Für fräulein vollert,
meine neue lehrerin in der stadt, musste ich meine hände aufs pult
legen - die innenflächen nach aussen gedreht. dann sauste das lineal
herab und ein wilder schmerz krümmte meine finger. wenn sich fräulein
vollert gar keinen rat mehr wusste, schickte sie mich vor die tür.
dort stand ich auf einem leeren, bohnerwachs-getränkten flur und
war ratlos. hermann - zu dem sie mich in die bank gesetzt hatten - roch
nach kernseife. wenn er mich tröstend umarmte, wurde mir übel.
es war eine verflixt schwierige zeit.
die dorfschule - die ich verliess, weil meine eltern in eine stadt
zogen, die ich nicht einmal dem namen nach kannte - war ein ort gewesen,
der mich nicht fröhlich machte, aber auch nicht ängstigte. die
pulte, in die wir uns zwängten, hatten klappen. sie quietschten, wenn
wir uns setzten. sie funktionierten wie die tabletts, die wir herunter klappen,
wenn uns in flugzeugen das essen serviert wird. wenn wir morgens in das
klassenzimmer kamen und uns hinter die pulte setzten, mussten wir uns die
klappen in den magen rammen und wurden auf diese weise für viele stunden
- einen ganzen vormittag lang - zu gefangenen.
ich wüsste gern, was genau in die bänke hinein geschnitzt
worden ist, aber daran ich erinnere mich nicht mehr. sie waren jedoch
übersät von schriftzeichen - tief eingegraben in das weiche
holz. angst und widerspruch hatten die taschenmesser geführt - viel
öfter aber war es ein fingernagel, der sich trotzig - aber stetig
- in das holz gegraben hatte ...
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