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achmed und viele geschenke!

              

Als meine freunde erfahren hatten, dass ich wieder nach marokko reisen wollte, hatten sie mir viele pakete geschickt, darin waren hemden, pullover, hosen, zahnbürsten, seife, socken ...

so hatte ich einen koffer für mich und zwei weitere, die ich als übergepäck anmelden musste, für meine marokkanischen bekannten in agadir gepackt.

im hotelzimmer öffnete ich einen der koffer und nahm ein hemd, eine jeans, zwei blusen und eine strickjacke heraus. die jacke wollte ich haschim schenken, der die bar des hotels betreut und immer sehr verfroren aussieht. auch an heißen tagen in agadir trägt er unter seinem jackett dicke pullover.

„oh, monsieur aus deutschland ist wieder da! was für freude!“

ich reichte haschim die jacke. er besah sie sich und prüfte alle nähte.

„wie schön! revêtement de bâton von „boss“! aber hat ja kein schild nach draußen! dann sieht doch keiner!“ er legte die strickjacke neben die spüle, wo die schmutzigen gläser standen.

ich ging zurück in die hotelhalle und traf karim, den direktor des hotels. „in deutschland wohl schlecht wetter? aber in agadir ist immer schön!“

„ja, es ist sehr warm bei euch! deshalb habe ich dir ein kurzärmeliges hemd aus deutschland mitgebracht.“

er verbeugte sich. „war nicht nötig, ist aber schön!“ er löste umständlich die knöpfe am kragen. „ich werde meiner frau sagen, dass sie knöpfe hier abschneidet!“

im restaurant stieß ich auf hassan, einen der oberkellner. „hallo, mein freund aus deutschland! jetzt kann ich wieder spiegelei bringen für frühstück!“

ich reichte ihm eine jeans. „für dich! die hose ist sehr bequem!“ er hielt die jeans an seine stoffhose, um zu prüfen, ob die länge stimmte.

„du musst sie vielleicht ein wenig umschlagen! dann passt sie bestimmt!“

„wie sieht denn aus? aber mein schwager ist ein kopf über mir. ihm wird hose passen.“

vor meinem zimmer traf ich fati, das zimmermädchen. als sie mich sah, klatschte sie vor freude in die hände. ich reichte ihr zwei blusen: „die sind für dich.“

fati legte sie zu den lappen, eimern und reinigungsmitteln auf ihren putzwagen. „danke, monsieur! ich werde gleich geben an arm freundin in cheira!“

zurück in meinem zimmer besah ich mir die koffer mit den kleidungsstücken. sie waren gut gefüllt, also konnte ich noch viel freude bereiten.

am nächsten morgen wartete achmed vor dem hotel. als er mich mit dem koffer herauskommen sah, fragte er:

„willst schon wieder zurück nach deutschland?“

„nein! jetzt fahren wir erst zu idris, dem schuhmacher, dann zu abdul, den schneider. vielleicht treffen wir auch mohammed an seinem gewürzstand und hamid von der wäsche-reinigung!“

„warum willst du alle auf einmal sehen?“

„ich möchte ihnen etwas schenken!“

„das musst du nicht! hamid und mohammed brauchen nichts! haben alles!“

„das mag sein! dann bleiben aber immer noch idris und abdul!“

„die machen urlaub in essaouira!“

„das kann ich mir nicht vorstellen! wenn wir aber niemand treffen, dann werde ich dir den koffer geben!“

„diesen groß koffer?“

ich nickte.

„ist im koffer auch klein musik?“

„was ist das?“

„ein radio für kassetten und antenne parabol!“

„ich erinnere mich gar nicht mehr, was ich alles eingepackt habe!“

„dann lass nachsehen! musst doch wissen, was im koffer ist!“

auf dem weg zu idris, dem schuhmacher, fragte er mich:

„hast du auch schuhe für jogging dabei?“

„ich entsinne mich, dass ich turnschuhe eingepackt habe!“

„ich gehe jeden morgen zum strand und lauf viel kilometer! - aber ohne schuh!“

„das ist auch sehr gesund!“

idris sah von seiner arbeit auf, als wir vor seinem kleinen laden hielten. er wischte sich die hände an seiner weiten lederschürze ab und begrüßte mich. er erzählte mir, dass seine frau vor einem monat einen sohn geboren hatte und sie nun bald in eine größere wohnung in talborjt ziehen würden.

ich holte aus meinem koffer eine weiche wildleder-jacke, die nur an den ärmeln ein wenig abgewetzt war.

„das ist eine schöne jacke!“, achmed nahm das leder zwischen seine finger, „und sehr gut europäisch qualität!“

idris zeigte stumm auf das schild im innenfutter der jacke. wir lasen es zu dritt:

„made in maroc“.

unser nächstes ziel war abdul, der schneider. auch ihn traf ich in seinem laden an. er saß im schneidersitz auf einem tisch und hatte viele kleine stecknadeln im mund. ohne sie herauszunehmen, rief er: „marhaba!“

achmed hatte den koffer eilig aus dem auto genommen, den größten teil des inhalts eifrig sortiert und auf der kühlerhaube verteilt.

„so kannst viel besser sehen!“

als ich nach den turnschuhen griff, die achmed nicht auf die kühlerhaube, sondern etwas abseits auf das dach des autos gestellt hatte, drängte er sich ganz dicht neben mich.

„das sind aber nicht schuhe für turnen! sind schuhe für jogging!“

abdul öffnete ein kleines schränkchen. darin standen ordentlich aufgereiht drei paar marokkanische pantoffeln, in gelb, rot und weiß. er räumte sie beiseite und verstaute seine neuen turnschuhe ganz hinten in eine der ecken.

mohammed stand wie alle tage an seinem gewürzstand. er wog pfefferkörner ab und ließ sie dann durch seine hand in eine plastiktüte gleiten.

„wie schön! jetzt kommt aus deutschland die neu elektrisch waage für mein geschäft!“

ich hielt ihm zwei paar socken hin und erinnerte mich: ich hatte ihm die waage bei meinem letzten besuch in agadir versprochen!

er sah die socken und rieb sich das kinn. „für mich?“

achmed hatte bereits alles von der kühlerhaube eingesammelt und in den koffer verstaut. ich griff hinein und fand eine batteriebetriebene zahnbürste. die gab ich mohammed.

„für mich?“, fragte er ungläubig.

„wenn du nicht brauchst, ich nehm gern!“, hörte ich achmed sagen.

„bürste für zähne brauch ich nicht! aber batterie ist schön in mein recorder für kassetten!“ mohammed schraubte die batterien aus der zahnbürste und verschwand in seinem laden.

das letzte ziel war hamid von der wäschereinigung „wash and clear in agadir“.

„hast doch gar nichts mehr in dein koffer! hamid braucht kein geschenk!“, sagte achmed, als wir uns dem waschsalon näherten.

„im koffer ist noch genug! hamid bekommt ein hemd!“

achmed hielt vor dem waschsalon. die tür des geschäfts war verschlossen.

„ich sag doch! hamid will kein hemd!“

„ach, was!“ ich klopfte energisch an die fensterscheibe des ladens. nach kurzer zeit drehte sich ein schlüssel im schloss und hamid streckte seinen kopf durch den spalt. „bonjour, monsieur!“

„ich bin es! dein freund aus deutschland!“

er riss seine augen auf.

„gut, dass du kommst!“

ich wollte ihm das hemd aus dem koffer reichen, er aber verschwand in seinem laden und kehrte mit einem paket zurück.

„was ist das?“

„dein hemd! du hast vergessen letztes mal in agadir! aber ich hab schön gewaschen und gebügelt!“

er reichte mir mein hemd aus dem letzten urlaub und ich hielt ihm das hemd aus dem koffer hin.

„was ist das?“, fragte er.

„das ist ein hemd aus deutschland!“

„gut, ich werde waschen und bügeln! kannst morgen abholen!“

mit diesen worten schloss er die tür.

„jetzt ist dein koffer leer!“, sagte achmed sehr nachdrücklich, als ich zur taxe zurückkehrte. das stimmte zwar nicht, aber ich hatte dennoch den ersten teil meiner aufgabe erledigt! nun wollte ich den rest aus diesem und den inhalt des zweiten koffers an achmed geben - dann konnte mein urlaub beginnen!

ins hotel zurückgekehrt, holte ich den koffer für achmed.

„wär aber nicht nötig gewesen!“ er öffnete hastig die gurte, die ich vorsorglich am koffer angebracht hatte. der deckel sprang auf und dann besah er sich die wäsche, die hemden, die pullover und lederschuhe.

er sah auf. „vielleicht ist möglich, dass ich nehm den anderen koffer und du gibst diesen koffer an idris, abdul, mohammed und hamid!“

„du möchtest die sachen aus dem ersten koffer haben? aber die sind doch längst verteilt!“

„weiß ich doch! wir müssen eben zurückholen die schön jacke aus maroc, schuh für jogging, bürste mit zähne und das hübsch hemd!“

„aber das alles habe ich doch bereits verschenkt!“

achmed griff in den koffer.

„was ist das?“

„ein trainingsanzug!“

„gut! ich gebe anzug für training an idris und nehme dafür jacke aus leder!

„was ist das?“

„eine schwimm-shorts!“

„gut! dann muss abdul schwimmen im atlantik und gibt jogging-schuhe an mich!

„was ist das?“

„das sind hosenträger! ich weiß auch nicht, wie sie in den koffer geraten sind!“

„gut! träger für mohammed ist besser als bürstenbatterie für zähne!

„was ist das?“

„das ist eines meiner alten hemden!“

„ich weiß! hast schon gegeben hamid ein anderes! dann muss er eben jetzt waschen und bügeln zwei hemden für mich!

„wie stellst du dir das vor? ich kann doch nicht zu meinen freunden fahren und die geschenke wieder einsammeln!“

„aber ich kann! und sie bekommen ja alle schön neue geschenke von mir!“ achmed klappte den koffer energisch zu und verstaute ihn in seiner taxe.

dann stieg er in sein auto und kurbelte das fenster herunter. „wenn du kommst wieder nach marokko, musst nicht so vergesslich sein! bringst mit klein musik - für kassette und antenne parabol!“

er gab gas und die taxe fuhr davon.