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mit achmed auf der "kö"!



als ich in die hotelhalle kam, traf ich die freundliche düsseldorferin, der ich vor einigen tagen den liegestuhl  in den schatten einer palme getragen hatte. sie winkte mir freundlich zu.

 „nun, wie gefällt es ihnen hier?“ fragte ich.

„oh, es ist wunderschön. das hotel, der strand, das gute wetter! ich bin sehr zufrieden!“

„und? haben sie schon etwas von agadir gesehen? selbstverständlich ist agadir nicht wirklich typisch für marokko. wer nur in agadir bleibt, wird wohl keinen eindruck von diesem land mit nach hause nehmen. aber einiges gibt es auch hier zu entdecken: den hafen, den souk...“

„der souk?“ die dame fiel mir ins wort. „den habe ich vom bus aus gesehen. das ist doch der mit der hohen mauer drum herum. nein, da gehe ich nicht hin!“

„warum nicht?“

„wer weiss, was sich hinter den mauern verbirgt? da wollen die marokkaner ganz bestimmt unter sich sein.“

„nein, nein! die mauern dienen nur dazu, dass nach schluss des souks kein unbefugter mehr den markt betreten kann.“

„da habe ich aber ganz andere dinge gehört! taschen sollten touristen dort nie bei sich haben und geld schon gar nicht.“

„wie machen sie es denn in düsseldorf? lassen sie dort auch immer ihre tasche und ihr geld zu hause?“

„das ist doch etwas ganz anderes! düsseldorf ist eine sichere stadt!“

„möchten sie denn den souk einmal kennenlernen?“

die dame aus düsseldorf überlegte kurz. „nein, lieber nicht! die reiseleiterin hat uns gesagt, dass es offizielle führer gibt, die touristen für ein honorar zum einkaufen auf dem souk begleiten. das ist mir wirklich zu teuer.“

ich lächelte: „und wie ist das in düsseldorf? dort können sie sich doch auch nicht immer einen führer nehmen, wenn sie zum einkaufen gehen wollen! aber ich mache ihnen einen vorschlag: achmed wird uns zum souk fahren. dann können sie sich alles ansehen und wir passen auf sie auf. wäre das nichts?“

ihr gesicht hellte sich auf.  „oh, das wäre schön. mit zwei männern an meiner seite müsste ich sicher keine angst haben.“

„wie in düsseldorf!“ ergänzte ich still und ohne dass sie es hörte.

ich rief achmed an und schon bald sassen wir in seiner taxe und fuhren zum souk. die düsseldorferin schloss gleich freundschaft mit ihm. sie duzten sich und achmed nannte sie „verena“. ich allerdings blieb bei „frau siemsen“. in deutschland fällt uns das „du“ wohl ein wenig schwer, auch wenn wir in marokko sind.

achmed hielt vor dem haupttor des souks. die düsseldorferin klemmte ihre tasche fest unter den arm und vertraute achmed ihre geldbörse mit den worten an:

„nimm du das geld! bei marokkanern weiss man ja nie!“

dann lief sie los und wir folgten ihr in einigem abstand. aber auch achmed musste zu mir distanz halten, denn die marokkanische polizei sieht es nicht gern, wenn touristen zusammen mit einheimischen durch die stadt oder über den souk spazieren.

frau siemsen sah sich alles sehr genau an. bei den schmuckauslagen und  parfümständen blieb sie besonders lange stehen. sie schnupperte an den flacons und liess sich erklären, wie man haare mit henna färbt. achmed trat zu mir: „ist wie bei mein mamma! wenn wir gehen zusammen, dauert auch so lang! ich sag jedes mal, das ist wirklich letzt mal.“

frau siemsen lief weiter über den souk. manchmal sah sie sich um, ob wir ihr auch folgten. dann winkte ich und lächelte. an einem obststand probierte sie die kleinen, sehr süssen bananen. sie nahm von den mandeln, die ein marokkanischer händler ihr reichte. sie bohrte ihre fingerspitzen in die türme von gewürzen, leckte dann genüsslich daran und steckte sich einige grüne und schwarze oliven in den mund.

jetzt hatte frau siemsen einen stand mit den traditionellen marokkanischen gewändern entdeckt. ein händler zog sie ins innere. sie folgte bereitwillig. achmed flüsterte: „was meinst, ich soll aufpassen jetzt?“, dabei stiess er mir in die seite und kicherte.

frau siemsen blieb verschwunden. irgendwann machte ich mir doch sorgen. ich trat zum stand und schaute durch den vorhang in das innere. da stand frau siemsen und trug ein goldbesticktes schwarzes gewand, das bis zu ihren füssen fiel. sie sah mich gleich.

„ist es nicht totchic?“

„ja, soetwas finden sie in ganz düsseldorf nicht“. dann liess ich sie in der anprobe wieder allein.

achmed sprach leise vor sich hin.

„was sagst du? ich verstehe dich nicht!“

er wiederholte sehr laut:

„ich weiss, warum ich mit mein frau nicht mehr auf souk gehe! letzt mal, das war vor hochzeit. ist lang her. hätt nur nicht getan! so viel dirham und alles auf souk geblieben!“

frau siemsen verliess den stand und winkte achmed zu sich. sie diktierte ihm ihre einkaufsliste, wobei sie ihre finger zur hilfe nahm: „nun holst du bitte das schwarze gewand, die kleine goldkette vom stand daneben, gebrannte mandeln, schwarze oliven und...etwas habe ich noch vergessen! ach, ja! vier packungen henna!

hast du das jetzt alles verstanden? meine geldbörse hast du ja!“

und zu mir sagte sie: „sie  müssen nämlich wissen: marokkaner sind nicht ehrlich! wenn ich als deutsche hier einkaufen müsste, würden sie mir glatt das doppelte berechnen!“

„aber ich bitte sie!“ und ich konnte ein lachen nicht verbergen. „auch achmed ist marokkaner! wie wollen sie denn wissen, dass er korrekt mit ihnen abrechnet?“

sie überlegte kurz. „achmed ist taxifahrer, und er hat frau und kinder zu hause. er spricht auch deutsch! und ich bin seine freundin! ach, was! achmed ist gar kein marokkaner!“

jetzt kam achmed auch schon mit vielen tüten und paketen zurück. wir gingen zur taxe und er legte sie in den kofferraum. dann gab er frau siemsen das restliche geld.

sie sah verwirrt auf die geldscheine in ihrer hand.

„stimmt etwas nicht?“

„ich hatte doch nur 200 dirham in meiner geldbörse. die können doch nie und nimmer für alle sachen reichen, die achmed eingekauft hat! und nun bekomme ich sogar noch geld zurück?“

„in düsseldorf hätte es wohl nicht gereicht. da hätte achmed ihnen aber gewiss ausgeholfen!“