so viel ist schon von MALLORCA erzählt und berichtet
worden, dass ich an dieser stelle nur eine kleine einführung zu den
bildern geben will, die ich auf MALLORCA gemacht habe.
die insel, die zusammen mit MENORCA, IBIZA und FORMENTERA das archipel
der BALEAREN bildet, war immer schon ein sehnsuchtsziel - inbegriff von
grossartiger landschaft, sonne und meer. von der anziehungskraft der insel
zeugen nicht zuletzt die flugzeuge, die MALLORCA fast im sekundentakt anfliegen.
man staunt, dass eine im grunde so kleine insel so viele touristen aufnehmen
und beherbergen kann.
ich will hier auch nichts schreiben vom segen (oder fluch), der über
MALLORCA kam, als von überall her sonnenhungrige menschen beschlossen,
die insel in ihr herz zu schliessen. viele blieben nur einige urlaubswochen,
andere gleich ihr ganzes leben. ob sie das glück, das sie suchen, auch
immer finden, weiss ich allerdings nicht.
es wird schon so sein, dass die einen - wie damals erzherzog ludwig salvator
- MALLORCA unendlich lieben, während andere - wie frederic chopin, der
zwei monate auf der insel verbrachte - sie hassen. die insel hat viele gesichter.
wer aber in CALLA MILLOR, ALCUDIA oder PEGUERA nur am strand sitzt und 14
tage durch den wahnsinn des massentourismus taumelt, wird weder das eine
noch das andere kennenlernen.
niemand beginnt, nur weil er auf einer insel angekommen ist, ein neues
leben. aber einigen wird vielleicht die vergangenheit ein stück entrücken,
wenn sie an den küsten des lichts stehen und erkennen, dass sie ein
weites und tiefes meer vom gestern trennt. inseln erwarten von uns, dass wir
loslassen und eine weile vergessen, was uns beschwert. sie zaubern, weil sie
so fern im wind der meere liegen, ganz neue bilder in unsere seelen ...
so viele neue bilder!
meine bilder-reise beginnt im äussersten südwesten der insel,
mit der stadt ANDRATX und den kleinen häfen PORT D´ANDRATX und
SANT ELM. felsig ist die küste, denn die berge der TRAMUNTANA, die MALLORCA
längst der westlichen küste beherrschen, schieben sich hier als
mächtige klippen ins meer.
PORT D´ANDRATX ist ein hübscher, aufgeräumter
ort - mit einem hafen, in dem grosse und grösste yachten liegen. dementsprechend
teuer sind die geschäfte und restaurants, die sich entlang des hafens
hinziehen. SANT ELM hingegen ist ein beschaulicher ort geblieben. hoch über
dem feinen sandstrand stehen auf den felsen allerhand tavernen, die das anbieten,
was die fischer morgens aus dem meer in ihre boote gezogen haben.
der südliche teil der insel hingegen zeigt ein sanfteres gesicht,
mit mandel- und olivenbäumen und weizenfeldern, die - gesäumt von
unzähligen mauern aus losen, ockerfarbenen steinen - gegen den wind geschützt
sind. aber auch hier türmen sich einige berge zu imposanter höhe
auf, fast immer gekrönt von einem kloster oder einer kirche.
das kloster N.S. de CURA in der nähe von PORRERES liegt in luftiger
höhe. von hier aus hat man einen grossartigen blick in die ebene von
PALMA und auf die südliche küste der insel.
noch spektakulärer - weil noch einige 100 meter höher - liegt
das SANTUARI de SANT SALVADOR in der nähe von FELANITX. dort hinauf
führt eine kleine strasse in vielen serpentinen. der ausblick ist grandios.
uns zu füssen liegt die ganze östliche küste MALLORCAS - von
PORTO COLOM bis CALA RATJADA.
die kleinen orte im süden - PORRERES, CAMPOS, FELANITX,
SANTANYI - sind uralte, schon von den römern gegründete marktflecken,
in denen mit den agrarerzeugnissen aus der umgebung gehandelt wurde und wird.
zu einiger blüte kamen sie indes erst, als die mauren MALLORCA eroberten,
und das land mit raffinierten bewässerungssystemen noch fruchtbarer
als zuvor machten. diese kleinen städte sind immer nach dem gleichen
muster angelegt. alle strassen führen hinauf zum kirchplatz, um den
sich einige läden und tavernen scharen. die orte machen einen schläfrigen
eindruck, in ihnen herrscht das gleichmass der tage. sie haben auch nicht
viel von den touristen, die lieber an den küsten bleiben. dennoch putzen
auch sie sich mehr und mehr heraus und überraschen den reisenden mit
pittoresken gassen, sorgfältig renovierten patrizierhäusern und
schattigen plätzen.
die östliche küste - von CALA MURADA bis RATJADA
- ist fest in touristenhand. dennoch warten auch hier überraschungen
auf den reisenden. - wie zum beispiel PORTO COLOM, das noch immer
ein kleiner fischerort ist, wo sich am hafen nicht die restaurants drängen,
sondern schaukelstühle stehen, in denen die bewohner gemächlich
durch einen arbeitsfreien sonntag wippen. - oder PORTO CHRISTO, wo statt
bunten sonnenschirmen bretterzäune seit ewigkeiten den weg ans wasser
versperren. - der PARC NATURAL MONDRAGÓ schliesslich ist ein naturschutzgebiet,
das auf einem langen küstenstreifen neue ansiedlungen und hotelbauten
verbietet.
alle strassen auf MALLORCA aber führen nach PALMA.
deswegen ist es auch kaum möglich, sich auf der insel zu verfahren.
denn spätestens nach 10 minuten erblickt man mit sicherheit ein schild,
das in richtung der inselhauptstadt zeigt. PALMA hat sich zu einer urbanen,
modernen metropole der BALEAREN entwickelt. in der das leben pulsiert. dennoch
findet man auch hier die hübschesten plätze unter schattigen bäumen.
man sollte sich viel zeit nehmen, um diese stadt - so typisch spanisch,
so typisch katalanisch - kennenzulernen und zu geniessen. gotische kathedralen
und kirchen wechseln sich ab mit renaissance-palästen, jugendstilbauten
beherrschen ganze strassenzüge, in den markthallen türmen sich
fisch, fleisch, obst und gemüse, im hafen liegen die grossen und grössten
kreuzfahrtschiffe, bodegas, restaurants und strassencafés laden zur
siesta ein.
eine der schönsten strassen europas beginnt kurz hinter
ANDRATX und führt an VALLDEMOSSA vorbei bis nach SÓLLER. sie
eröffnet uns - immer auf halber höhe den ausläufern der TRAMUNTANA
folgend - die phantastischsten ausblicke auf die gewaltigen klippen und grün
bewaldeten buchten der westlichen küste MALLORCAS. diese strecke, die
man mit einem mietauto unternehmen sollte, um an den schönsten stellen
anhalten und die überwältigenden aussichten geniessen zu können,
gehört gewiss zum eindrucksvollsten, das MALLORCA zu bieten hat.
auf dieser fahrt sollten wir unbedingt halt in VALLDEMOSSA
machen - ein hübsches bergdorf, zu dem ein geschichtsträchtiges
kloster gehört, in dem unter anderem george sand und frederic chopin
im 19. jahrhundert - mehr oder weniger schlecht gelaunt - zwei verregnete
monate verbrachten. viel schöner als die besichtigung der räumlichkeiten,
die sie bewohnten, ist aber der bummel durch den ort. je weiter wir uns
in die engen gassen wagen, desto mehr verstummt der lärm und wir finden
uns unversehens in einem ursprünglichen, von keinem touristischen zeitgeist
verunstalteten MALLORCA wieder.
schon in VALLDEMOSSA treffen wir auf die spuren von erzherzog
ludwig salvator, ein bruder des österreichischen kaisers franz-joseph,
der auf seinen reisen durchs mittelmeer MALLORCA kennen und lieben lernte.
er blieb auf der insel und verfasste ein mehrbändiges, wissenschaftliches
werk über die BALEAREN, das noch heute gültig und zitierbar ist.
in VALLDEMOSSA steht sein denkmal.
ganz und gar auf ludwig salvators spuren geraten wir, wenn
wir die westküste richtung SOLLER weiterfahren und einen halt beim
landgut MIRAMAR einlegen, das allerdings mehr einem kleinen schloss ähnelt.
hier lebte und arbeitete ludwig salvator und baute auf die vorgelagerte klippe
einen strahlend weissen pavillon, der aufs schönste mit dem blau des
meeres und dem grün der pinienwälder kontrastiert.
hinter SOLLER biegt die strasse von der küste in die
berge und führt uns - nunmehr weniger spektakulär - bis nach FORMENTOR,
die äusserte nördliche landspitze MALLORCAS, die sich weit ins
meer erstreckt. wir können die schmale, zerklüftete und fast vegetationslose
halbinsel bis zum leuchtturm befahren, der schlank und weiss die schiffe
auf ihrem kurs hält, müssen uns aber auf einen ansturm von touristen-pkws
einstellen, die den letzten teil der zufahrtsstrasse hoffnungslos verstopfen.
mit FORMENTOR ist der norden MALLORCAS erreicht. die kleinen
städte POLLENCA, ALCUDIA, ARTÁ und CAPDEPERA, die sich an der
küste hinziehen, gehören zu den ältesten siedlungen der insel.
schon die römer legten hier ihre wichtigsten handelsplätze an
und befestigten sie mit wehrhaften mauern. die gründe dafür mögen
sein, dass das hinterland des nördlichen MALLORCAS besonders fruchtbar
ist und die handelswege von hier aus nach SPANIEN UND ITALIEN besonders kurz
waren.
die araber, die 798 endgültig besitz von MALLORCA
nahmen, behielten die handelsplätze und bauten die dazu gehörigen
zitadellen weiter aus, denn nun galt es, vor allem den nördlichen teil
der insel gegenüber den europäern zu verteidigen, während
die südliche seite MALLORCAS nach afrika, folglich zum arabischen herrschaftsgebiet
zeigte, von wo aus wenig gefahren drohten. deswegen erlangte PALMA auch erst
viel später ihre überragende bedeutung als hauptstadt der insel
- zu der zeit nämlich, als die spanier MALLORCA eroberten. ein gemälde
in der kirche SAN SALVADOR in ARTÁ zeigt die übergabe der insel
durch die mauren an die spanier.
vertiefen wir uns nicht weiter in die geschichte MALLORCAS,
der sogar das - allerdings sehr kurze - glück beschieden war, unter
jaime II. ein von spanien unabhängiges königreich zu sein. zuvor
hatten die mauren die insel zum blühen gebracht. noch heute zeugen nicht
nur die unendlich vielen mandelbäume auf MALLORCA vom segen dieser geschichtlichen
periode. erwähnt sei nur noch, dass die insel bis weit ins 18. jahrhundert
immer wieder von piratenüberfällen heimgesucht wurde und die bewohner
sich weit ins hinterland zurückzogen, um ihr leben und ihren besitz
zu schützen. die wehr- und wachttürme, die überall auf der
insel, besonders aber an den küsten stehen, zeugen von der steten gefahr
und der wachsamkeit der menschen.
wer heute seinen urlaub auf MALLORCA verbringt, wird das alles vielleicht
nur am rande interessieren. die touristen geniessen vielmehr die sonne und
die strände und stehen, wenn sie bei einem tagesausflug nach PALMA
kommen, höchstens staunend vor der kathedrale, die ein so eindrucksvolles
zeugnis für den reichtum der insel ist und ihre zuweilen so grosse
politische und religiöse bedeutung dokumentiert. es soll in diesem
zusammenhang nicht vergessen werden, dass MALLORCA - neben ZYPERN, RHODOS
und MALTA - über jahrhunderte hinweg ein "bollwerk" gegen die muslimischen
osmanen war, die unablässig die christlichen, europäischen länder
attackierten und bedrohten. wobei allerdings nicht verschwiegen werden darf,
dass die christlichen seefahrer ihrerseits die türkischen handelsschiffe
angriffen und plünderten - wo immer man sie im mittelmeer aufspürte.
auch wen das alles nicht interessiert, kann auf MALLORCA einen unvergesslichen
urlaub verbringen. die geschichte der insel drängt sich niemandem auf.
wir müssen uns schon selbst kundig und auf den weg machen, um sie zu
entdecken.
ansonsten bleibt den urlaubern nur dies: