****komm mit!* rief*******die möve** *ich zeige dir  *** eine insel im weiten ozean** ** so klitzeklein *** wie eine muschel**dort*gibt**es**sehr  viel**zu* *entdecken!****
KREUZ UND QUER!
*sechs neue notizen im juni 2005*



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klaus mann - der einsame tod in cannes
MICHELIN - wenn die sterne sinken
"arrastao" - panik am atlantik
"briefe an rolferl" - gesperrt und gelöscht
sommerliche rezepte - huhn mit apfel und zimt
russen nach marokko!

Kritik, anmerkungen, ergänzungen zu meinen notizen? hier kannst du es aufschreiben - mit einem "KLICK!" auf:
 
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(492)

selbstverständlich - niemand spricht gern darüber. dennoch ist es eine tatsache: dort, wo russen urlaub machen, bleiben die gäste aus europa fort. das musste die türkei erleben - und wird jetzt in marokko wohl ähnlich sein. viele russen haben eben ein besonderes geschick, auf recht billige art und weise urlaub zu machen. die marokkanische regierung hat mit dem 13. juni 2005 die visumspflicht für russische staatsbürger abgeschafft (einseitig!). in rabat schielt man auf die magische zahl von 10 millionen urlaubsgästen, die ab 2010 in jedem jahr urlaub in marokko machen sollen. diese zahlen beziehen sich - ausschliesslich - auf agadir und umgebung.

nicht dass hier ein falscher eindruck entsteht! ich habe überhaupt nichts gegen russische touristen. sie haben allerdings ihre ganz spezielle art, "urlaub" zu machen - und die verträgt sich manchmal nicht mit den auffasssungen anderer gäste, zumal wenn sie auf so dichtem raum wie in den internationalen hotels zusammen wohnen. noch schlimmer wäre es allerdings, wenn sich in marokko touristen-ghettos bilden würden, wo die russen unter sich bleiben.

aber bevor mich irgend jemand der "fremdenfeindlichkeit" beschuldigt, setze ich einfach die nachricht hierher und hoffe ganz im sinne des marokkanischen touristikministeriums auf "gedeihliche menschliche begegnungen" (von denen der minister wohl nicht allzu viel mitbekommen wird):

MOSKAU, 16. Juni (RIA Nowosti). Moskau bewertet die Entscheidung Marokkos, einseitig den visafreien Reiseverkehr für russische Staatsbürger per 13. Juni einzuführen, positiv. So heißt es in der Antwort des offiziellen Sprechers des Außenministeriums Russlands, Alexander Jakowenko, auf Anfragen von Journalisten, die bei RIA Nowosti am Donnerstag einging.

„Moskau schätzt die Entscheidung der Regierung Marokkos, die Visapflicht für die russischen Staatsbürger aufzuheben, sehr hoch ein, stellte Jakowenko fest.


Der Diplomat zeigte sich überzeugt, dass dieser Schritt Marokko zu einem attraktiven Reiseziel für russische Touristen macht und der Erweiterung der menschlichen Begegnungen zugute kommt.



natascha und pjotr - pauschal in marokko!




(491)


fredi, mein neffe, rief mich an und bedauerte, nicht mit mir essen zu können. er habe zu viel „apfelschorle“ getrunken, was - übersetzt - heisst: zu viel „alcopops“. da ich ahnte, wie er litt - nämlich an zu grossen mengen äpfeln - wäre mein rezept bei ihm ganz gewiss auf ablehnung gestossen. ich wollte nämlich ein „apfel-zimt-huhn“ zubereiten (ohne alkohol!).

als erstes machte ich mich an die füllung für das huhn. dazu schnitt ich einen geschälten apfel in kleine stücke, gab rosinen dazu und bestäubte das ganze kräftig mit zimt.

als nächstes kam das huhn an die reihe, dessen „bauch“ ich mit der apfel-zimt-mischung füllte. die öffnung verschloss ich mit einem zahnstocher. als nächstes wurde das huhn aussen von allen seiten kräftig gesalzen und gepfeffert und schliesslich noch mit ein wenig neutralem öl eingerieben.

in eine bratenpfanne gab ich eine klein geschnittene zwiebel und vermischte sie mit ein wenig öl. auf die bratenpfanne setzte ich sodann einen rost, wie man ihm vom grillen kennt, und legte das huhn darauf (es soll nämlich rundherum knusprig werden). das war es auch schon.

jetzt kommt das huhn in den vorgeheizten ofen (200 grad) und bleibt rund 75 minuten darin. allerdings muss ich nach etwa 20 minuten etwas wasser in die bratenpfanne geben, damit zum einen die zwiebeln nicht verbrennen und sich zum anderen ein schmackhafter fond bildet. es empfiehlt sich, auch später immer einmal wieder nachzusehen, ob noch genug flüssigkeit in der pfanne ist.

das huhn kommt braun und knusprig aus dem ofen. ich lasse es 10 minuten "ruhen", schneide es dann in vier teile und gebe die apfel-zimt-mischung aus dem „bauch“ in die bratenpfanne zu dem zwiebelfond.

während das huhn ein wenig abkühlt, rühre ich zu den zwiebeln, dem zimt und dem apfel ein wenig saure sahne. allerdings muss ich zuvor - und das ist wichtig - den fond gründlich vom fett befreien, das sich beim braten des huhns gebildet hat. vielleicht muss ich auch noch einmal salzen, bevor das huhn mitsamt der sauce serviert werden kann.

bei diesem gericht werden vier personen satt. als beilage wählen wir ein frisches, aufgeschnittenes baguette. ein glas weisswein dazu wäre auch nicht schlecht.

guten appetit!

übrigens: fredi kam doch noch vorbei und bemerkte, nachdem er gegessen hatte: „warum gibt es eigentlich keine „alcopops“ mit zimt?“ diese frage konnte ich allerdings auch nicht beantworten. also blieb uns nichts anderes übrig, als uns an den weisswein zu halten.



allerlei lustige tricks und kniffe (aber nicht nur rund ums huhn - und bestimmt nicht zum kochen) gibt es mit einem KLICK! ins bild!






(490)


die briefe an rolferl“ gehörten zum „marokko-forum“ im internet wie der jemma-el-fna zu marrakesch. „najib“ (ein arbeitsloser deutscher schrotthändler in marokko), der diesen bunten beitragsreigen ins marokko-forum gestellt hat, erheiterte (nicht nur) mich seit märz 2005 mit allerhand kurzweil und schnurren, die ihm zu meiner homepage einfielen. jeden morgen grüsste mich - zumeist an erster stelle des marokko-forums - einer seiner berühmten wie bekifften ("najib" lebt im rif!) „briefe an rolferl“. das war bald so selbstverständlich wie die tasse tee und das brötchen zum frühstück.

nun hat die administration des „marokko-forums“ beschlossen, die so erfolgreiche beitragsfolge abzusetzen. sie wurde bereits gesperrt und wird binnen 24 stunden gelöscht. dieser entschluss kommt überraschend, denn erst vor wenigen tagen wurde den beiträgen von „najib“ von einem der moderatoren dort noch eine bestandsgarantie eingeräumt. zu den „briefen an rolferl“ hiess es:

hier bei "Halka" brauchen manche den Platz, wo sie sich austoben können. Solange so etwas nicht auf andere Rubriken übergreift kann ich damit leben.

(fritz im „marokko-forum“ am 8.6.2005)


wir müssen den entschluss, die reihe nicht fortzuführen, respektieren, wenn ich auch zu bedenken gebe, dass eine der meistgelesenen beitragsfolgen im „marokko-forum“ erst dann eingestellt werden sollte, wenn ersatz gefunden ist.

der aber scheint weit und breit nicht in sicht, wenn wir nicht die jederzeit unfreiwillig komischen beiträge eines thomas friedrich (fritz) dazu rechnen wollen. die gehören zwar allesamt in den dortigen unterhaltungsbereich „halka“,  werden aber konsequent (weil dämlich) ins forum „kunst und kultur“ gestellt. wir sehen: für minderheiten wird im „marokko-forum“ vorbildlich gesorgt.

am ende einer ära - denn so muss die zeit, in der die beiträge von „najib“ erschienen, mit fug und recht genannt werden, -  die übrigens allesamt glanzpunkte einer gepflegten, toleranten, weltoffenen und vorurteilslosen streitkultur waren - gilt es abschied zu nehmen. die beiträge  waren - ohne wenn und aber - vorbildhaft für jedes einzelne forum im internet.

es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass mir der abschied ein wenig leichter fällt, weil sich in letzter zeit in die so trefflichen beiträge von „najib“ manchmal triviales - um nicht zu sagen: niveauloses - von einem gewissen „haskamp“ mischte. dadurch litt die qualität der immer originellen beiträge von „najib“ am ende doch erheblich.

aber - jedes format nutzt sich mit der zeit ab. das ist eine foren-binsenweisheit. es treten ermüdungserscheinungen auf und selbst zwei, oder drei schreiber vermögen nicht mehr das niveau zu halten, das in guten zeiten ein schreiber ganz allein für sich in anspruch nehmen konnte.

es bleibt nur noch zu sagen: eine stimme ist verstummt. eine stimme, die jederzeit um wahrheit, fairness und ausgleich bemüht war, eine stimme, die auch kontroverses zusammen schaute und zum ausgleich bringen konnte, niemals ausfällig, immer um die sache bemüht, konziliant im ton, manchmal jedoch - wie sollte es auch anders sein - hart in der sache.

es ist - mit einem wort - wirklich schade, dass wir diese stimme nun nicht mehr hören werden. ich sagte es bereits: die fairness stand immer an erster stelle. das konnte sogar so weit gehen, dass mich „najib“ (der deutsche haschischbaron in nordmarokko) - ohne schonung und ansehen seiner eigenen person - aufforderte, gegen ihn anzeige zu erstatten (was rolferl natürlich nie getan hätte!). hören wir der stimme des gewissens und der fairness noch einmal zu. hier ein beliebig gewählter beitrag von "najib"aus dem „marokko-forum“:

also, ich erwarte deine anzeige in den nächsten tagen. aber vorsicht, das wird auch wieder ein rohrkrepierer. was du da tust, ist klassische verleumdung. aber das kennt man von dir. so erkennt man dich im internet. ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere billige arsch, den du in ma "aufgerissen" hast, auch vorher einen joint rauchte. um die rosette zu entspannen und den ekel zu unterdrücken. ist ja auch verständlich. also nochmals: deiner anzeige sehe ich frohen mutes entgegen. tu was deine pflicht ist.

(marokko-forum, 28.5.2005)


ich bedauere das ende der beiträge von „najib“, bin mir indes gewiss, dass wir ihn - so oder so - noch oft im „marokko-forum“ lesen werden. zu meiner freude und zur freude gewiss aller!



mit einem KLICK! ins plakat geht es zur annonce der "künstlerklause" von "najib"
(dort, wo er die unvergesslichen "briefe an rolferl" verfasste)




(489)


es passierte an an der atlantikküste unweit lissabons: eine horde von rund 100 jugendlichen stürmte den strand, der wegen eines feiertags in portugal gut besucht war. die jugendlichen zettelten untereinander eine schlägerei an und verwickelten auch die badegäste in ihre auseinandersetzungen. das alles war aber nur inszeniert, denn es ging ihnen um ganz etwas anderes.

"arrastao" nennt man diesen üblen überfall, der in brasilien wohlbekannt ist und dort an den stränden immer wieder für einigen schrecken sorgt. sobald die badegäste nämlich entsetzt vom strand geflüchtet sind, machen sich die jugendlichen über ihr hab und gut her. um nichts anderes geht es ihnen, wenn sie mit geldbörsen, handys und den taschen der badegäste so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind.

in portugal konnte erst die herbei gerufene polizei die ordnung wieder herstellen, was aber den badegästen auch nicht mehr viel nützte, denn der "heuschreckenschwarm", der über sie gekommen war, hatte ganze arbeit geleistet, alles mitgenommen und nichts vergessen.

ich erzähle davon nur deswegen, weil ich weiss, wie beruhigend es ist, am strand per handy erreichbar zu sein. auch die schöne sitte, zum baden seine gesamte barschaft mitzunehmen - es könnte ja ein teppichhändler vorbei kommen - soll nicht vergessen werden. besonders die damen gilt es zu ermutigen, auch in zukunft ihren schmuck anzulegen, bevor sie ein bad in der sonne oder im atlantik nehmen.

sprach ich von "heuschrecken"? die jugendlichen kamen laut auskunft der behörden aus den problemvierteln lissabons. vielleicht haben sie ja nur die die jüngsten diskussionen beim wort genommen und in einer art "heuschreck-kapitalismus" das genommen, was ihnen dauernd vorenthalten wird. ein handy zum beispiel!







(488)


noch nie habe ich verstanden, warum manche leute in ihrem urlaub auf der suche nach einer möglichst "deutschen" küche sind. auf die spitze getrieben wird dies auf mallorca, wo jedes zweite restaurant mit buletten und schweinshaxen" wirbt. damit versäumen die touristen allerhand - denn die "fremde" erfahren wir nicht zuletzt durch "fremde", völlig andersartige geschmacks-sensationen, wenn wir uns nur der küche unserer gastländer anvertrauen.

wer jemals in griechenland des nachts in einem kleinen hafen der ägeis ein stück vom "lamm am spiess" gegessen hat, weiss, wovon ich spreche. vielleicht sollte ich auch an die huhn-tajine mit zitrone erinnern, die es nirgends besser als in rissani - am rande der sahara gibt.

ein argument, die "fremden küchen" zu meiden, verstehe ich jedoch sehr gut: wenn nämlich der preis in keinem verhältnis zur qualität des essens steht. dies ist gerade in den gut besuchten ferienorten rund ums mittelmeer manchmal der fall. dort wird der tourist in den wenigen monaten der hochsaison so richtig gemolken und zur kasse gebeten. ärgerlich!

noch einmal anders liegt der fall, wenn restaurants den ehrgeiz entwickeln, in der oberliga der kochkunst mitzuspielen.

anstatt uns die regionalen köstlichkeiten - gut zubereitet und bodenständig - auf den tisch zu stellen, üben sie sich in raffinessen, die oft nur noch irrwitzig - und sehr teuer sind.

lange jahre galt es als "besonders ehrenvoll", ein oder mehrere sterne vom MICHELIN zu erhalten. die köche hantierten um die wette - vom wunsch beseelt, dass ihre restaurants die höheren weihen der michelin-inspektoren erhielten. sie wussten nicht, dass diese inspektoren gar nicht jedes jahr überall unterwegs sind - und auch nicht, dass die sterne manchmal ohne weiter hinzusehen verliehen werden.

alain senderens, chefkoch des restaurants LUCAS CARTON (KLICK!) in paris, besass am ende drei der begehrten sterne - kochte aber manchmal vor leerem haus. wer kann es sich schon leisten, die spitzengastronomie zu "verkosten", ohne dass sein bankkonto ernsthaften schaden nimmt? die touristen in paris wenigstens mieden diese "ausgezeichnete" adresse und assen woanders - preiswerter und oft genauso gut.

jetzt hat sich alain senderens besonnen und folgt damit einem trend, der auch anderswo zu beobachten ist: er gab die drei michelin-sterne zurück, verwandelte sein restaurant in eine schlichte brasserie und senkte die preise um zweidrittel.

die gäste werden es ihm danken - und er selbst kann froh sein, dem ganzen stress entronnen zu sein, andauernd höchstleistungen bieten zu müssen. wenn wir also in der nächsten zeit als touristen nach paris kommen, sollten wir nicht mehr erschreckt unsere geldbörse umklammern, wenn wir am LUCAS CARTON vorbei kommen. dort werden zwar niemals "buletten und schweinshaxn" auf der speisekarte stehen - aber doch alle köstlichkeiten, für die die französische küche berühmt ist.

mehr zu MICHELIN auch hier: "ach, wie peinlich - michelin!" (KREUZ UND QUER, januar 2005)


mit einem KLICK! auf den roten MICHELIN geht es zu den sternen - aber auch zum "sündenregister", über das viele köche inzwischen nur noch lachen.





(487)

morphiumsüchtig und vereinsamt starb klaus mann, der älteste sohn von thomas mann, 1949 in cannes. er nahm sich mit einer überdosis schlaftabletten das leben. 1906 in münchen geboren, stand er zeitlebens im schatten seines übermächtigen vaters, der eine seltsame abneigung gegenüber seinem sohn hegte - vielleicht konnte er nur so - wie in einem spiegel - seine eigene homosexualität bekämpfen. denn klaus war homosexuell und machte aus seiner veranlagung auch gar keinen hehl.

trotz der spannungen im elternhaus war klaus - zusammen mit seiner schwester erika - das „enfant terrible“ nicht nur münchens, sondern der weimarer republik - sie waren beide höchst talentiert, verwöhnt und überaus leichtsinnig. man schrieb über ihre tolldreisten einfälle, mehr noch aber „klatschte“ man über die beiden.

die grosse wende in klaus manns leben kam mit der machtergreifung der nazis. er schloss sich sogleich dem antifaschistischen widerstand an und beschwor seine zögerlichen eltern, deutschland den rücken zu kehren. sein rat - es kann schon sein - verdanken thomas und katja mann ihr leben.

seine publizistische arbeit zwischen 1933 und 1945 war geprägt von dem unbedingten willen, die nazis von der macht zu vertreiben. dafür nutzte er sein schriftstellerisches talent genau so wie seine vielfältigen - und prominenten - kontakte. er gründete antifaschistische zeitschriften, in denen die wichtigsten schriftsteller des exils mitschrieben. daneben verfasste er romane, reiseberichte und eine biografie, die aber teilweise erst viel später, - da war klaus mann schon lange tot - nämlich in den 60er jahren jene beachtung fanden, die sie verdienten.

das hat gewiss mit der schwierigen verlegerischen arbeit im exil, aber auch mit der nicht unumstrittenen person des autors zu tun. und dann: nicht nur klaus mann - sondern alle, die aus dem exil zurückkehrten, mussten sich im nachkriegsdeutschland bittere vorwürfe anhören, die darin gipfelten, dass sie als aussenstehende kein recht hätten, über die situation in deutschland zwischen 1933 und 1945 zu urteilen.

überdies hatte klaus mann mit seinem roman „mephisto“ auch noch ein ätzendes porträt über gustav gründgens verfasst, der im nachkriegsdeutschland nahtlos an seine erfolge im dritten reich anschliessen konnte und gefeierter theaterschauspieler blieb. wer hätte ihn besser beschreiben können als klaus mann? immerhin war gründgens - wenn auch nur für kurze zeit - mit erika, der ältesten tochter von thomas mann, verheiratet gewesen.

nach amerika emigriert, trat klaus mann - wie so viele europäische intellektuelle - in die armee ein und kehrte als offizier nach europa zurück. seine aufgabe bestand darin, nazis zu verhören, um der amerikanischen regierung ein möglichst genaues bild über nazideutschland zu vermitteln.

nach dem zusammenbruch des dritten reichs und den folgenden nürnberger prozessen war die politische aufgabe, die sich klaus mann gestellt hatte, erfüllt. es konnte bei so einem sensiblen mann gar nicht ausbleiben, dass sich depressionen einstellten. überdies waren seine erfolge als schriftsteller gering und es gab auch nur vage zusicherungen, seine bücher in westdeutschland zu verlegen. er war mit seinen 42 lebensjahren einsam wie nie zuvor, blieb weiterhin auf die geldschecks seiner eltern angewiesen und - wurde langsam alt. dies ist für alle, besonders aber für einen homosexuellen wie klaus mann, der zeitlebens mehr oder weniger ohne tiefere freundschaftlich-erotische bindung war, eine nicht einfach zu bewältigende aufgabe.

woran er schliesslich scheiterte und verzweifelte, wissen wir nicht. es wird wohl von allem etwas - und viel zu viel - gewesen sein, als er in jenen verregneten frühlingstagen in südfrankreich einen selbstmordversuch unternahm. das war nicht sein erster, aber doch der, der sein leben auslöschte.

sein berühmter vater hörte vom tod seines sohns auf einer lesetour - bedauerte mit knappen worten und setzte die reise fort. nur michael, der jüngste bruder, fuhr nach cannes, um am begräbnis von klaus teilzunehmen. er spielte auf seiner violine, als der sarg ins grab gesenkt wurde.

marko martin erinnert in einem schönen - und klugen - aufsatz, den wir im internet nachlesen können, an die letzten tage von klaus mann - und auch daran, dass der 90. geburtstag des schriftstellers (1996) von den medien schlicht vergessen wurde und zu befürchten ist, dass es an seinem 100. geburtstag (2006) nicht viel anders sein wird.

mit einem KLICK! ins porträt von klaus mann geht es zum aufsatz von marko martin.


mehr informationen zu klaus und erika mann bei KREUZ UND QUER (juli 2004): HIER!