| mit achmed bei den fischern in tifnit! |
| Auf halbem weg zwischen agadir und tiznit liegt tifnit, ein fischerdorf am atlantik, das heute von seinen einwohnern verlassen ist, da marokko dort große hotelanlagen plant. aber sie planen schon so viele jahre und haben das dorf inzwischen vielleicht vergessen. in die verlassenen häuser sind fischer gezogen, die ihre offenen boote am strand liegen haben, um von dort aufs meer zu fahren. als wir tifnit erreichten, musste achmed auf einem großen platz am strand parken, denn nach tifnit führt keine straße. die letzten hundert meter liefen wir am strand. viele fischerboote lagen zum schutz vor dem meer wie übergroße mikados kreuz und quer auf einer hohen düne. als wir näher kamen, bemerkte ich zwischen den booten die fischer. zu ihren füßen hatten sie den gerade gefangenen fisch ausgebreitet. jetzt stritten sie mit den marokkanischen händlern, die aus der stadt gekommen waren, um die preise. das dorf lag ebenfalls auf einer düne und die halb verfallenen häuser, in denen sich die fischer eingerichtet hatten, wuchsen aus dem sand. frauen sah ich nicht, auch keine kinder. nur aus einem kiosk sah mich ein dunkles gesicht unter schweren augenlidern an. achmed hatte diesen seltsamen ort schon oft besucht. er langweilte sich, neben mir her zu laufen. es war auch mühselig, sich im sand vorwärts zu bewegen. der sand war überall! „lass uns essen! ist mittag!“ was täte ich wohl ohne achmed? er weiß immer, wann in marokko mittagszeit ist. ich glaube, das mittagessen ist den marokkanern etwas wirklich heiliges, das sie nie vergessen und selten auslassen. ich sah mich um, entdeckte aber kein restaurant. warum sollte es an diesem verlassenen ort ein restaurant geben, das niemand brauchte? achmed zeigte auf die spitze der düne. dort waren einige bretter in den sand gesteckt. zwischen ihnen spannten sich matten aus stroh. „das ist restaurant!“ der weg hinauf war mühsam. immer wieder gab der sand unter meinen füßen nach. endlich hatte ich es doch geschafft. oben nahm mich achmed in empfang, der schneller als ich gewesen war. neben ihm saß ein junger, unrasierter marokkaner in einem wackligen weißen plastikstuhl. er stand gleich auf und begrüßte mich. „das ist raschid! er ist besitzer von schön restaurant.“ raschid lächelte und zeigte mir so, dass ihm alle vorderzähne fehlten. dann bat er mich ins innere des bretterverschlags. ich duckte mich und betrat den dunklen raum. strohmatten schützten gegen die sonne. im sand verstreut standen weiße plastikstühle, denen manchmal die lehne, die armstützen oder die sitzfläche fehlten. ich setzte mich in einen stuhl und raschid stellte mir einen holztisch hin. „was möchtest essen?“, fragte achmed. raschid stand neben ihm und wartete auf meine bestellung. offen gestanden fehlte mir in dieser umgebung jeglicher appetit. ich zuckte mit den schultern. „entscheide du! ich nehme das, was du isst.“ achmed sprang mit großen sätzen die düne hinunter und mischte sich am strand unter die fischer. nach einer weile kam er zurück und hatte einen großen fisch in der hand. „wir essen heute fisch mit fliege! sieh mal!“ er zeigte mir den fisch. ein fliegender fisch! heute morgen noch schwamm er im atlantik, dann fingen ihn die fischer, damit raschid ihn in seiner küche braten konnte. diese küche war ein kleiner verschlag. darin stand ein zweiflammiger propangasherd, den raschid nun entzündete. bald zog der geruch von olivenöl und fisch durch das kleine restaurant auf der düne. als aber der fisch vor uns auf dem teller lag, stellte ich fest, dass er sehr zäh war. vielleicht war er in seinem leben zu oft den fliegen hinterher geflogen! aber der salat, den raschid uns zum fisch reichte, schmeckte gut. als wir gegessen hatten - achmed mehr den fisch, ich mehr den salat -, gesellte sich raschid zu uns. nach getaner arbeit fand er nun zeit, ein wenig mit uns zu plaudern. es verirrte sich ja nicht jeden tag ein tourist aus deutschland in dieses restaurant auf der düne in tifnit! raschid erzählte und achmed übersetzte. raschid hatte eine freundin in köln. sie hieß gabriele. er hatte sie vor drei jahren in tifnit kennen gelernt. sie war, gerade so wie ich, gast in seinem restaurant gewesen. und raschid hatte sich in gabriele verliebt. sie tauschten nach dem essen ihre adressen aus und gabriele hatte ihm beim abschied versprochen, dass sie ihm bestimmt schreiben und ganz gewiss wieder kommen würde. raschid sah gabriele lange nach, als sie über den strand zu ihrem auto lief. schließlich sah er nur noch ihre blonden haare, die im wind des atlantiks wehten. und sein herz war ihm schwer. dann setzte er sich in den wackeligen weißen plastikstuhl und wartete auf einen brief von gabriele. achmed übersetzte mir alles sehr genau. manchmal suchte er nach passenden worten, um mir diese geschichte so anschaulich wie möglich zu erzählen. er ließ sich auch nicht unterbrechen, als ich bezahlte und das restaurant verließ. noch auf der düne, die ich mehr hinunterrutschte, als dass ich ging, berichtete er mir weitere details dieser liebesgeschichte. „raschid sagt, er hat geschrieben einen klein brief nach köln! kann sein, es war eine falsch adresse? gabriele hat nicht geschrieben zurück!“ endlich war ich unten am strand angekommen. ich sah noch einmal hinauf zur düne. raschid saß nun wieder, wie alle tage, seit gabriele aus seinen augen verschwunden war, vor seinem bretterverschlag. von dort oben hatte er einen guten blick auf alles, was sich unten tat. er wäre auch der erste, der gabriele sehen würde, käme sie eines tages wieder nach tifnit. ich wollte das thema beenden. „ich glaube ganz bestimmt, dass gabriele eines tages zurückkommt.“ „nein! gabriele kommt nicht! hat nur gegessen bei raschid! was soll frau wie gabriele mit marokkaner in köln? werden haben ein klein restaurant für fisch von fliege oder was?“ „ja! vielleicht!“, sagte ich ratlos. dann drehte ich mich noch einmal um. raschid war aufgestanden. er winkte uns zu und schwenkte heftig seine arme. die fischerboote am strand sahen aus, als hätte sie ein großer sturm durcheinander gewirbelt und zerbrochen liegen gelassen. „ich werde gabriele von raschid grüssen!“ achmed sah mich erstaunt an. „wie kannst das?“ „weil ich gabriele kenne!“, antwortete ich schnell. „ ich werde sie bitten, raschid zu schreiben und ihn das nächste mal in tifnit zu besuchen. sag ihm das, wenn du ihn das nächste mal triffst!“ mir wurde bei dieser lüge das herz ganz schwer, aber achmed war erleichtert. „dann wird sicher alles noch gut mit raschid und gabriele!“ |