KREUZ UND QUER!
*sechs neue notizen - oktober 2004*


zu den letzten sechs notizen!
                                                                                                                                       die monate - alle themen!  



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die sogenannte "reconquista" ist die historische bezeichnung für die rückeroberung der seit 711 von den mauren besetzten gebiete spaniens durch christliche heere. aber warum eigentlich "reconquista"? gehörte die iberische halbinsel jemals den spanischen adelshäusern asturien, navara, kastilien oder león, bevor die mauren ins land kamen? davon kann überhaupt keine rede sein. vielmehr herrschten die westgoten seit 411 auf der halbinsel. sie allerdings mussten den muslimischen eroberern weichen. wenn es also überhaupt einen sinn hat, von der "reconquista" zu sprechen, dann nur, weil wieder ein christlicher herrschaftsanspruch etabliert werden sollte, mit dem schon die westgoten das land regiert hatten. mit einer rückeroberung im politischen sinn hat das aber gar nichts zu tun.

die reconquista  - behalten wir also in gottes namen die bezeichnung bei - begann zaghaft im norden spaniens und erreichte ihre wirkliche dynamik erst im 11. jahrhundert unter den königen sancho III. von navarra, ferdinand I. von kastilien und alfonso VI. von león. gefördert durch papst alexander II und unterstützt von den christlichen europäischen mächten vollzog sich die eigentliche reconquista (unter ungeheuren opfern auf beiden seiten!) in drei stossrichtungen :

- in das zentrum der halbinsel durch die könige von kastilien und león
- entlang der atlantikküste (bis 1297) unter der führung der könige von portugal
- entlang der mittelmeerküste durch das königreich aragon.

Im 14. jahrhundert und anfang des 15. jahrhunderts stagnierte die reconquista. sie wurde erst 1492 mit der eroberung des maurischen granadas durch isabella I. von kastilien und ferdinand II. von aragon abgeschlossen, ehe 1498 nahezu alle mauren von der iberischen halbinsel vertrieben worden waren.

nichts zeigt den verlauf der geschichte spaniens eindrucksvoller als diese vier karten, die - selbst erklärend - den vormarsch der spanier auf die maurischen gebiete zeigen:




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das ist eine private homepage, die es wirklich "in sich" hat: LITERATURSCHOCK heisst sie und wer sich über bücher und ihre inhalte schnell, aber doch kompetent informieren will, sollte unbedingt dorthin surfen. susanne kasper hat die homepage ins netz gestellt, auf der inzwischen viele rezensionen zu einer grossen zahl von büchern zu lesen sind. alle bücher werden mit bild und einer kurzen inhaltsangabe vorgestellt - und jeder besucher ist eingeladen, seine eindrücke aufzuschréiben. es gibt auch interviews mit autoren und mehrere foren, in denen sich die leser austauschen können. mit einem KLICK aufs banner geht es zu dieser tollen homepage!
 


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(288)


reiner kunze gehört nicht zu meinem lieblingsschriftstellern. er war mir - ich kann es nicht anders beschreiben - immer zu „angestrengt“. allerdings kann das bei seiner biografie vielleicht auch gar nicht anders sein. das folgende gedicht von ihm habe ich vor einiger zeit entdeckt. es gefiel mir so gut, dass ich es bei KREUZ UND QUER vorstelle:

Das ende der kunst

Du darfst nicht, sagte die eule zum auerhahn,
du darfst nicht die sonne besingen
Die sonne ist nicht wichtig

Der auerhahn nahm
die sonne aus seinem gedicht

Du bist ein künstler,
sagte die eule zum auerhahn

Und es war schön finster


wer sich näher mit reiner kunze beschäftigen möchte, dem sei der folgende link empfohlen. KLICK einfach aufs bild:



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(287)


kaum zu glauben: erst einmal habe ich sie in marokko gegessen - und sie war ein genuss der besonderen art: pastilla! der grund, warum man diese pastete in marokko so selten findet: sie ist ein wenig aufwändig in der zubereitung und wird deswegen nur zu besondern anlässen serviert. und da ich in marokko beispielsweise noch nie eine hochzeit miterlebt habe, hatte ich auch kaum gelegenheit, eine pastilla zu essen.

die pastilla wird meistens als ganzes zubereitet und dann aufgeschnitten - manchmal aber auch als gefüllte taschen serviert.



vor einigen tagen besuchte mich einmal wieder mein ewig hungriger neffe fredi. er erzählte mir, dass er zur hochzeit der schwester seines besten freundes eingeladen war. nun weiss ich, was es auf hochzeiten zu essen gibt: als hauptgang wird (wenigstens in den dörfern rund um bremen) der zweifache braten - also rind und schwein - serviert. dazu gehören erbsen und möhren. wenn es ganz üppig sein soll, entdecken wir in den gemüseschüsseln auch einige klein geschnittene spargel. zum nachtisch gibt es natürlich rote grütze. bleibt - vorweg - noch die suppe.

„was gab es denn auf der hochzeit zu essen?“ fragte ich fredi.

„zweifacher braten, erbsen, möhren und spargel, rote grütze und - die hochzeitssuppe!“ fredi stöhnte auf, als er von dieser suppe sprach. sie besteht aus einer hühnerbrühe, darin schwimmen kleine nudel-sternchen und - das wichtigste: der eierstich. das sind im wasserbad gestockte eier, die mit salz, pfeffer und viel muskat gewürzt werden. ich wusste, warum fredi bei erwähnung der suppe aufstöhnte, und musste ihm recht geben: hochzeiten in bremen und "umzu" sind manchmal etwas langweilig.

ich entschloss mich, für fredi eine pastilla zuzubereiten, die jede hochzeit in marokko zu einem unvergesslichen erlebnis werden lässt. als fredi allerdings vorschlug, das brautpaar zum essen einzuladen, entgegnete ich, dass sie gewiss noch viel zu viel damit zu tun hätten, die reste von ihrer hochzeit aufzuessen.

„das kann sein!“ meinte fredi. „von der hochzeitssuppe wenigstens blieb allerhand übrig!“

„was bei einer pastilla nie passiert wäre!“ lachte ich.



Eugène Ferdinand Victor Delacroix: Jüdische Hochzeit in Marokko, 1839

wir machten uns an die arbeit. beim türken besorgen wir „filoteig“. wenn wir den nicht bekommen, können wir stattdessen auch blätterteig verwenden. als erstes hacke ich zwiebeln, petersilie und koriander sehr fein, gebe die mischung zusammen mit ein wenig salz und pfeffer in einen topf und fülle wasser auf. dort hinein lege ich einige hühnerbrüste und lasse sie ca. 20 minuten im sud kochen (zur originalen bastilla gehört übrigens taubenfleisch). wenn die hühnerbrüste gar sind, schneide ich sie in ganz kleine stücke und stelle sie beiseite.

in einer pfanne röste ich ohne fettzugabe gehackte mandeln. anschliessend vermische ich einige eier in 150 ml der (lauwarmen) kochbrühe, erhitze sie anschliessend und rühre kräftig, bis alles zu einer cremigen masse geworden ist. jetzt wird es zeit, den ofen auf 160 grad einzustellen. ich streiche eine tiefe backform mit butter aus. den boden und die seiten belege ich mit sieben lagen des filo- oder blätterteigs, den ich (nicht vergessen!) schicht für schicht mit geschmolzener butter bestreiche. auf der obersten lage verteile ich anschliessend die gerösteten mandeln, zucker und viel zimt. jetzt giesse ich die hälfte der eimasse darüber. sie wird mit vier weiteren lagen filoteig bedeckt, die ich wiederum mit butter einfette. als nächstes fülle ich das hühnerfleisch in die form und bedecke es mit der restlichen eimasse. den abschluss bilden noch einmal fünf lagen gebutterter filoteig, den ich mit dem teig am rand der form fest zusammen drücke. die füllung sollte ganz und gar umschlossen sein. ich schiebe die pastilla in den vorgeheizten ofen, wo sie 40 minuten backen soll. anschliessend erhitze ich den ofen auf 200 grad und backe ca. 15 minuten weiter, bis die pastilla goldbraun und kross ist.

ich nehme die pastete aus dem ofen, bestäube sie mit puderzucker und zimt und schneide sie in stücke. wir sehen, das rezept ist wirklich ein wenig aufwändig und verstehen jetzt um so besser, warum die pastilla in marokko nur zu bestimmten anlässen zubereitet wird.

fredi, der - ein wenig skeptisch ("zucker, zimt?") - davon probiert, rollt nach dem ersten bissen ganz verzückt die augen und fasst mit vollem mund den kulinarischen eindruck so zusammen: „vielleicht sollte man die bremer hochzeits-suppe statt mit eierstich und nudelsternen einmal mit zucker und zimt servieren. ich denke, das könnte sogar noch der langweiligsten hochzeit einen besonderen pfiff geben!“

mit einem KLICK aufs bild unten geht es zu einer homepage mit dem ganzen pastilla-rezept  - das dort schritt für schritt erklärt wird und auch eine liste aller zutaten bereit hält. ich gestehe, dass ich mich auch erst schlau machen musste, bevor ich mit fredi zwar nicht hochzeit feierte, aber mich doch wie in marokko fühlen konnte:

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die porträts von frauen, die ich auf meiner homepage veröffentliche, sollen den "weiblichen" aspekt des kolonialismus zur sprache bringen. frauen waren nicht immer nur begleiter ihrer männer, wenn sie aus ihrer heimat ins ungewisse aufbrachen. oft genug waren sie selbst forscherinnen und entdeckerinnen, die es aber verständlicherweise ungleich schwerer als männer hatten, ihrer arbeit nachzugehen. manchmal verkleideten sie sich sogar, um unbehelligt durch nie gesehene länder zu reisen und sie zu erkunden... (HIER geht es zu allen porträts!)

2. catalina de erauso

Welches schicksal wartete auf eine junge frau aus adliger baskischer familie, wenn  sie nicht verheiratet werden konnte? sie wurde in ein kloster geschickt. so erging es auch catalina de erauso, die ende des 16. jahrhunderts in spanien lebte und darauf sann, wie sie der klösterlichen gefangenschaft entrinnen konnte. in der nacht vor ihrem gelübde eröffnete sich schliesslich die chance zur flucht. sie entdeckte den schlüssel zum tor, stahl nähzeug und ein wenig geld und verliess heimlich das kloster. erst einmal versteckte sie sich, denn man suchte fieberhaft nach ihr. aus ihrem nonnengewand nähte sie ein männerkleid, ihre langen haare schnitt sie ab. dann machte sie sich - als junger mann verkleidet - auf die wanderschaft, um möglichst bald aus der nähe des klosters zu entkommen.



es gibt zahlreiche spanische edikte aus der zeit, die eine flucht von nonnen in männerkleidung unter todesstrafe stellten. catalina war also kein einzelfall. allerdings  überstieg die konsequenz, mit der sie ihre flucht voran trieb, alles bisher bekannte. sie verdingte sich erst als gelegenheitsarbeiter und stallbursche und heuerte dann auf einem schiff in die neue welt an. doch auch in panama blieb die furcht, dass ihre wahre identität erkannt werden könnte. deswegen schloss sie sich bald einer reisegruppe an, die auf dem landweg peru erreichen wollte.



catalina hatte allerdings ein problem: die rolle des herum vagabundierenden halbwüchsigen konnte sie mit zunehmendem alter immer schwerer aufrecht erhalten. deswegen nahm sie fechtunterricht, trat - immer noch als mann verkleidet - in die spanische armee ein und wurde als soldat sogleich weiter geschickt: in eine garnison an der chilenischen grenze. dreizehn jahre hielt sie es dort aus, aber das leben am ende der welt ödete sie an - es ähnelte zu sehr den tagen, als sie noch im spanischen kloster lebte. die entbehrungen erleichterten ihren entschluss, die armee zu verlassen und sich als bergarbeiter zu verdingen.

doch auch diese arbeit befriedigte sie nicht, zumal dem bergbau in nordchile kein grosser erfolg beschieden war. sie fand einige gefährten, mit denen sie nach argentinien gehen wollte. aber es gab keine strassen über die zerklüfteten berge und die schmalen pfade in den anden waren gefährlich. ihre gefährten erfroren auf dem marsch - sie allein erreichte schliesslich argentinien und hatte damit fast den ganzen südamerikanischen kontinent vom norden bis zum süden durchwandert.

in argentinien angekommen, weiss sie nicht, womit sie ihr leben fristen soll. schliesslich entscheidet sie sich, noch einmal in die spanische armee einzutreten. bei einer kriegerischen auseinandersetzung muss sie sich in eine kirche flüchten und legt dort - warum wissen wir nicht, vielleicht ist sie nur noch müde und zermürbt  - eine beichte ab: sie lüftet das bis dahin strenggehütete geheimnis, eine frau zu sein. eine strafe - wie von ihr befürchtet - bleibt jedoch aus. sie muss zwar die armee verlassen, erhält aber eine ehrenvolle pension zuerkannt.

wenn catalina de erauso von ihren zeitgenossen gefragt wurde, warum sie die vielen entbehrungen auf sich nahm, antwortete sie: „ich wollte reisen und ein bisschen von der welt sehen!“ wir dürfen allerdings vermuten, dass hinter ihrer verkleidung noch mehr steckte: nämlich die sehnsucht, ihre liebe zu frauen auszuleben, was zu ihrer zeit als unmöglich galt.

ein zeitgenosse schilderte sie so:

„sie ist gross von statur und jeder würde sie für einen mann halten, sie hat keine brüste. man habe sie ihr als mädchen durch eine behandlung entfernt ... ihr gesicht ist weder hässlich noch schön, aber verbissen. ihr haar ist schwarz und kurz wie das eines mannes und nach der mode pomadisiert. sie trägt spanische männerkleidung, trägt ihr schwert eng gegürtet und hat das gehabe eines soldaten.“



catalina de erauso wurde von ihren zeitgenossen bestaunt und bewundert. ihr leben war abenteuerlich und wie ein märchen. keiner konnte sich erinnern, dass einmal eine frau so radikal mit allen konventionen gebrochen hatte. die spanischen soldaten in den kolonien verehrten sie als heldin. dennoch entschloss sie sich, südamerika zu verlassen und in ihre heimat zurück zu kehren. dort angekommen, meldete sich aber bald ihre unruhe zurück, - auch weil sie nicht in die rolle einer frau zurückfinden konnte. schliesslich unternahm sie eine wallfahrt nach rom, um vielleicht vom papst einen rat für ihr aussergewöhnliches leben zu erhalten.

aber das reisen war um 1600 nicht nur in südamerika gefährlich. in frankreich wurde sie erst als spionin verhaftet und später überfallen und beraubt. in rom empfing sie der papst in einer audienz. was er ihr sagte, wissen wir nicht. aber kurz darauf kehrte sie enttäuscht nach spanien zurück und entschloss sich, wieder nach südamerika aufzubrechen. dort angekommen, lebte sie als hirte und begleiter einer mulikarawane im grenzgebiet von mexiko. hier verlor sich schliesslich ihre spur. keiner hörte noch einmal von ihr.

in spanien indes blieb sie unvergessen. bekannte maler der zeit porträtierten sie und chroniken berichteten von dem seltsamen und aufregenden leben der catalina de erauso. die beste quelle für ihr leben ist aber ihre selbst verfasste biografie.





wird fortgesetzt!

quelle: milbry polk und mary tiegreen: „frauen erkunden die welt, entdecken - forschen - berichten“, 2001



(285)


die porträts von frauen, die ich in der nächsten zeit auf meiner homepage veröffentliche, sollen den "weiblichen" aspekt des kolonialismus zur sprache bringen. frauen waren nicht immer nur begleiter ihrer männer, wenn sie aus ihrer heimat ins ungewisse aufbrachen. oft genug waren sie selbst forscherinnen und entdeckerinnen, die es aber verständlicherweise ungleich schwerer als männer hatten, ihrer arbeit nachzugehen. manchmal verkleideten sie sich sogar, um unbehelligt durch nie gesehene länder zu reisen und sie zu erkunden...



1. elisabeth van der woude

Guyana wurde im 16. jahrhundert entdeckt und schon bald stritten holland, portugal und frankreich um die vormachtstellung. 1676 entschloss sich holland, fakten zu schaffen und dort eine kolonie zu gründen. dazu wurden siedler angeworben, die bereit waren, ihr glück in südamerika zu suchen.



einer der kolonialisten war harman van der woude, ein amtmann aus niendorp, der sich mit seiner familie, fünf mägden, 45 knechten sowie einigen pferden, kühen, schafen, hühnern und tauben in die neue welt einschiffte. sie hatten proviant für ein jahr dabei. seine tochter elisabeth, die damals 21 jahre alt war, schrieb ein ausführliches tagebuch, das erst 200 jahre später aufgefunden und veröffentlicht wurde. es ist ein bedeutendes zeugnis der frühen kolonialgeschichte, liegt allerdings bis heute nur in holländischer sprache vor.

schon die schiffsreise war ein gefährliches unternehmen, da es in der damaligen zeit wenige karten und geeignete navigationsgeräte gab. die schiffe und ihre besatzungen waren untiefen und stürmen hilflos ausgeliefert, der skorbut raffte die menschen dahin und irgendwo lauerten bestimmt piraten, um ihre schiffe zu kapern.

noch während der reise nach südamerika stirbt zu anfang des jahres 1677 elisabeths vater und kurze zeit danach auch ihre schwester. wenige tage später erreicht das schiff endlich die küste guyanas und elisabeth sucht mit den anderen eine stelle, an der sie die erste holländische siedlung gründen können.

sie berichtet in ihrem tagebuch, dass sich ihnen einige indianer mit ihren kanus zeigten und gutwillig bei der suche nach einem siedlungsplatz halfen. da das land dicht mit bäumen bewachsen war, musste erst der wald gerodet werden, um acker- und weideflächen zu gewinnen. das holz diente den siedlern zum bau ihrer häuser. elisabeth beschreibt das alles in ihrem tagebuch. sie findet aber auch zeit, von der vielfalt der fauna in guyana zu berichten: dort gibt es hirsche, schweine, tiger, leoparden, affen und krokodile. sie beschreibt ebenso sorgfältig die vielen verschiedenen früchte, die in guyana wild wachsen: bananen, ananas, äpfel, kokusnüsse, zuckerrohr, kartoffeln und fenchel.

es hätte also ein paradies sein können.



dennoch stellt sich bei elisabeth bald ernüchterung und enttäuschung ein. sie kann den tod ihres vaters und ihrer schwester nicht verwinden - und es schlägt ihr aufs gemüt, dass es in guyana fortwährend zu regnen scheint und viele ihrer begleiter an tückischen tropenkrankheiten sterben. schliesslich bittet sie den kapitän des holländischen schiffes, das sie nach guyana gebracht hat und abreisebereit vor der küste liegt, sie nach holland mitzunehmen. als er diesen wunsch ablehnt, geht sie heimlich an bord, versteckt sich und verlässt auf diese weise südamerika.

ihre heimreise gestaltet sich noch gefährlicher als die hinreise, denn französische piraten lauern ihnen auf und kapern das schiff. elisabeth notiert, dass sie von drei schiffen verfolgt wurden und die besatzung sich zum kampf bereit machte. der kapitän bekam es mit der angst und versuchte, mit sechs männern in einem kleinen boot zu flüchten. die piraten nahmen jedoch die verfolgung auf und zwangen die männer zur umkehr. anschliessend rammten sie das schiff und enterten es. den 20 männern der besatzung standen 100 bis an die zähne bewaffnete piraten gegenüber. die holländer mussten bald einsehen, dass jeder widerstand zwecklos war. daher holten sie die fahne ein und ergaben sich. die piraten nahmen elisabeth gefangen und verschleppten sie. für einige wochen musste sie an den kaperfahrten der freibeuter teilnehmen. erst vor norwegen übergab man sie schliesslich einem holländischen schiff, das sie zurück in die heimat brachte.

dort erreichte sie die nachricht, dass die franzosen die kleine holländische kolonie in guyana überrannnt hatten. ihrem bruder gelang die flucht. was aus den anderen wurde, ist unbekannt. der ganze besitz der familie in südamerika war verloren.

bedeutend ist das tagebuch von elisabeth van der woude nicht nur wegen der detaillierten aufzeichnungen, sondern auch, weil zeitgenössische berichte überwiegend von männern geschrieben wurden - wir es also bei diesem tagebuch mit einem ganz seltenen dokument der kolonialgeschichte aus der sicht einer frau zu tun haben.

wird fortgesetzt!

die aufsatzfolge kann auch HIER nachgelesen werden!

quelle: milbry polk und mary tiegreen: „frauen erkunden die welt, entdecken - forschen - berichten“, 2001