****komm
mit!*
rief*******die möve** *ich zeige dir
***
eine insel im weiten ozean**
** so klitzeklein
*** wie eine
muschel**dort*gibt**es**sehr
viel**zu* *entdecken!****
KREUZ UND QUER!
*sechs neue notizen im märz/april
2005*
Kritik,
anmerkungen, ergänzungen
zu meinen notizen? hier kannst
du es aufschreiben - mit einem "KLICK!"
auf:
_________________________
(426)
fredi, mein neffe, hat vor kurzem bei mir gegessen. als er sich satt
zurück lehnte, meinte er: „doch, doch - es hat geschmeckt, aber irgendwie
habe ich schwarzwälder-torte anders in erinnerung!“
ich denke gern an den schwarzwald zurück. von gengenbach aus ging es
hinauf in die berge - durch dunkle tannenwälder, vorbei an sonnigen,
duftenden wiesen, in die ich mich legte, weil es sommer war. schon nach wenigen
tagen hatte ich keine mühe mehr, sogar die höhenwege zu nehmen.
sie belohnten mich mit wunderbaren ausblicken in die rheinebene und hinüber
nach frankreich.
besonders gern erinnere ich mich an die gastwirtschaften. manche lagen in
der nähe kleiner bäche und hatten auf ihrer speisekarte „forelle
müllerin art“, oder sie waren in alten bauernhöfen untergebracht
- mit ihren typischen, weit herunter gezogenen dächern. dort sass ich
unweit eines grossen kachelofens, nippte an einem kirschwassser und studierte
die speisekarte, deren gerichte in keiner gegend deutschlands reichhaltiger
und schmackhafter sind.
irgendwann muss ich einmal wieder in den schwarzwald reisen!
das foto habe ich dem internet entnommen
als ich jetzt eine packung „schwarzwälder schinken“ kaufte, der inzwischen
in jedem supermarkt angeboten wird, dachte ich mir ein rezept aus, das es
vielleicht im schwarzwald gar nicht gibt:
„schweinefilet nach schwarzwälder art“.
dazu nehme ich ein ganzes schweinefilet, das ich an seiner längstseite
so aufschneide , dass eine tasche entsteht. dort hinein kommen einige scheiben
dünn geschnittener schwarzwälder schinken, der übrigens einen
fettrand haben sollte - denn der macht das fleisch saftig. wieder zusammengeklappt
würze ich das filet mit salz und pfeffer und lege es in eine gusseiserne
pfanne, in die ich zuvor ein wenig neutrales öl gegeben habe. um das
fleisch herum kommen klein geschnittene zwiebeln und noch einmal - jetzt aber
gewürfelter - schwarzwälder schinken.
den ofen habe ich auf 200 grad vorgeheizt. dort hinein kommt das filet.
nach etwa 20 minuten beginnen das fleisch und die zwiebeln zu braten. jetzt
nur geduld und nervenstärke! die zwiebeln sollen gold-braun - aber selbstverständlich
nicht schwarz werden. wenn sie farbe angenommen haben, ist es zeit, das filet
mit rotwein abzulöschen. gleichzeitig nehme ich die hitze auf 180 grad
zurück.
in den verbleibenden 30 minuten kontrolliere ich noch einmal die flüssigkeit
und giesse - wenn nötig - ein wenig wasser (oder wein) an.
nach 50 minuten kann ich das filet aus dem ofen nehmen, lege es auf einen
teller und lasse es „ruhen“, damit sich der fleischsaft setzt. der fond in
der pfanne kann durch ein sieb passiert, oder - einfacher - gleich mit einer
creme fraiche verfeinert werden. vielleicht muss zum schluss noch einmal mit
pfeffer und salz nachgewürzt werden.
zum „filet nach schwarzwälder art“ passen kroketten und blumenkohl,
aber auch grüne bohnen, karotten oder kohlrabi.
fredi, mein neffe, hat vor kurzem bei mir gegessen. als er sich satt zurück
lehnte, sprach er von: ...
... schwarzwälder torte!
ach, hören wir doch gar nicht hin! ich gebe es ja zu: es gibt noch
viele andere rezepte rund ums schweinefilet (KLICK!):
(425)
als er mit 14 jahren von zu hause weg lief, konnte keiner ahnen, dass
er einmal ein berühmter schriftsteller werden würde: vor 200 jahren
wurde hans christian andersen geboren.
er schwankte, ob er schriftsteller oder schauspieler werden sollte.
also verfasste er zunächst theaterstücke und klingelte ansonsten
an den türen einflussreicher bürger kopenhagens, denen er etwas
vorspielte und tanzte. dort erkannte man sein originelles talent und ermöglichte
es ihm, weiter zur schule zu gehen. in den salons der dänischen hauptstadt
ging er bald als „junger wilder“ ein und aus.
andersen achtete sorgfältig darauf, seine herkunft - wenn schon nicht
zu verschleiern - so doch zu schönen. keine rede davon, dass seine grossmutter
und tante der prostitution nachgehen mussten, kein wort, dass seine mutter
dem alkohol verfallen war. arm aber gemütlich sollte seinen mitmenschen
das elternhaus in odense im gedächtnis bleiben, wo sein vater, ein
schuhmacher, ihm märchen erzählte und das lesen und schreiben
beibrachte. sein vater starb, als andersen 11 jahre alt war. einen grösseren
verlust hat er wohl nie erlitten.
die märchen seines vaters in erinnerung, die aus der reichen volkspoesie
schöpften, machte er sich daran, eigene und ausgedachte aufzuschreiben.
diese märchen waren es, die ihn schon früh berühmt machten
- seine theaterstücke, romane und gedichte hingegen sind heute vergessen.
es waren „kunstmärchen“, die in der tradition der romantik geschrieben
waren. in ihnen stand - und das war neu - das kind im mittelpunkt des geschehens,
denn hans christian andersen nahm die kinder sehr ernst.
er veröffentlichte 156 märchen, von denen „das hässliche
entlein“ das bekannteste ist. allerdings wurden sie in dänemark zunächst
mit spott aufgenommen. im ausland öffneten sie dem dichter jedoch alle
türen. die märchen wurden in viele sprachen übersetzt und
schon mit 30 jahren verfügte andersen über ein regelmässiges
einkommen.
fianziell unabhängig unternahm er zwischen 1831 und 1875 viele reisen,
die ihn unter anderem nach frankreich, spanien, england, den orient - und
immer wieder auch nach deutschland führten. (mehr dazu in dieser NOTIZ!)
recht eigentlich waren diese reisen (und seine märchen?) aber eine
flucht vor der enge und spiessbürgerlichkeit dänemarks, die er
zudem fürchten musste, weil seine neigungen als homosexueller mann in
seinem heimatland kaum auf verständnis gestossen wären. frauen
machten ihm zeitlebens angst und er konnte sie nur als „schwestern“ in seiner
nähe ertragen. jungen männern hingegen machte er manchmal mit einer
solchen hartnäckigkeit den hof, dass sie entsetzt die flucht ergriffen.
diesem dilemma versuchte andersen dadurch zu entkommen, indem er sich
eine lebenslange keuschheit verordnete. nicht zuletzt dieser sublimierung
seiner homosexualität verdanken wir seine märchen, - die, lebensklug
und abgründig zugleich, auch (aber nicht nur) für kinder geschrieben
sind.
der irische jugendstilkünstler harry clarke (1889 - 1931) hat die
märchen von hans christian andersen illustriert - ich meine: auf grossartige
weise. mit einem KLICK! ins mittlerer bild geht es zu einer homepage, die
uns etwas über den künstler berichtet.
Das wort vom „kranken
mann am bosporus“ ist sprichwörtlich. ende des 19. jahrhunderts zerfiel
das osmanische reich immer rascher und war wegen seiner enormen ausdehnung
kaum noch zu regieren. überall an den rändern des reichs entstanden
am ende des 19. jahrhunderts separatistische und nationale bewegungen,
denen istanbul - als koloniale macht - einerseits mit militärischen
drohungen, andererseits durch vorsichtige liberalisierung und zugeständnisse
an ihre autonomie zu begegnen suchte.
der „jungtürkischen bewegung“ war dieser brisante innenpolitische
konflikt hochwillkommen. wider besseres wissen verlangten sie vom sultan,
dass er einen ethnisch homogenen, selbstbewussten und nationalen kernstaat
schaffen sollte, weil - so ihr argument - nur mit hilfe einer starken staatlichen
klammer das auseinander driften des reiches mit seinen unterschiedlichen
volksgruppen zu verhindern war.
es waren diese verschiedenen volksgruppen und religiösen minderheiten,
deren forderungen nach mehr unabhängigkeit ernst genommen werden
mussten, und die in der schwächung der zentralen regierung eine chance
sahen, ihre autonomie durchzusetzen. das wussten natürlich auch die
jungtürken. ihr appell an den sultan war deswegen nichts weiter,
als ihm unvermögen und mangelnde durchsetzungskraft zu attestieren.
das wichtigste ziel der jungtürken war die beseitigung des absolutistischen
sultanats. ihre liberalen ideen hingegen erschöpften sich in der forderung
nach strikter trennung von politik und religion, wobei sie einzig und
allein die "türkische" kultur fördern wollten - in einem rigide
geführten zentralstaat, der auf besondere ethnografische besonderheiten
keine rücksicht nahm.
die armenier, eine christliche minderheit im land, traten - wegen
des machtvakuums im reich mutig geworden - entschlossen auf, gaben sich
national selbstbewusst, forderten einen eigenen staat und wurden darin
vom europäischen ausland unterstützt, dem es jedoch in wahrheit
nicht um die sache der armenier, sondern viel mehr um einflussnahme und
strategischen vorteil am bosporus ging. allerdings vermieden es die europäischen
mächte sorgfältig, das osmanische reich zu ihrem zankapfel zu
erklären. sie wussten nämlich, dass aus einem streit um das türkische
erbe nur allzu leicht ein weltkrieg entstehen konnte.
die nationalen forderungen der armenier blieben indes nicht ohne antwort.
zwischen 1894 und 1896 liess sultan abdülhamid II. 200.000 armenier
ermorden. das europäische ausland - allen voran frankreich, das die
armenier unter seinen besonderen schutz gestellt hatte - sprach darauf
hin entsetzt vom angriff auf unschuldige christen und erhöhte mit
diplomatischen mitteln den druck auf das osmanische reich. zu weiter reichenden
schritten konnten sich die europäer aber nicht entschliessen. ein
vorstoss der - wenige jahre später auch offiziell und feierlich proklamierten
- „entente cordiale“ (frankreich und england) hätte nämlich
unweigerlich die reaktion der anderen seite (deutschland und russland) zur
folge gehabt. deswegen beäugte man sich lieber misstrauisch, anstatt
kanonenboote an den bosporus zu schicken.
als 1909 die junktürkische revolution ausbrach, verschärfte
sich die situation noch weiter, weil das alte, in bedrängnis geratene
regime die armenier bezichtigte, mit den aufständischen jungtürken
gemeinsame sache zu machen. im südosten kleinasiens, einer hochburg
der armenier, liess der sultan in einem akt despotischer und brutaler
tyrannei 30.000 von ihnen umbringen.
nach ihrem sieg über das alte regime und kaum an die macht gekommen,
dachten die jungtürken gar nicht daran, den armeniern irgendeine
sonderstellung im reich einzuräumen. im gegenteil: unter der betont
nationalistischen jungtürkischen regierung war kein platz für
irgend einen autonomen sonderweg. deswegen nahm der genozid an den armeniern
bald ungeahnte dimensionen an.
die siedlungsgebiete der armenier in der türkei
1914 schloss die türkei mit dem deutschen reich eine
allianz gegen frankreich, england und russland. diese verträge läuteten
- es war der vorabend des 1. weltkriegs - das unwiderrufliche ende des
osmanischen reiches ein. jetzt gab es kein halten mehr. das labile gleichgewicht
am bosporus war gründlich zerstört. die europäischen mächte
mussten handeln und brachten, ohne lange zu zögern, ihre waffen in
stellung. der krieg, den alle so gefürchtet hatten - von dem aber jeder
wusste, dass er irgendwann kommen musste - entbrannte.
als 1915 die türkische offensive gegen die russische armee scheiterte,
schob istanbul die niederlage sogleich den christlichen armeniern in die
schuhe, die verdächtigt wurden, mit ihren russischen glaubensbrüdern
gemeinsames spiel gemacht zu haben.
jetzt stand die gnadenlose vernichtung eines ganzen volkes auf der
tagesordnung.
in einer beispiellosen aktion wurden als erstes die armenischen soldaten
der türkischen armee entwaffnet, in arbeitslagern zusammen gefasst
und schliesslich umgebracht. als nächstes gingen die türken daran,
die zivile führungsschicht der armenier in istanbul zu liquidieren.
als das geschehen war, wurden alle übrigen armenier, denen man habhaft
werden konnte, - männer, frauen und kinder -, in sieben orten des
osmanischen reiches zusammen getrieben und anschliessend auf einen tödlichen
marsch durch die wüste nach aleppo geschickt.
100.000 überlebten, 500.000 konnten fliehen - aber eine million
armenier starben auf diesem höllenweg: umgebracht durch die gewehrkugeln
ihrer peiniger, tödlich erschöpft oder verhungert - das war ein
systematischer völkermord, wie ihn die welt noch nicht gesehen hatte.
die siegermächte zogen nach dem 1. weltkrieg die einzig richtige
konsequenz: sie verlangten einen selbständigen armenischen staat
- in ostanatolien - auf dem territorium der geschlagenen türkei. dem
kamen die türken allerdings zuvor und ermordeten weitere 50.000 armenier
in adana und 20.000 in marasch.
wenn sie einen armenischen staat schon nicht verhindern konnten, so
dachten sie wohl, sollte es niemanden geben, der in ihm lebte.
als 1918 die zaristische regierung im kaukasus unter den folgen der
bolschewistischen revolution zusammen brach, sahen die besiegten türken
ihre chance, besetzten das land und vernichteten auch dort alle armenier,
denen sie habhaft werden konnten. erst das eingreifen der revolutionären
roten garden stoppte schliesslich das blutvergiesen und damit die vollständige
ausrottung der armenier im kaukasus.
ein wirklich souveräner staat „armenien“ entstand erst 1991,
als sich die sowjetische teilrepublik von der UDSSR los sagte. von den
10 millionen armeniern in aller welt lebt heute allerdings nur ein drittel
in der kaukasus-republik. viele von ihnen waren vor den türken in
den heutigen libanon geflohen, der in den 20er jahren unter dem protektorat
der franzosen stand und ein zufluchtsort für viele christen aus der
region wurde. im libanesischen schuf-gebirge finden wir heute die armenischen
siedlungen. ansonsten leben die armenier zerstreut - aber unbehelligt -
in vielen ländern. nur in der türkei wurden die wenigen, die überlebten,
noch über jahrzehnte hin drangsaliert. auch in der gegenwart ist die
situation der armenisch-apostolischen kirche schwierig und es kommt immer
wieder zu übergriffen.
der türkische staat hat den genozid an den armeniern bis heute
nicht zugegeben, sondern spricht von angriffen dieser christlichen minderheit
auf staat und regierung. die armenier haben deswegen die europäer
eindringlich aufgefordert, die beitrittsverhandlungen der türkei
mit der europäischen union an die bedingung zu knüpfen, dieses
dunkle kapitel der vergangenheit ans licht zu bringen und auf türkische
wiedergutmachung an den verfolgten armeniern zu bestehen.
(423)
ohne zweifel ist thomas mann der bedeutendste deutsche schriftsteller
des 20. jahrhunderts. mit seiner attitüde eines "grosschriftstellers"
und seinen vielen hinweisen auf goethe gehört er aber - wenn wir nur
ein wenig genauer hinsehen - wohl doch mehr ins 19. jahrhundert. der tagespoltik
und dem raschen wandel wenigstens hat er sich - wann immer es ging - entzogen
und bemühte sich stattdessen um "letztgültige" wahrheiten.
aber, ob es die überhaupt gibt? das steht auf einem anderen blatt
und gefährdet deswegen auch die rezeption thomas manns im 21. jahrhundert,
denn wir wissen doch inzwischen, was von "letztgültigen wahrheiten"
zu halten ist - auch wenn sie im namen der ethik und moral formuliert sind.
ganz anders war erich kästner - ein zeitgenosse von thomas mann,
aber doch aus einem anderen holz geschnitzt. kästner war der "flaneur",
der menschen und dinge amüsiert beobachtete und das, was ihm begegnete,
mit leichter hand aufschrieb. trotzdem zieht sich durch sein ganzes lyrisches
und prosaisches werk die haltung eines moralisch integren, verantwortlichen
mannes, der im wahrsten sinne ein "menschenfreund" war. allerdings formulierte
er keine letzten wahrheiten, sondern wusste um die flüchtigkeit, die
bedingungen und die relativität des menschlichen lebens - und schrieb
es (augenzwinkernd) auf. er war ironisch wie thomas mann - allerdings nahm
seine ironie nie die kühle und einsamkeit an, wie wir sie aus den
büchern von thomas mann heraus lesen können.
mir ist erich kästner von grund auf sympathisch. ich lese seine
gedichte mit freude und denke gern über seine bücher nach, die
nur dem ersten anschein nach "kinderbücher" sind. selbstverständlich
- das sind sie auch. aber ist das "doppelte lottchen" - um nur eines von
vielen zu nennen - nicht viel mehr? nämlich der appell, bei allem streit
die kinder nicht zu vergessen, die mehr noch als wir erwachsenen unter
streit und zwietracht schrecklich leiden?
weil nun der frühling nach deutschland kommt - und ich deswegen
vor einigen tagen hier ein schönes gedicht von goethe vorgestellt
habe, soll nun erich kästner zu wort kommen. von thomas mann hingegen
gibt es keine frühlingsgedichte. er war eben kein lyriker - sondern
ein epiker mit hinreissendem erzählerischen talent. kästners gedicht
fängt für mich die stimmung des frühlings auf besondere
weise ein und kann mit dem gedicht goethes ganz bestimmt mithalten:
Besagter Lenz ist da
Es ist schon so. Der Frühling kommt in Gang.
Die Bäume räkeln sich. Die Fenster staunen.
Die Luft ist weich, als wäre sie aus Daunen.
Und alles andre ist nicht von Belang.
Nun brauchen alle Hunde eine Braut.
Und Pony Hütchen sagte mir, sie fände
Die Sonne habe kleine warme Hände
und krabble ihr mit diesen auf der Haut.
Die Hausmannsleute stehen stolz vorm Haus.
Man sitzt schon wieder auf Caféterrassen
und friert nicht mehr und kann sich sehen lassen.
Wer kleine Kinder hat, der führt sie aus.
Sehr viele Fräuleins haben schwache Knie.
Und in den Adern rinnt's wie süße Sahne.
Am Himmel tanzen blanke Aeroplane.
Man ist vergnügt dabei. Und weiß nicht wie.
Man sollte wieder mal spazierengehn.
Das Blau und Rot und Grün war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.
Die Seelen laufen Stelzen durch die Stadt.
Auf den Balkons stehen Männer ohne Westen
und säen Kresse in die Blumenkästen.
Wohl dem, der solche Blumenkästen hat!
Die Gärten sind nur noch zum Scheine kahl.
Die Sonne heizt und nimmt am Winter Rache.
Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache.
Doch es ist immer wie zum ersten Mal.
wer sich näher über erich kästner informieren
will, dem sei eine schöne homepage im internet empfohlen. mit einem
KLICK! auf sein porträt geht es direkt dort hin:
(422)
im süden marokkos gehören sie in fast jede tajine: die
in salz eingelegten zitronen. sie haben einen milden geschmack und passen
vorzüglich zu huhn und fisch.
schon bei meiner ankunft hatte man
mich gefragt, was ich abends zu essen wünschte. als ich um 20 uhr
im restaurant sitze, weiss ich, dass ich der einzige gast im hotel bin.
nur für mich hat der koch eine tajine-form hervor geholt und mir darin
das essen zubereitet. es wird von einem dunkelhäutigen, freundlichen
kellner in blütenweisser jacke so formvollendet serviert, als sässe
ich nicht in tata, sondern im new yorker hilton hotel. als er den deckel
der tajine hebt, öffnet sich mir eine kleine tür zum marokkanischen
himmelreich - die tajine besteht aus huhn, das mit eingelegten zitronen
und oliven gedünstet ist. dazu trinke ich einen rotwein aus meknes.
auf den souks sieht man überall grosse gläser stehen, in
denen die zitronen aufbewahrt werden. salz ist eine alte methode zur
konservierung und die zitronen bleiben - darin eingelegt - drei monate
und länger haltbar.
da wir sie in deutschland nur schlecht bekommen (höchstens einmal
beim türken um die ecke), sollten wir selbst ans werk gehen und
für unsere küche einige zitronen einlegen. das ist ganz einfach!
wir besorgen uns ein kilogramm - selbstverständlich unbehandelte
(!) und möglichst kleine - zitronen, die wir zuerst waschen und bürsten.
danach werden sie senkrecht gevierteilt, aber so, dass sie am unteren
ende noch zusammen hängen. wir falten sie auseinander und bestreuen
sie innen mit je einem teelöffel groben meersalz (speisesalz tut es
auch). danach werden sie zusammen gedrückt, so dass sie wieder wie
eine ganze, heile zitrone aussehen. anschliessend füllen wir sie -
fest und dicht beieinander - in ein grosses, sauberes weck-glas, das wir
zuvor mit kochendem wasser ausgespült haben.
die gesalzenen zitronen stellen wir vier bis fünf tage an einen
warmen ort, bis sich einige flüssigkeit angesammelt hat. sodann
werden sie mit zitronensaft bedeckt. wir können stattdessen aber
auch gesäuertes wasser nehmen. dazu besorgen wir uns in der apotheke
zitronensäure und geben 1 und 1/2 teelöffel davon in 500 ml
wasser. auf die oberfläche giessen wir schliesslich noch etwas öl,
das die schimmelbildung verhindert. danach müssen wir das glas luftdicht
verschliessen und an einem nicht zu hellen ort aufbewahren.
die flüssigkeit ist zuerst trübe, wird aber nach etwa drei
wochen durchsichtig klar. jetzt können wir die zitronen weiter verwenden.
sie haben einen erfrischend-milden geschmack angenommen und ihre weich
gewordene schale schmeckt fruchtig-pikant. die flüssigkeit sollte
übrigens nicht weggeschüttet werden, denn sie eignet sich besonders
gut zum abschmecken von salatsaucen.
mit einem KLICK! auf die zitronen geht es zu einem linkverzeichnis
im internet, das uns zu den schönsten homepages mit arabischen rezepten
führt - bei denen die eingelegten zitronen manchmal eine wichtige
rolle spielen.
(421)
passend zu meiner heutigen notiz - in der es nicht zuletzt um
die verschmutzung unserer umwelt geht - habe ich bei SPIEGEL ONLINE
ein bild entdeckt, das dieses thema drastisch illustriert. es wurde am
vergangenen donnerstag (24.3.2005) aufgenommen und zeigt eine dichte
wolke aus russ und abgasen über norditalien. sie lag dort über
mehrere tage fest, weil der wind sie gegen die alpen drückte.
norditalien - eine region, die von der schwerindustrie geprägt
ist - sah tagelang überhaupt keine sonne. ich würde vorschlagen,
an solchen tagen das rauchen einzustellen und das haus nicht zu verlassen.
auch auf die sonnenbrille kann getrost verzichtet werden. am besten - man
lutscht hustenbonbons und bleibt gleich ganz im bett!
***
was uns in supermärkten seit einiger zeit angeboten wird,
scheint - wenigstens was den preis betrifft - unglaublich: nordseekrabben-fleisch
für ein paar wenige euros. dabei wissen wir doch: das „pulen“ der
krabben ist eine aufwendige angelegenheit und wir müssen schon eine
ganze menge davon schälen, um nur hundert gramm krabbenfleisch auf
dem teller zu haben.
des rätsels lösung: die krabben, in der nordsee gefangen,
werden erst einmal entweder nach polen oder (der weitaus grössere
teil) mit holländischen speditionen nach marokko gefahren. in beiden
ländern besorgen billige arbeitskräfte das aufwendige pulen
per handarbeit, weil es zwar inzwischen maschinen gibt, die dies ebenso
können, aber im resultat bislang noch sehr unbefriedigend sind.
verfolgen wir doch einmal den weg der krabben:
240 deutsche krabbenkutter, die auf der nordsee den fang betreiben,
landen die krabben an, die schon zuvor an bord mitsamt der schale gekocht
wurden, um sie haltbar zu machen. über die hälfte davon kaufen
holländische grosshändler auf, die den krabbentransport zunächst
in ihre zentralen nach nordholland besorgen. dort wird die ladung in
kühl-lastkraftwagen verstaut und tritt die reise über frankreich
und spanien nach marokko an. das dauert zwei tage. ziel sind die städte
tanger und tetouan in nordmarokko. dort warten hunderte von marokkanerinnen
in penibel sauberen hallen an grossen tischen auf die krabben und pulen
im akkord. jede arbeiterin schafft in handarbeit drei kilogramm krabbenfleisch
am tag.
danach wird alles wieder in die kühl-lastkraftwagen verladen
und zurück nach holland geschafft, wo das krabbenfleisch (etwa
am 7. tag nach dem fang in der nordsee) weiter verarbeitet wird.
oh wie frisch, oh wie lecker!
es ist ähnlich wie mit dem yogurt. wir essen in norddeutschland
yogurt aus bayern - und die bayern holen ihn aus vorpommern. jeden tag
sind ganze lkw-karawanen auf deutschlands strassen unterweges, um den
yogurt hin und her durchs land zu fahren.
was das soll? das weiss keiner, aber alle reden sich damit heraus,
dass dies das „gesetz des marktwirtschaft“ sei.
so verhält es sich auch mit den krabben, die kreuz und quer
durch europa transportiert werden - und das nur, weil wir verbraucher
zu faul sind, selbst das krabbenfleisch zu pulen und nicht bereit sind,
für eine dienstleitung, die uns diese arbeit abnimmt, auch angemessen
zu bezahlen. am erstaunlichsten aber ist, dass die krabben - trotz des
grossen aufwands - zur billigware verkommen sind. es fragt sich nur, auf
wessen rücken das geschieht und wer es auszubaden hat.
ich vermute: es sind die marokkanerinnen in tanger und tetouan,
die für einen spott-lohn im akkord arbeiten. geht es uns in europa
wirklich nicht in den kopf, dass diese art der produktion „kolonialismus“
bedeutet? auch in den "blütezeiten" des kolonialismus wurde die
arbeitskraft von menschen hemmungslos ausgebeutet, um wohlstand und unsere
bequemlichkeit in europa zu sichern. daran hat sich in wahrheit bis heute
überhaupt nichts geändert.
wer nun einwendet, dass dies alles arbeitsplätze in marokko
sichert, dem kann nur erwidert werden: auch die kinderarbeit in der dritten
welt sorgt für arbeitsplätze - jawoll!
mit einem KLICK! auf die krabbenkutter geht es zu einer homepage,
die ausführlich von der seltsamen reise der krabben durch europa
nach nordafrika und wieder zurück erzählt.
übrigens habe ich ende februar frischen spargel - das
pfund für zwei euro - in meinem supermarkt entdeckt. er kam aus
- peru! (na, wenigstens nicht aus norditalien!)