ein potential lag, das ausbeutung, gier und ausplünderung einfacher machten? marokko war viel zu lange das opfer einer erbarmungslosen kolonialen politik. jetzt ist es an der zeit, dass dieses land seinen eigenen und selbstbewussten weg geht.



das wurde bereits deutlich, als marokko vor wenigen jahren alle fischereiabkommen mit der europäischen union kündigte. viel zu lange hatten spanische, englische, portugiesische, französische und deutsche trawler den atlantik vor der küste nordafrikas leer gefischt. als die verträge gekündigt waren, erholte sich der bestand sehr schnell und der fischfang spielt in marokko - neben der phosphatgewinnung und dem tourismus - wieder eine bedeutende rolle.

gefangen werden sardinen, thunfische, makrelen, sardellen, schalen- und krustentiere. davon können wir uns überzeugen, wenn wir in den fischereihafen von agadir gehen. den ganzen tag über kommen fischkutter vom atlantik und löschen ihre fracht. sie wird palettenweise in kühlwagen umgeladen oder in die auktionshalle gebracht, wo sie meistbietend versteigert wird. vor der halle warten schon die grossen lkws der internationalen speditionen, um sie nach europa zu bringen.



400.000 menschen leben in marokko vom fischfang. allerdings sahen sie nichts von den 125 millionen euro, die von der europäischen union jedes jahr an den marokkkanischen staat überwiesen wurden, damit die europäer in den küstengewässern ihre netze auszuwerfen konnten. allein 600 (!) spanische trawler fischten den atlantik vor der jahrtausendwende systematisch leer.

jetzt bilden sich marokkanische kooperativen, die gemeinsame konzepte entwickeln, um den fisch in eigener regie zu fangen und zu verarbeiten. im süden marokkos - in layoune und tan tan - entstehen neue, moderne fabriken, die den fisch verarbeiten und versandfertig machen.

davon weiss allerdings die alte marokkanerin nichts, die mit ihrem korb zu einem der ankommenden schiffe im hafen von agadir eilt, um an ort und stelle sardinen einzukaufen, damit ihre familie auch heute satt wird.

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viele eindrücke und bilder, gesammelt auf fünf reisen "rund um agadir", aber auch im souk und im hafen der stadt. vielleicht hat der eine oder andere lust bekommen, selbst einmal aus agadir hinaus zu fahren und sich einiges von dem, was ich hier beschrieben habe, anzusehen. es lohnt sich!


ich wünsche allen, die nach marokko reisen, ein herzliches ...

MARHABA!




EINIGE FOTOS - DER FISCHEREIHAFEN VON AGADIR!