| XXXXXXXXXXXX mit moritz nach afrika! |
Noch sind die beiden plätze neben mir im flugzeug nicht besetzt. warum wünsche ich mir eigentlich, dass sie leer bleiben? dann kann ich meine zeitungen und bücher um mich her ausbreiten und muss mich nicht mit dem viel zu engen sitz herumärgern. "hallo". ein kleiner junge zwängt sich in die sitzreihe. "hallo" sagt jetzt auch seine mutter. ich bitte den jungen, noch einmal aufzustehen, denn er sitzt auf meiner zeitung. die motoren dröhnen, das flugzeug rollt zur startbahn. der junge sieht mich ernst an: "start und landung sind das gefährlichste." als er farbstifte und einen zeichenblock aus seinem rucksack nimmt, ruft er: "blödes ding!“ "warum?" „ach, in so einen rucksack geht doch nichts rein! aber mamma kauft mir ja keinen pilotenkoffer!“ er sieht seine mutter vorwurfsvoll an. "dabei könnte ich ihn auch später gut weiter benutzen!“" "weil du pilot werden willst?" "ja, klar", murmelt er über den zeichenblock gebeugt und beginnt, ein flugzeug zu zeichnen. seine mutter liest in einer zeitschrift für astrologie. sie sieht nett aus, aber so müde, und in ihrem gesicht stehen viele sorgen. "ihr macht urlaub, und papa muss arbeiten?" "papa fährt nie mit", seufzt er. seine mutter sieht von ihrer zeitschrift auf. "ich lebe mit moritz allein. ich habe mich von seinem vater getrennt!" jetzt steht sie auf, öffnet das gepäckfach und nimmt aus ihrer tasche eine kleine flasche sekt. "von aldi", lächelt sie entschuldigend, "aber sehr lecker." moritz zeigt mir sein gemaltes flugzeug. "toll! wohin fliegt es?" moritz zuckt mit den schultern. "soll ich dir etwas malen?" ich nehme den zeichenblock und setze einen punkt. "was ist das?" moritz überlegt. „weiss nicht!“ "das ist hannover! und wohin fliegen wir?" "nach marokko!" "gut, moritz. wie kommt ein flugzeug von hannover nach marokko?" ich schiele zu seiner mutter, die gerade eine neue flasche sekt geöffnet hat und jetzt etwas über chinesische horoskope liest. gerade überfliegen wir die alpen. ihre gipfel sind schneebedeckt. "so viele berge und so weiss", ruft moritz. also zeichne ich auf das blatt papier viele berge und lasse unser flugzeug auf einer gepunkteten linie drüber weg fliegen. jetzt male ich ich ein trapez. "und das...?" "weiss nicht!“ „...ist spanien!“ ich verlängere die gepunktete linie bis zum rand des trapez. jetzt aber kommt der schwierigste teil der zeichnung. deshalb bitte ich seine mutter um einen schluck von ihrem sekt. sie hat gerade eine neue flasche geöffnet. ich muss jetzt afrika auf den zeichenblock bringen. aber afrika ist so gross. bilder aus staub und hitze steigen in mir auf... "was ist das?" fragt moritz. "das ist afrika! da fliegen wir jetzt hin." "mamma, sag mal, wie heisst das hotel in agadir, in das wir fahren?" sie nimmt ihr glas vom mund und denkt angestrengt nach. "palace-beach-hotel, oder so!" marokko ist ein land, das von hier oben betrachtet ockerfarben-gelb und rostrot ist. wir fliegen über zerklüftete bergmassive, bizarre täler und flüsse, die kein wasser führen. ich stosse moritz an, denn gerade kommt casablanca in sicht. „warum ich das weiss? weil es dort eine moschee gibt, die so gross ist, dass wir sie noch aus 10.000 meter höhe sehen können.“ „jetzt sehe ich sie auch“, ruft moritz. aber nun nähern wir uns schon dem hohen atlas. „jetzt geht es los!“ sage ich und moritz schaut mich fragend an. „wenn der flugkapitän auf unserem flug schon so wenig zu tun hatte, dann will er uns jetzt einmal zeigen, was er kann! denn er muss agadir gegen den wind anfliegen und deshalb bleibt ihm nur der weg über die berge und hinein ins tal!“ „gegen den wind und rein ins tal“, wiederholt moritz. kaum hat unser flugzeug den atlas erreicht, müssen wir unsere sicherheitsgurte anlegen. das flugzeug geht in den sinkflug und verliert schnell an höhe. moritz beugt sich zum fenster. „gleich landen wir auf den bergen,“ ruft er, als das flugzeug so dicht über die gipfel hinwegfliegt, dass es fast ihre spitzen abrasiert. „gleich wird der haarföhn eingeschaltet!“ „wieso denn das!“ wir rasen durch einen wettertunnel richtung agadir. ein mächtiger sturm bläst uns die wolken entgegen und schüttelt das flugzeug durch. dann sind die berge schon hinter uns und wir fliegen in die souss-ebene. aber das flugzeug hat alle mühe, hinunter zu kommen, denn vor uns versperrt nun der antiatlas das tal. “jetzt pass einmal auf, moritz! bist du schon einmal achterbahn gefahren?“ er nickt sehr ernst. „dann wird dir das, was jetzt kommt, nicht neu sein!“ lache ich. nun beginnt der höhepunkt eines jeden flugs nach agadir! das flugzeug neigt sich in eine mächtige rechtskurve. jetzt nur nicht aus dem fenster schauen! einmal ist es der himmel, den moritz und ich sehen, dann die erde, auf der wir noch nicht gelandet sind! viele steile kurven und das flugzeug steht immer wieder fast senkrecht in der luft. „wie viele kurven denn noch?“ stöhnt moritz. „sehr viele!“ es ist, als hätten wir uns zu einem kunstflugwettbewerb angemeldet. allerdings würde ich mir dieses spektakel lieber von unten aus betrachten. eine letzte steile kurve noch, dann sehen wir schon ganz nah die olivenbäume, orangenhaine, die kleinen lehmigen häuser und die verbrannten felder. moritz packt schnell seine malsachen ein. "jetzt wird es noch mal spannend", ruft er. unser flugzeug jagt auf die rollbahn und unglaubliche kräfte müssen gezügelt und gebremst werden. schon klatschen die mitreisenden erleichtert beifall. zu früh, denke ich, denn das ist nun wirklich der gefährlichste teil des flugs. auch moritz sieht mich skeptisch an. wir haben uns verstanden. "ich wünsche dir eine gute zeit in marokko", ruft er mir zu und schultert seinen rucksack. "ich wünsche dir auch alles gute, moritz". dann ist er fort. als ich das flugzeug verlasse, schlägt mir der heisse atem nordafrikas ins gesicht. ich gehe über das sonnenwarme rollfeld zum flughafengebäude. "monsieur, ihren pass bitte !" ich war in marokko angekommen! |