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VON PALMA, VALLDEMOSSA UND ANDEREN ORTEN
* EINE FOTOREISE DURCH MALLORCA *
gewidmet judy und vince von der "la vieja patria" in peguera
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ZUR GALERIE ALLER BILDER (117) DER HIER ERWÄHNTEN ZIELE


so viel ist schon von MALLORCA erzählt und berichtet worden, dass ich an dieser stelle nur eine kleine einführung zu den bildern geben will, die ich auf MALLORCA gemacht habe.

die insel, die zusammen mit MENORCA, IBIZA und FORMENTERA das archipel der BALEAREN bildet, war immer schon ein sehnsuchtsziel - inbegriff von grossartiger landschaft, sonne und meer. von der anziehungskraft der insel zeugen nicht zuletzt die flugzeuge, die MALLORCA fast im sekundentakt anfliegen. man staunt, dass eine im grunde so kleine insel so viele touristen aufnehmen und beherbergen kann.

ich will hier auch nichts schreiben vom segen (oder fluch), der über MALLORCA kam, als von überall her sonnenhungrige menschen beschlossen, die insel in ihr herz zu schliessen. viele blieben nur einige urlaubswochen, andere gleich ihr ganzes leben. ob sie das glück, das sie suchen, auch immer finden, weiss ich allerdings nicht.

es wird schon so sein, dass die einen - wie damals erzherzog ludwig salvator - MALLORCA unendlich lieben, während andere - wie frederic chopin, der zwei monate auf der insel verbrachte - sie hassen. die insel hat viele gesichter. wer aber in CALLA MILLOR, ALCUDIA oder PEGUERA nur am strand sitzt und 14 tage durch den wahnsinn des massentourismus taumelt, wird weder das eine noch das andere kennenlernen.

niemand beginnt, nur weil er auf einer insel angekommen ist, ein neues leben. aber einigen wird vielleicht die vergangenheit ein stück entrücken, wenn sie an den küsten des lichts stehen und erkennen, dass sie ein weites und tiefes meer vom gestern trennt. inseln erwarten von uns, dass wir loslassen und eine weile vergessen, was uns beschwert. sie zaubern, weil sie so fern im wind der meere liegen, ganz neue bilder in unsere seelen ...

so viele neue bilder!

meine bilder-reise beginnt im äussersten südwesten der insel, mit der stadt ANDRATX und den kleinen häfen PORT D´ANDRATX und SANT ELM. felsig ist die küste, denn die berge der TRAMUNTANA, die MALLORCA längst der westlichen küste beherrschen, schieben sich hier als mächtige klippen ins meer.



PORT D´ANDRATX ist ein hübscher, aufgeräumter ort - mit einem hafen, in dem grosse und grösste yachten liegen. dementsprechend teuer sind die geschäfte und restaurants, die sich entlang des hafens hinziehen. SANT ELM hingegen ist ein beschaulicher ort geblieben. hoch über dem feinen sandstrand stehen auf den felsen allerhand tavernen, die das anbieten, was die fischer morgens aus dem meer in ihre boote gezogen haben.

der südliche teil der insel hingegen zeigt ein sanfteres gesicht, mit mandel- und olivenbäumen und weizenfeldern, die - gesäumt von unzähligen mauern aus losen, ockerfarbenen steinen - gegen den wind geschützt sind. aber auch hier türmen sich einige berge zu imposanter höhe auf, fast immer gekrönt von einem kloster oder einer kirche.

das kloster N.S. de CURA in der nähe von PORRERES liegt in luftiger höhe. von hier aus hat man einen grossartigen blick in die ebene von PALMA und auf die südliche küste der insel.



noch spektakulärer - weil noch einige 100 meter höher - liegt das SANTUARI de SANT SALVADOR in der nähe von FELANITX. dort hinauf führt eine kleine strasse in vielen serpentinen. der ausblick ist grandios. uns zu füssen liegt die ganze östliche küste MALLORCAS - von PORTO COLOM bis CALA RATJADA.



die kleinen orte im süden - PORRERES, CAMPOS, FELANITX, SANTANYI - sind uralte, schon von den römern gegründete marktflecken, in denen mit den agrarerzeugnissen aus der umgebung gehandelt wurde und wird. zu einiger blüte kamen sie indes erst, als die mauren MALLORCA eroberten, und das land mit raffinierten bewässerungssystemen noch fruchtbarer als zuvor machten. diese kleinen städte sind immer nach dem gleichen muster angelegt. alle strassen führen hinauf zum kirchplatz, um den sich einige läden und tavernen scharen. die orte machen einen schläfrigen eindruck, in ihnen herrscht das gleichmass der tage. sie haben auch nicht viel von den touristen, die lieber an den küsten bleiben. dennoch putzen auch sie sich mehr und mehr heraus und überraschen den reisenden mit pittoresken gassen, sorgfältig renovierten patrizierhäusern und schattigen plätzen.



die östliche küste - von CALA MURADA bis RATJADA - ist fest in touristenhand. dennoch warten auch hier überraschungen auf den reisenden. - wie zum beispiel  PORTO COLOM, das noch immer ein kleiner fischerort ist, wo sich am hafen nicht die restaurants drängen, sondern schaukelstühle stehen, in denen die bewohner gemächlich durch einen arbeitsfreien sonntag wippen. - oder PORTO CHRISTO, wo statt bunten sonnenschirmen bretterzäune seit ewigkeiten den weg ans wasser versperren. - der PARC NATURAL MONDRAGÓ schliesslich ist ein naturschutzgebiet, das auf einem langen küstenstreifen neue ansiedlungen und hotelbauten verbietet.



alle strassen auf MALLORCA aber führen nach PALMA. deswegen ist es auch kaum möglich, sich auf der insel zu verfahren. denn spätestens nach 10 minuten erblickt man mit sicherheit ein schild, das in richtung der inselhauptstadt zeigt. PALMA hat sich zu einer urbanen, modernen metropole der BALEAREN entwickelt. in der das leben pulsiert. dennoch findet man auch hier die hübschesten plätze unter schattigen bäumen. man sollte sich viel zeit nehmen, um diese stadt - so typisch spanisch, so typisch katalanisch - kennenzulernen und zu geniessen. gotische kathedralen und kirchen wechseln sich ab mit renaissance-palästen, jugendstilbauten beherrschen ganze strassenzüge, in den markthallen türmen sich fisch, fleisch, obst und gemüse, im hafen liegen die grossen und grössten kreuzfahrtschiffe, bodegas, restaurants und strassencafés laden zur siesta ein.



eine der schönsten strassen europas beginnt kurz hinter ANDRATX und führt an VALLDEMOSSA vorbei bis nach SÓLLER. sie eröffnet uns - immer auf halber höhe den ausläufern der TRAMUNTANA folgend - die phantastischsten ausblicke auf die gewaltigen klippen und grün bewaldeten buchten der westlichen küste MALLORCAS. diese strecke, die man mit einem mietauto unternehmen sollte, um an den schönsten stellen anhalten und die überwältigenden aussichten geniessen zu können, gehört gewiss zum eindrucksvollsten, das MALLORCA zu bieten hat.



auf dieser fahrt sollten wir unbedingt halt in VALLDEMOSSA machen - ein hübsches bergdorf, zu dem ein geschichtsträchtiges kloster gehört, in dem unter anderem george sand und frederic chopin im 19. jahrhundert - mehr oder weniger schlecht gelaunt - zwei verregnete monate verbrachten. viel schöner als die besichtigung der räumlichkeiten, die sie bewohnten, ist aber der bummel durch den ort. je weiter wir uns in die engen gassen wagen, desto mehr verstummt der lärm und wir finden uns unversehens in einem ursprünglichen, von keinem touristischen zeitgeist verunstalteten MALLORCA wieder.



schon in VALLDEMOSSA treffen wir auf die spuren von erzherzog ludwig salvator, ein bruder des österreichischen kaisers franz-joseph, der auf seinen reisen durchs mittelmeer MALLORCA kennen und lieben lernte. er blieb auf der insel und verfasste ein mehrbändiges, wissenschaftliches werk über die BALEAREN, das noch heute gültig und zitierbar ist. in VALLDEMOSSA steht sein denkmal.



ganz und gar auf ludwig salvators spuren geraten wir, wenn wir die westküste richtung SOLLER weiterfahren und einen halt beim landgut MIRAMAR einlegen, das allerdings mehr einem kleinen schloss ähnelt. hier lebte und arbeitete ludwig salvator und baute auf die vorgelagerte klippe einen strahlend weissen pavillon, der aufs schönste mit dem blau des meeres und dem grün der pinienwälder kontrastiert.



hinter SOLLER biegt die strasse von der küste in die berge und führt uns - nunmehr weniger spektakulär - bis nach FORMENTOR, die äusserte nördliche landspitze MALLORCAS, die sich weit ins meer erstreckt. wir können die schmale, zerklüftete und fast vegetationslose halbinsel bis zum leuchtturm befahren, der schlank und weiss die schiffe auf ihrem kurs hält, müssen uns aber auf einen ansturm von touristen-pkws einstellen, die den letzten teil der zufahrtsstrasse hoffnungslos verstopfen.



mit FORMENTOR ist der norden MALLORCAS erreicht. die kleinen städte POLLENCA, ALCUDIA, ARTÁ und CAPDEPERA, die sich an der küste hinziehen, gehören zu den ältesten siedlungen der insel. schon die römer legten hier ihre wichtigsten handelsplätze an und befestigten sie mit wehrhaften mauern. die gründe dafür mögen sein, dass das hinterland des nördlichen MALLORCAS besonders fruchtbar ist und die handelswege von hier aus nach SPANIEN UND ITALIEN besonders kurz waren.



die araber, die 798 endgültig besitz von MALLORCA nahmen, behielten die handelsplätze und bauten die dazu gehörigen zitadellen weiter aus, denn nun galt es, vor allem den nördlichen teil der insel gegenüber den europäern zu verteidigen, während die südliche seite MALLORCAS nach afrika, folglich zum arabischen herrschaftsgebiet zeigte, von wo aus wenig gefahren drohten. deswegen erlangte PALMA auch erst viel später ihre überragende bedeutung als hauptstadt der insel - zu der zeit nämlich, als die spanier MALLORCA eroberten. ein gemälde in der kirche SAN SALVADOR in ARTÁ zeigt die übergabe der insel durch die mauren an die spanier.



vertiefen wir uns nicht weiter in die geschichte MALLORCAS, der sogar das - allerdings sehr kurze - glück beschieden war, unter jaime II. ein von spanien unabhängiges königreich zu sein. zuvor hatten die mauren die insel zum blühen gebracht. noch heute zeugen nicht nur die unendlich vielen mandelbäume auf MALLORCA vom segen dieser geschichtlichen periode. erwähnt sei nur noch, dass die insel bis weit ins 18. jahrhundert immer wieder von piratenüberfällen heimgesucht wurde und die bewohner sich weit ins hinterland zurückzogen, um ihr leben und ihren besitz zu schützen. die wehr- und wachttürme, die überall auf der insel, besonders aber an den küsten stehen, zeugen von der steten gefahr und der wachsamkeit der menschen.

wer heute seinen urlaub auf MALLORCA verbringt, wird das alles vielleicht nur am rande interessieren. die touristen geniessen vielmehr die sonne und die strände und stehen, wenn sie bei einem tagesausflug nach PALMA kommen, höchstens staunend vor der kathedrale, die ein so eindrucksvolles zeugnis für den reichtum der insel ist und ihre zuweilen so grosse politische und religiöse bedeutung dokumentiert. es soll in diesem zusammenhang nicht vergessen werden, dass MALLORCA - neben ZYPERN, RHODOS und MALTA - über jahrhunderte hinweg ein "bollwerk" gegen die muslimischen osmanen war, die unablässig die christlichen, europäischen länder attackierten und bedrohten. wobei allerdings nicht verschwiegen werden darf, dass die christlichen seefahrer ihrerseits die türkischen handelsschiffe angriffen und plünderten - wo immer man sie im mittelmeer aufspürte.

auch wen das alles nicht interessiert, kann auf MALLORCA einen unvergesslichen urlaub verbringen. die geschichte der insel drängt sich niemandem auf. wir müssen uns schon selbst kundig und auf den weg machen, um sie zu entdecken.

ansonsten bleibt den urlaubern nur dies:




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copyright für text und alle fotos: rolf-dieter venzlaff, oktober 2006