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mit achmed am strand!



keine wolke stand am himmel über agadir. ich war wieder einmal nach marokko gekommen, freute mich auf meinen urlaub und den ersten tag am strand. ich packte handtücher und shorts, meinen walkman und ein buch in die badetasche und verliess das hotel. auf dem weg zum strand bremste eine taxe neben mir. wie überrascht war ich, als achmed aus dem auto sprang. er begrüsste mich überschwänglich. „hab dich gleich erkannt, mein freund! ist schön, dass du wieder da bist! willst gleich nach marrakesch in kleines hotel „jasmine“ fahren? dann komm, wo hast du dein koffer?“

„nein, dieses mal bleibe ich in agadir! und heute gehe ich an den strand! es ist so schönes wetter, da mache ich es wie alle anderen urlauber auch.“

„warum gehst du an den strand? sonne ist viel zu heiss. du wirst brennen! ja, aufbrennen wirst du!“

ich verstand ihn. das gute wetter war hier eine alltäglichkeit.

„komm, wir machen ausflug. ist viel schöner als strand!“

„nein, ich lege mich in einen stuhl und werde faulenzen!“

„was ist faulenzen?“

„einfach irgendwo sitzen und an nichts denken!“

„kannst faulenzen in mein taxi! musst nur sitzen!“

ich schüttelte den kopf und ging weiter.

„ich komme mit zum strand!“

ich mietete zwei liegen. dann zog ich mich um und legte mich mit einem seufzer des behagens in die sonne. achmed sass in einer stoffhose und mit einem dicken pullover auf der zweiten liege und sah mir zu.

„was hast bezahlt für liege? vierzig dirham? ist viel zu teuer! ich werde morgen auf dem souk einen stuhl kaufen! für 200 dirham! dann kannst du liegen die ersten fünf tage für geld, und danach ist alles frei!“

„du musst doch in deinem pullover schwitzen! möchtest du eine badehose von mir?“

„nein, ich find schön so! ich trag nur zu hause klein hemd und kurz hose!“

ich nahm mein buch aus der tasche und begann zu lesen.

„was liest da?“

„das ist ein roman über einen tuareg, der ganz allein und nur mit einem kamel durch die wüste wandert.“

„soll ich dir zeigen blaue männer? ist nur klein fahrt in taxi! 100 kilometer, oder so!“

nun wusste ich inzwischen, dass dieses „oder so“ - aus dem arabischen übersetzt - so viel heisst wie: „nimm meine angaben mal zwei oder drei, dann bist du der wirklichkeit schon sehr nahe“. da ich aber gar nicht zu den tuaregs wollte, antwortete ich:

„im moment möchte ich eigentlich über die tuaregs nur etwas lesen.“

„wie du willst!“

ich war gerade bei der dritten zeile, als achmed sich zu mir herunter beugte: „willst spazieren an strand? kannst laufen bis königspalast! ich fahre mit taxi hin und hol dich ab! ist schön idee?“

ich schüttelte den kopf und versuchte, mich auf das buch zu konzentrieren. es gelang mir nicht.

also legte ich es in die tasche zurück und nahm den walkman. ich legte eine mozart-cassette ein und stülpte mir die hörer über den kopf. als die ersten töne erklangen, stiess mich achmed an: „was hörst da? musik arabisch?“

„nein! das ist mozart.“

„aber arabisch musik ist viel schöner! wart, ich hol cassetten aus mein taxi.“ er rannte los und kam schon wenige minuten später mit einer handvoll cassetten zurück. „kannst jetzt hören!“

ich schüttelte den kopf.

„magst nicht? dann fahren wir zu souk und kaufen andere arabisch musik!“

ich legte den walkman in die tasche zurück.

„wollen wir eine orangina trinken?“

ich gab ihm geld. achmed lief zur strandbar und kehrte mit zwei gefüllten gläsern zurück. „kostet 30 dirham! hier ist geld von rest!“

„bis gestern kostete die orangina aber nur 10 dirham!“

„hast recht! bei selbstbedienung kostet nur 10 dirham! aber hast du selbst bedient?“

ich nahm aus der tasche die sonnencreme und rieb mich ein.

„ich möcht auch creme!“ achmed zog das linke hosenbein hoch und rieb die sonnencreme auf seinen oberschenkel. dann liess er die hose wieder fallen.

„aber da kommt die sonne doch gar nicht hin!“

„soll auch nicht! will ja nicht aufbrennen wie du!“

ich streckte mich auf die liege und schloss die augen.

„oh, nicht einschlafen!“, rief er. „das ist gross gefahr! du bekommst gleich stich von sonne! gibt kein doktor, denn heut ist sonntag!“

„ich kann wirklich allein auf mich aufpassen! ich weiss schon, wie lange ich in der sonne liegen darf!“

„besser du liegst im schatten! wart mal! ich hol einen sonnenschirm! gib mal 20 dirham!“

und nur, weil ich einmal zwei minuten ungestört den strand geniessen wollte, gab ich ihm das geld, legte mich hin und schlief sofort ein.

achmed weckte mich. er zeigte auf einen sonnenschirm, dessen farben sehr verblichen waren.

„ist ein schöner schirm! ich hab gekauft auf souk. ganz billig!“

er spannte ihn auf und in der mitte war ein grosses loch.

das machte aber nichts!

denn durch dieses loch sah ich tatsächlich eine wolke! die erste in meinem urlaub! sie schob sich ganz sacht vor die sonne...und löste sich dann auf im blauen himmel agadirs!