| XXXXXXXXXX achmed feiert weihnachten!
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Als ich achmed von deutschland aus anrief und ihm sagte, dass ich am 23. dezember nach agadir kommen wollte, entgegnete er: „nein, das geht nicht! da fahre ich einen wichtig mann von communale nach rabat“. ich fuhr aber doch, weil ich weihnachten nicht in deutschland sein wollte. es war meine flucht vor süssen keksen und falschen gefühlen. als ich am 24. dezember morgens in die hotelhalle kam, wusste ich aber bereits, dass meine flucht umsonst gewesen war. in der mitte stand ein grosser weihnachtsbaum, der mit roten kerzen geschmückt war. auf der spitze schwebte ein strohengel. karim, der direktor strahlte: „willkommen in agadir und frohe weihnachten! ist das nicht ein schöner baum?“ ich nickte. „ich hoffe, er ist so, wie sie ihn aus deutschland kennen!“ er gab mir mit auf den weg, dass er mich zum weihnachtsdinner um 19 uhr erwartete. als ich in den garten kam, traf ich mohammed, den gärtner. „hallo, monsieur, frohe weihnachten“. statt einer baseball-kappe, die er sonst immer trug, hatte er eine weihnachtsmann-mütze auf dem kopf. „ja, danke, auch dir frohe weihnachten“, antwortete ich und ärgerte mich im selben moment, einen muslim zu einem christlichen fest beglückwünscht zu haben. als ich über den weiten strand von agadir lief, verflüchtigte sich die ungeliebte weihnachtliche stimmung. es begegnete mir auch niemand, den ich kannte und der mir ein „frohes fest“ hätte entgegen rufen können. mittags betrat ich das kleine restaurant am strand, das ich immer besuche, wenn ich in agadir bin. sofort stürzte der patron auf mich zu, schüttelte mir beide hände, küsste mich auf jede wange, nahm dann haltung an und sagte: „eine gesegnete weihnacht, monsieur!“ ich spürte, dass es mir in der sonne zu heiss wurde und flüchtete unter einen schirm. „danke, und ihnen...ja, eben auch alles gute!“ „es gibt heut mittag das christkind-menü! ein kleiner salat von tomate und zwiebel, seezunge müllerin art, täubchen in blätterteig und schokoladeneis zum dessert! gut appetit!“ er drückte mich in einen sessel und schob mich an einen tisch. am christkind-menü war nichts auszusetzen. allerdings machte ich mir doch gedanken, wie ich abends noch das weihnachtsdinner schaffen sollte! satt und müde machte ich mich auf den heimweg. kaum war ich im hotel, stellte sich mir karim in den weg. „die direktion bittet pünktlich um 18 uhr zu einem kleinen sektempfang unter unserem schönen tannenbaum!“ während mich der fahrstuhl zu meinem zimmer brachte, bemühte ich mich, mir alle termine einzuprägen, die noch auf mich warteten. auf meinem bett lag ein weihnachtsmann aus schokolade. ich wurde von einem durchdringenden klingeln geweckt. woher kam es? erst dachte ich an die spülung im badezimmer. als ich aber die balkontür aufstiess, wusste ich es besser. in den palmen des hotel-gartens hatten sie girlanden mit glöckchen befestigt. und da in agadir immer ein leichter wind vom meer her weht, bimmelten sie alle laut vor sich hin. es wurde zeit für den sektempfang! als ich in die hotelhalle kam, waren schon viele gäste versammelt. ich suchte nach einen platz, der mir freie sicht auf den weihnachtsbaum bot. an der tanne flackerten rote kerzen, die sich im üppigen lametta spiegelten. unter dem baum stand eine krippe und drei heilige geschnitzte könige beugten davor ihr knie. „nein!“ rief etwas in mir. die dame neben mir, die ein kleid trug, das genauso wie das lametta am baum aussah, sah mich fragend an: „sagten sie etwas?“ „nein“ antwortete ich. „aber sie haben doch eben laut und deutlich „nein“ gesagt!“ „nein, ich habe nicht „nein“ gesagt!“ „dann habe ich mich wohl verhört!“ „es ist eigentlich nur ihr kleid!“ „was ist damit?“ „gar nichts, nein, nein!“ antwortete ich schnell und sah mich nach einem fluchtweg um, aber ich stand eingekeilt zwischen den hotelgästen. der hoteldirektor rief: „allen unseren gästen eine gesegnete weihnacht! zum wohl!“ jetzt erst bemerkte ich, dass ich kein sektglas hatte. trotzdem nickte ich der dame neben mir zu und sagte: „prost“. „nein!“, sagte sie. „wieso?“ fragte ich. „sie haben doch gar kein glas! wie sollen wir dann miteinander anstossen?“ mohammed hatte sich mit den kellnern unter den weihnachtsbaum gestellt. jeder von ihnen trug eine weihnachtsmann-mütze und ich musste mich auf die zehenspitzen stellen, um alles genau sehen zu können. „nun versperren sie uns doch nicht dauernd die sicht“, kam es von hinten. ich trat schnell zur seite. jetzt sah ich zwar nichts mehr, hörte aber, wie mohammed und die kellner das lied: „morgen kinder wird´s was geben, morgen werden wir uns freu´n...“ anstimmten. „heute!“ „was haben sie gesagt?“ fragte die dame neben mir. „heute ist weihnachten", antwortete ich rasch und sie ergänzte: „und morgen auch noch! wir bleiben bis silvester“. dann sang sie mit den anderen gästen die zweite strophe des weihnachtslieds. auf dem weg zum speisesaal erhielten wir ein kleines päckchen. darin lag ein kleines teeglas mit einer gravur: frohes fest! hassan, der oberkellner trat an meinen tisch und erklärte mir das weihnachtessen: „als vorspeise gibt es kleine tomaten mit zwiebelchen, als hauptspeise leckere seezunge, wie die müllerin sie mochte, und taube im blätterteig.“ „ich weiss! das alles hatte ich bereits heute mittag! und zum nachtisch schokoladeneis!“ „nein, monsieur, schokoladeneis gibt es morgen, am erst weihnachtstag! heute gibt vanilleeis!“ mit getöse sprang die tür zum speisesaal auf. es war achmed. „oh, oh!“, rief er, „musste doch kommen zu meinem lieb freund aus deutschland!“ er breitete die arme aus und umarmte mich. „froh weihnacht, mein freund, froh, froh weihnacht!“ er zog am ärmel meiner jacke. „nun komm schon! fatima hat alles bereit, damit du hübsch weihnachten wie in deutschland hast!“ ich kaufte auf der fahrt noch einige kleine geschenke und dann sass ich mit achmed, seiner frau fatima und ihren fünf kindern auf einer matratze vor einem niedrigen tisch. darauf stand eine kleine tanne, die mit bunten bändern geschmückt war. es gab cous-cous und danach schokoladeneis. später fassten wir uns an der hand und tanzten um den tannenbaum. die kinder hatten ein deutsches lied auswendig gelernt. „stille nacht, heilige nacht...“ ja, - und dann wünschten wir uns alle „frohe weihnachten“. |