(300) wer bei KREUZ UND QUER ein wenig mitliest, kennt meinen faible für historische fotografien. eine ganz besonders aufregende seite habe ich entdeckt, als ich im internet auf der suche nach motiven aus palästina war. eine israelische homepage versammelt in staunenswerter zahl fotos aus der ersten hälfte des 20. jahrhunderts. in vielem erkannte ich das wieder, was ich selbst sah, als ich jetzt die region bereiste. ich habe einige fotos für meine kolumne ausgesucht und empfehle ansonsten allen interessierten, selbst einmal die israelische homepage zu besuchen. mit einem KLICK auf das foto ganz unten kommt ihr direkt dort hin!
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(299) wenn damals der französische staatspräsident in unsere stadt kam, hatten wir alle schulfrei, standen an der strasse und winkten mit kleinen fähnchen. der präsident stieg aus seinem schwarzen mercedes, winkte zurück und verschwand mit den senatoren, die ihn am eingang erwartet hatten, ins rathaus. da wurde gegessen. ich wusste: es gab rehrücken mit preiselbeeren. das gab es damals immer zum mittagessen. wenn aber der französische staatspräsident schon am frühen vormittag anreiste, wurde "toast hawaii" serviert. ganz bestimmt! "warum haben staatspräsidenten und senatoren eigentlich einen so grossen appetit?", fragte mich fredi, mein neffe, als er mich einmal wieder besuchte. "weil sie so wichtige entscheidungen treffen müssen!" antwortete ich. "das macht hungrig!" "ich muss zwar nichts entscheiden, aber appetit habe ich trotzdem!", bemerkte mein neffe. ich dachte blitzschnell darüber nach, ob ich die zutaten für das berühmte "gabelfrühstück" von fürst bismarck im haus hatte, musste aber schnell erkennen, dass mir der hering fehlte. unter diplomaten - ich wusste es - wird immer mit der gabel gefrühstückt, damals im rathaus meiner heimatstadt genauso wie bei bismarcks in friedrichsruh. aber zum glück gibt es ausser den diplomaten auch noch die senatoren! wenn sie es nicht abwarten können, rehrücken mit preiselbeeren serviert zu bekommen, überbrücken sie die zeit mit einem ordentlichen "senatoren-frühstück". so beschloss ich, für meinen neffen genau dies zuzubereiten. vom schweinefilet schneide ich ein ca. vier zentimeter grosses stück ab. ich drücke es ein wenig flach und gebe es in eine pfanne, in der ich zuvor fett erhitzt habe. nach kurzer zeit wende ich das filet, damit sich auf allen seiten die poren schliessen und der fleischsaft nicht austreten kann. fünf minuten für jede seite sollten reichen. ich würze das fleisch mit salz und pfeffer und lege es auf eine inzwischen getoastete weissbrotscheibe. anschliessend dünste ich in der pfanne klein geschnittene zwiebeln und würfelschinken. nach fünf minuten kann ich alles um den toast mit dem schweinefilet legen. ganz zum schluss brate ich in der pfanne noch ein spiegelei und lasse es, gesalzen und gepfeffert, auf das schweinefilet gleiten. "das senatoren-frühstück ist fertig!" rufe ich fredi zu. der macht sich auch gleich an die arbeit und erklärt mir alsbald mit vollem mund: "senator ist doch ein schöner beruf. ich glaube, das werde ich!" ob die diplomaten auch so begeistert waren, wenn ihnen in friedrichsruh neben der obligatorischen gabel auch der - meist versalzene - bismarckhering gereicht wurde?
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(298) wer irgendwo za´atar entdeckt, sollte die gelegenheit nutzen und sich einen beutel davon kaufen. es wird in syrischen und jordanischen lebensmittelgeschäften angeboten. doch was ist za´atar? eine mischung aus thymian, sesam und salz, die traditionell im nahen osten mit olivenöl verrührt und zusammen mit fladenbrot zum frühstück gegessen wird. dazu gibt es natürlich heissen und sehr süssen schwarzen tee.
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bleiben wir doch noch ein wenig in der region! wer von amman in jordanien zum roten meer reist, folgt erst dem jordanfluss und dann dem toten meer. die senke ist ein wüstengebiet und bildet heute die grenze zu israel. parallel erhebt sich rechtsseitig ein mächtiges, zerklüftetes gebirge, durch das in früheren zeiten die haupthandelswege führten, da dort menschliche siedlungen, mithin wasserstellen zu finden waren. der einfachste weg war selten der beste oder bequemste! nicht zuletzt deshalb wählte moses genau diesen weg, als er die juden aus ägypten und ins "gelobte land" führte. der jordan und das tote meer finden ihre fortsetzung im tiefen einschnitt des roten meeres, das den sinai von der arabischen halbinsel trennt. das satelliten-bild zeigt das besonders anschaulich. diese gesamte landschaftliche schnittstelle ist nichts anderes als die naht zwischen dem afrikanischen und asiatischen kontinent. hier prallen die beiden geologischen platten aufeinander, wodurch das ganze gebiet stark erdbeben gefährdet ist. viele römische siedlungen im nahen osten haben sich in den jahrhunderten nicht nur durch wind und wetter in trümmerlandschaften verwandelt, sondern wurden in erster linie durch erdbeben zerstört. der grosse baalbek-tempel im libanon zum beispiel, von dem heute nur noch einige, mächtige säulen stehen, war bis ins 18. jahrhundert hinein fast in seiner ursprünglichen gestalt zu sehen, bis er durch katastrophale erdstösse in sich zusammen brach. das tote meer, das 400 meter unter dem meeresspiegel liegt und die bruchstelle der kontinente markiert, ist der tiefste punkt der erde. der hohe salzgehalt rührt von den salzstöcken der umliegenden berge her, die - ausgewaschen - für die höchstmögliche konzentration und sättigung des wassers sorgen. ich bin entlang dieser kontinentalen bruchstelle gefahren und war davon überwältigt, wie sich hier - imposant und archaisch zugleich - eine landschaft voller magie und mythischer kraft geformt hat. ohne zweifel entstanden gerade deswegen in diesem gebiet die schöpferischsten menschheitsgedanken.
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(297) ägypten steht hoch im kurs. nach der grossen ausstellung in basel zeigt nun auch die bundeskunsthalle in bonn ausgewählte exponate aus dem ägyptischen museum in kairo. unter dem titel: "tutanchamun - das goldene jenseits, grabschätze aus dem tal der könige" ist die ausstellung noch bis zum 1. mai 2005 zu sehen. diese aktivitäten rund um die ägyptischen schätze wurden möglich, weil man in kairo ein grosses problem hat. das museum dort stammt aus der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts und wird seiner aufgabe, umfassend über die alte ägyptische kultur zu informieren, schon lange nicht mehr gerecht. die exponate sind unglücklich untergebracht, teils schlummern sie in magazinen, weil kein platz für sie vorhanden ist. also schickt man sie auf reisen, um mit den einnahmen aus diesen "verleihaktionen" geld für ein neues museum zu bekommen, das dicht bei den pyramiden von gizeh entstehen soll. allerdings redet man in kairo schon lange von diesem projekt und es wird immer unwahrscheinlicher, dass dieses museum in angemessener zeit auch gebaut wird. siehe dazu auch meine notiz aus dem april: HIER! mit einem KLICK aufs bild geht es direkt zur ausstellung in bonn: (296)
heute habe ich mich wirklich verschrocken. ja! sie hören richtig. ich habe mich nicht er- sondern ver-schrocken. ich weiss allerdings auch nicht, warum. im übrigen ist die wirkung fast dieselbe. weh tut beides! es war, um es frei heraus zu sagen, wie ein blitz aus heiterem, wenn auch diesmal bewölkten himmel, als ich hörte, dass nach dem 17. juni jetzt auch noch der 3. oktober abgeschafft werden soll. ich frage sie, liebstes nannerl! warum wird - wenn man schon einmal dabei ist - nicht auch der 13. september oder der 9. mai abgeschafft? das sind doch tage, die so ähnlich überflüssig sind wie eine marmelade, die nach ihrem verfalldatum verkauft wird. allerdings können wir eine marmelade umtauschen - nicht aber den 3. oktober gegen den 17. juni, denn den gibt es ja auch schon nicht mehr. viel schlimmer: ist der feiertag erst abgeschafft, befindet sich in unseren kalendern eine weitere unschöne lücke - oder anders gesagt: ein weiteres datummässiges "schwarzes loch"! also immer die ranzige marmelade aufs brötchen geschmiert. ach, nannerl! sie müssen mich wirklich nicht daran erinnern, dass an feiertagen die geschäfte geschlossen sind - wir also gar keine gelegenheit haben, marmeladen gegen ... z.b. eine kerze einzutauschen, die wir für unsere brüder und schwestern in der zone ins fenster stellen wollen. die zone gibt es ja auch nicht mehr. und seitdem der finanzminister den 3. oktober auf den ersten sonntag im selbigen monat verlegt hat, wissen wir spätestens am zweiten oktobersonntag nicht mehr, ob wir nun allerseelen (abgeschafft?) oder den 1. mai feiern sollen (es gerät ja alles datumsmässig in bewegung - nach hinten sozusagen!). da kommt - zwangsläufig - auch das weihnachtsfest in gefahr, einige wochen oder monate nach vorn oder gar nach hinten verlegt zu werden. allerdings denke ich, dass sich die bundesregierung mit der industrie schliesslich auf den 31. mai einigen wird, um an diesem tag den deutschen nationalfeiertag - angemessen! - zu begehen. es wäre allerdings wünschenswert, wenn alle arbeitnehmer auch gleich ihren urlaub an diesem tag nehmen würden. sie verschwinden dann morgens nach mallorca und sind - spätestens! - zur frühschicht (1. juni) zurück. weihnachten soll auf mallorca besonders festlich sein! und die kerzen zum abgeschafften 17. juni brennen ganz gewiss am weihnachtsbaum im flughafen-transit mallorca-düsseldorf. ist das nicht gedenken genug? liebstes nannerl! fast hätte ich vergessen, warum ich ihnen schreibe. ich möchte sie nämlich einladen. ich denke mir, dass der 15. märz ein geeigneter termin wäre, um mit ihnen ostern, pfingsten und weihnachten zu feiern. ausserdem könnten wir diesen tag auch dem gedenken an unsere brüder und schwestern in der zone (die es gar nicht mehr gibt - na, also!) widmen, womit wir also etwas feiern, was gar nicht mehr existent ist - höchstens in unseren köpfen. somit holt die bundesregierung eigentlich nur nach, was bei uns längst gewohnheit ist! jetzt müssen wir nur noch auf unsere vergesslichkeit hoffen. erinnern sie sich? die verhält sich ganz genau so wie unser erster vw. der blieb doch auch immer irgendwo an der autobahn stehen. motorschaden oder so! warum sollte es mit dem 3. oktober so viel anders sein? wenn sie, liebstes nannerl, aber meinen, dass ihnen ihr erstes auto (das mit dem geteilten nieren-fensterl) immer noch auf die seele drückt, dann muss ich ihnen höflich widersprechen: während sie noch zum fensterl hinaus sahen, habe ich den weihnachtsmann schon mal tot gefahren. warum lief er damals auch am 19. august über eine bundesdeutsche autobahn direkt vor mein auto? ist der 19. august etwa ein feiertag? ich wüsste nicht, welcher. da aber inzwischen auch der buss- und bettag abgeschafft wurde, kann es natürlich sein, dass er damals auf diesen unglücklichen augusttag fiel. wer will das schon wissen? was aber hat der weihnachtsmann im august - und noch dazu am buss- und bettag, den es gar nicht mehr gibt -, auf der autobahn zu suchen? ach, so! ihn jagten die steuerausfälle des finanzministers. aber warum, liebstes nannerl, gerade an diesem tag? er hätte doch einfach unseren nationalfeiertag für seinen ausflug wählen können. da hätte ihn gewiss keiner belästigt - denn: den gibt es doch jetzt auch nicht mehr! ergebenst ihr diener immer ihr schorcherl Kritik, anmerkungen, ergänzungen zu dieser notiz? hier
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(295) in den niederlanden wurde der regisseur theo van gogh ermordet. er hatte sich mehrfach kritisch mit dem islam auseinander gesetzt und nicht an vorwürfen gespart. die reaktion darauf waren morddrohungen, die ein fanatischer muslim - wahrscheinlich marokkanischer abstammung - jetzt in eine grausame, schreckliche tat verwandelte. leon de winter, bekannter niederländischer schriftsteller, erklärt in einem lesenswerten interview, warum es aus seiner sicht zu diesem verbrechen kam. hier ist es nachzulesen: ***
zurück aus dem nahen osten - mit ca. 1000 fotos im gepäck und vielen beeindruckenden erlebnissen, plane ich jetzt meinen reisebericht über libanon, syrien und jordanien. ich glaube fast, er wird ein wenig anders ausfallen als der über südmarokko. mir schwebt ein kaleidoskop von berichten, zitaten, hinweisen und fotografien vor, die zusammen genommen ein bild der region zeichnen. auf die idee dazu kam ich, als ich in aleppo im herunter gekommenen "hotel baron" sass und in den völlig zerschlissenen sesseln einen arrak trank. seit 1916 hat man dort nichts - oder doch fast nichts - verändert.
der grund dafür ist einfach. hier hatte einst
der berühmte "lawrence von arabien" gewohnt und dann vergessen, seine
rechnung zu bezahlen. die rechnung liegt - zusammen mit anderen devotionalien
- in einer vollkommen verstaubten vitrine, die in den letzten 90 jahren nicht
mehr angerührt wurde. das hotel ist einfach nur noch grotesk und konserviert
auf schräge, sehr britische art und weise das andenken eines mannes,
dem die begeisterung für arabien zur obsession wurde. ich werde davon
berichten. einiges über ihn habe ich indes schon vor einiger zeit aufgeschrieben:
für heute belasse ich es bei einem
kleinen gruss nach jordanien, wo ich irgendwann am weg drei beduinen traf,
die dort ihre kamele hüteten und gern eine zigarette mit mir rauchten.
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