*** RUND UM AGADIR ***

NACH IMOUZZER




ca. 120 kilometer - vier stunden

Es ist schon erstaunlich - im juni, als ich die fahrten „rund um agadir“ unternahm, hing jeden tag ein dichter, kühler nebel über agadir. kaum aber hatte ich die stadt verlassen, strahlte die sonne von einem wolkenlosen himmel. das ist leider typisch. gerade im sommer ist die wetterlage wegen des nahen atlantiks nicht wirklich stabil. wir sollten uns daher gut überlegen, ob wir in dieser jahreszeit reisen wollen. hinzu kommt, dass im august die marokkaner urlaub machen und in grosser zahl nach agadir kommen, so dass wir in den hotels, am strand und in den restaurants kaum noch platz finden.

ebenso erstaunlich wie der nebel - aber nun wirklich nicht an eine jahreszeit gebunden - ist, dass wir nur wenige kilometer aus der stadt hinaus fahren müssen, um den hohen atlas in seiner ganzen grossartigkeit kennen zu lernen.

um die berge zu erleben, geht es nach imouzzer, das 60 kilometer von agadir entfernt ist und inmitten einer wilden und schönen bergwelt liegt.

wir verlassen agadir in nördlicher richtung. es geht am hafen vorbei und weiter durch ein hässliches industriegebiet. wir folgen der strasse, die nach essaouira führt, bis zu dem ort auria. dort biegen wir von der hauptstrasse nach rechts ab und durchfahren diesen staubigen, kleinen markflecken. wer meint, dass es dort nichts besonderes zu sehen gibt, hat gewiss recht. dennoch: ich habe manchen vormittag in auria verbracht und immer wieder neues entdeckt - an den ort grenzen die bananenplantagen und es sind nur wenige schritte bis zum atlantik. auch essen können wir in auria besonders gut. die restaurants sind bekannt für die besonders wohlschmeckenden tajines.

wir folgen jetzt dem oued tamrakht, den wir immer einmal wieder überqueren und entweder rechts oder links entlang seines ufers fahren. bald erreichen wir ein hübsches tal, in dem der oleander blüht und viele palmen die strasse säumen. der fluss sorgt hier für eine besonders üppige vegetation. vielleicht halten wir einmal an und nehmen in einem der kleinen restaurants eine erfrischung zu uns.

gleich darauf geht es steil bergan und in vielen serpentinen weiter durch das atlasgebirge. wir kommen an einigen unterständen vorbei, in denen marokkaner versteinerungen, die sie in den bergen gefunden haben, zum kauf anbieten - zum beispiel schnecken, die manchmal mannshoch sind.

es geht durch schluchten und an hohen felsen vorbei immer höher hinauf. in den bergen sollten wir mit äusserster vorsicht fahren. obwohl die strasse gut ausgebaut ist, bleibt sie schmal und ist an den rändern unbefestigt. wenn wir - bei überhöhtem tempo - plötzlich einem uns entgegen kommenden auto ausweichen müssten, könnte das bedeuten, einige hundert meter tief ins tal zu stürzen.

hier oben bieten sich uns weite blicke in die bergwelt des hohen atlas - mit den unzähligen arganienbäumen. zwar habe ich in allen reiseführern gelesen, dass die arganie erst im september abgeerntet wird, aber schon jetzt - im juni - hängt sie voll mit ihren leuchtend-gelben früchten. die kerne liefern, nachdem sie geröstet wurden, das begehrte arganienöl, das zum kochen, aber auch in der kosmetikindustrie verwendet wird.



wenn wir um die mittagszeit unterwegs sind, begegnen uns vielleicht kinder, die von der schule kommen und nun in ihre weit verstreuten dörfer in den umliegenden tälern zurück wandern. wenn sie uns sehen, lachen und winken sie und bieten uns aus gras geflochtene körbchen an, in denen kleine versteinerungen liegen, die sie am weg gefunden haben. wir sollten ihnen die freude machen und die kleinen stücke für einige dirham kaufen. ich gebe kindern in marokko gern etwas, wenn sie es sich mit einer kleinen leistung verdienen. halten sie allerdings nur ihre leere hand auf, werden sie - bei mir wenigstens - vergeblich auf eine geldmünze, einen bonbon oder einen „stilo“ warten.

wir kommen an hübschen, luftigen restaurants vorbei, die am berg kleben und schöne dachterrassen haben, von denen wir die wunderbare aussicht ins land geniessen können. nicht nur einmal wurde ich auf dieser fahrt an meine reisen in den schweizer bergen erinnert. die sonne ist hier oben nicht zu heiss, die luft durchsichtig klar und die kleinen dörfer aufgeräumt und herausgeputzt.

dann ist imouzzer erreicht, das nur aus wenigen häusern besteht. wir fahren durch den ort hindurch und biegen am ende nach links ins tal zu den kaskaden ab. die sehr schmale strasse schlängelt sich vier kilometer durch die berge und wir gelangen zu den zwei restaurants, von denen aus wir den kurzen fussmarsch zu den wasserfällen unternehmen können. sie entspringen hoch oben am felsen und und ergiessen sich in ein kleines, steinernes becken. allerdings kommen die besucher nur an wenigen tagen des jahres in den genuss dieser wasserkaskaden, denn nur nach starkem regen wird aus dem tröpfelnden rinnsal ein tosender, schäumender wasserfall.



wirklich lästig sind nur die vielen kinder, die sich von den felsen in das wasserbecken stürzen und danach laut „dirham, dirham!“ schreien. wer nicht bezahlt, dem verstellen sie zornig den weg.

für die rückfahrt nach agadir müssen wir die selbe strasse wie bei der hinfahrt nehmen. vielleicht halten wir noch einmal am fluss tamrakht, denn an vielen stellen lockt sein wunderbar kühles und klares wasser zum baden.

 

EINIGE FOTOS - IMOUZZER!


zum stausee yussuf tachfine und nach tiznit!