(260) die welt von mittelerde in "herr der ringe", geschrieben von j.r.r. tolkien, faziniert die menschen und regt immer neue künstler an, sie zu illustrieren. die ergebnisse sind sehr unterschiedlich, aber das liegt in der natur der sache. jeder reagiert anders auf die erzählungen und fantasiert seine eigenen bilder. einer der besten illustratoren ist ganz gewiss ted nasmith, der inzwischen einige tolkien-jahreskalender heraus gebracht hat. seine "gerenderte" welt von mittelerde ist dramatisch, detailverliebt, stilistisch sicher und von grosser atmosphärischer dichte.
das untere bild zeigt den auszug der kleinen hobbits aus dem auenland - der beginn ihres grossen, überwältigenden abenteuers.
das motiv kontrastiert aufs schönste die dramatik des oberen bildes
und vermittelt so den ganzen spannungsbogen tolkienschen erzählens.
wer die kunst von ted nasmith kennen lernen und sich noch mehr illustrationen
zum "herr der ringe" ansehen möchte, klickt ins untere bild:
(259) die "leslie-lohman-gay-art-foundation" ist die wichtigste adresse für schwule und lesbische kunst in new york. die galerie besteht seit 1990 und versammelt bilder, fotografien und skulpturen schwuler amerikanischer künstler. darüber hinaus richtet sie immer wieder bedeutende ausstellungen zeitgenössicher schwuler kunst aus. nicht alles, was die galerie zeigt, ist auf der höhe künstlerischer meisterschaft - manches ist auch schlicht nur "kitsch". dennoch sind darunter grossartige bilder und skulpturen zu entdecken. in einer dauerausstellung werden auch arbeiten von the. titolo gezeigt, die er unter dem titel "american kouros" (also: "amerikanischer jüngling") zwischen 1967 und 1969 veröffentlicht hat: 49 doppelblätter, mit acryl, tinte und magic marker gemalt und jeweils in einem schwarzen ringbuch geheftet. die bilder sind oft erotisch, manchmal vulgär und obszön - und von einer farbigen und poetischen ausdruckskraft, die mich sofort in ihren bann schlug. ich stelle vier der 49 arbeiten vor. mit einem KLICK auf das letzte bild geht es direkt zur homepage der "leslie-lohman-gay-art-foundation". (258) heute will ich gleich zwei grüsse versenden. der erste geht in die schweiz zu sanuk. er hat auf seine homepage: ein meisterliches foto vom lukmanier-pass gestellt.
mit - hoffentlich - seiner erlaubnis habe ich es noch einmal durch ein fotobearbeitungsprogramm
geschickt, es ein wenig (aber wirklich nur ein wenig!) kontrastreicher gemacht
und den ausschnitt leicht verändert. das bild nennt sanuk:
"kraft hinter gitter"
(257) von heute ab ergänze ich meine notizen mit einem blick in die feuilletons deutschsprachiger tageszeitungen (die welt, frankfurter allgemeine, frankfurter rundschau, taz, neue züricher zeitung, tagesspiegel). ich möchte auf artikel hinweisen, die wenigstens mir interessant erscheinen. wie das aussieht, habe ich unten demonstriert (KLICK). zugunsten dieser links zu zeitungsartikeln (ich nenne das:"blick ins feuilleton"), die im internet nachzulesen sind, werde ich davon abrücken, jeden tag eine ausgearbeitete notiz hier her zu stellen. an manchen tagen beschränke ich mich darauf, die verlinkten zeitungsartikel knapp zu erläutern und zu bewerten. ***
wenn bibliotheken brennen, schaudert es uns. das ist in umberto ecos roman
„der name der rose“ so und nicht anders in elias canettis buch „die blendung“
- sinnbilder der zerstörung menschlichen geistes, katastrophen fast
metapysischen ausmasses. im kleinen masstab habe ich das selbst erlebt, als
vor vielen jahren die wohnung eines freundes, der eine grosse bibliothek
besass, brannte. seine bücher waren rettungslos verloren. mein freund
fühlte sich wie amputiert und konnte mit dem verlust überhaupt
nicht fertig werden. es war geradeso, als sei ihm ein geliebter mensch abhanden
gekommen.die anna-amalia-bibliothek in flammen die bibliothek wurde 1691 gegründet und beherbergt eine umfangreiche sammlung der deutschen literatur zwischen 1750 und 1850, - darunter die grösste „faust“-sammlung der welt - und eine bedeutende zahl von originalen shakespeare-ausgaben. herzogin anna amalia hatte 1759 die regentschaft im herzogtum sachsen-weimar-eisenach übernommen, nachdem ihr mann, ernst august II., gestorben war. sie war geprägt von den höfen in wolfenbüttel und braunschweig, wo ihr vater, carl I., als aufgeklärt-absolutistischer herrscher kunst, musik und theater förderte. die bibliothek in wolfenbüttel gehört bis heute zu den bedeutendsten büchersammlungen europas. anna amalia zog dichter und philosophen - herder, wieland und goethe - nach weimar. in ihrem auftrag wurde das grüne schloss am ilmpark zur bibliothek umgebaut, das heute zum UNESCO-weltkulturerbe gehört. 1766 konnte der gesamte bestand von damals 30.000 büchern dort aufgestellt werden. den weiteren ausbau und die verwaltung der bibliothek übernahm johann wolfgang von goethe. die bibliothek, die seit 1969 den namen „zentralbibliothek der deutschen klassik“ trägt, umfasst heute rund 900.000 bücher. sondersammlungen, wie die 2000 mittelalterlichen handschriften und 8400 historischen landkarten ergänzen die bestände. die musiksammlung von anna amalia, die aus 3900 büchern und noten bestand, - unter anderem autographen von mozart -, wurde jetzt ein raub der flammen. ein trost: die wichtigsten und wertvollsten objekte lagerten im tresor der bibliothek.
das "herz" der bibliothek: der rokkoko-saal erinnern wir uns bei dieser gelegenheit an den brand der bibliothek von alexandria. das feuer zerstörte damals das wissen der antiken welt - vieles ging für immer verloren. wie tief der verlust reicht, zeigt die tatsache, dass vor einigen jahren an der selben stelle eine neue bibliothek gebaut wurde, die ganz bewusst an das antike vorbild anknüpft, aber kaum eine ähnliche bedeutung erlangen wird. das feuer verbrennt eben mehr als bücher - es vernichtet das wissen und das gedächtnis der völker und lässt uns nackt, entblösst und beraubt zurück. mein freund stellte die wenigen bücher, die nicht ganz und gar verbrannt waren, später wieder auf. die geschwärzten einbände erzählten auf ihre weise davon, wie kostbar und unersetzlich sie waren. es sind eben nicht nur bücher, die verloren gehen - sondern unsere erfahrungen und erlebnisse, die wir mit ihnen gemacht haben und an die sie uns zu jeder zeit erinnern. es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir die teilweise zerstörung der anna-amalia bibliothek in weimar eine kulturelle katastrophe nennen, die deutschland getroffen hat. wer sich über den brand näher informieren
möchte - hier ist ein link zur frankfurter rundschau:
http://www.frankfurter-rundschau.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=498469 und hier ein augenzeugenbericht aus weimar über den brand und eine erste einschätzung, was nun zu tun ist: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Docl die feuilletons der zeitungen sind dieser tage so interessant, dass ich noch auf drei weitere artikel hinweisen möchte: ein kenntnisreicher artikel anlässlich des 200. geburtstags von eduard mörike: http://www.nzz.ch/2004/09/04/li/page-article9TSL2.html edgar reitz hat seine neueste und damit dritte filmfolge "heimat" vorgestellt: http://www.frankfurter-rundschau.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=498476 und die taz interviewt die autorin, globetrotterin und sammlerin ursula ziebarth: http://www.taz.de/pt/2004/09/04/a0285.nf/text.ges,1 (256)
edgar allan poe ist der meister dunkler, mysteriöser geschichten
und gedichte. sein literarisches werk ist zeitlos, denn er fand bilder, die
tief in unserem unterbewusstsein gespeichert sind, und - um mit c.g. jung
zu sprechen - archetypisch unser seelenleben reflektieren.berühmt ist sein gedicht "der rabe", das hans rall in dunklen, holzschnittartigen bildern (die an frans masereel erinnern) zu einem kleinen film verarbeitet hat. hans pagtsch spricht den text in diesem, mit vielen preisen ausgezeichneten kurzfilm, der die atmosphäre des gedichtes sehr genau trifft. viele namhafte schriftsteller haben sich an der übersetzung des gedichts versucht, über das edgar allan poe einen eigenen essay verfasst hat, in dem er beschreibt, wie notwendig, ja zwingend dort alles auf das wort "nevermore" hinaus läuft. dies bedenkend, kann wohl keine übersetzung aus dem englischen den sinn ganz erschliessen. mit einem KLICK aufs bild geht es zu einer homepage, die das gedicht in verschiedenen versionen vorstellt. wer sich gleich den kurzfilm ansehen möchte, klickt auf das wort, das als eine - schwache - übersetzung für "nevermore" gelten muss. (255) wenn mein neffe fredi mich besucht - ihr wisst schon: der mit dem grossen appetit - und ich ihn frage, was wir essen wollen, antwortet er wie aus dem bratrohr geschossen: „rumpsteak mit pommes!“ - als ob man soetwas kochen könnte! wenn er jetzt noch sagen würde: „und dazu ordentlich majo und ketschup“, müsste ich antworten: „das ist allein sache von käpt´n iglo! warum angelt er auch immer in der nordsee? da schwimmen wirklich nur fischstäbchen herum und keine steaks mit pommes! um die zu finden, müsste er seine netze einmal ganz woanders auswerfen. wo? ach, das überlasse ich gern ihm. er ist schliesslich der kapitän aller gourmets.“ bei mir wenigstens gibt es heute geschmorte gurken. und wenn fredi seinen mund verzieht und gedehnt fragt: „was ist das denn?“ dann hat er keine ahnung, mit wie wenig handgriffen wir den späten sommer in unsere küche zaubern können.
inzwischen habe ich rinderhack in eine schüssel gegeben (wir können auch durchgedrehtes lamm nehmen, oder aber hackfleisch halb rind halb schwein - das ist saftiger!) und vermische es mit einem aufgeschlagenen ei sowie pfeffer und salz - wer will, gibt auch eine gehackte knoblauchzehe dazu. es sollte auf jedem fall kräftig gewürzt werden. jetzt kommen die schmorgurken dran. ich schneide sie in zwei hälften. mit einem löffel kratze ich die kerne in der mitte heraus und fange alles in einer schüssel auf. zum schluss sollten einige ausgehöhlte gurken“schiffchen“ vor uns liegen. fredi, der mir über die schulter gesehen hat, bemerkt mit kennerblick: „und nun noch einige tomaten und zwiebeln dazu ... und schon ist der salat perfekt!“ „schmorgurken eigenen sich nicht als salat!“ antworte ich und erinnere mich im selben moment daran, dass wir dieses gericht auch jederzeit mit grünen salatgurken zubereiten können, die man das ganze jahr über erhält. in die ausgehölten „gurkenschiffchen“ fülle ich das hackfleisch und setze sie in eine bratenform. ich giesse ein wenig neutrales öl dazu und brate die gurken auf grosser flamme kräftig an. gut wäre es, wenn sie jetzt farbe nehmen und braun werden - denn das ist wichtig für das aroma der sauce, die wir später zubereiten wollen. bald ist es auch schon zeit, die feingehackten zwiebeln um die gurken zu verteilen und eine weile mit schmoren zu lassen. wenn sie braun werden, gebe ich die kerne und den saft, - also das, was ich vorher aus der gurke heraus gekratzt habe -, mit in die bratform (wer zeit hat, passiert alles zuvor durch ein sieb!). der ofen sollte auf 180 grad vorgeheizt sein. dort hinein kommen die gefüllten gurken. sie schmoren, je nachdem, mit wie viel hackfleisch sie gefülllt wurden, an die 45 minuten. zwischendurch gebe ich noch einmal wasser dazu - das ich direkt über das hackfleisch giesse. bald erfüllt die küche ein duft von geschmorter gurke, der für mich zum spätsommer gehört wie die blühende erika in der lüneburger heide. kindheitserinnerungen ... aber nicht für fredi! er besieht sich meinen ofen und bemerkt: „ich weiss doch, dass griechischer bauernsalat anders zubereitet wird - aber wie denn?“ zum schluss nehme ich die gurken aus dem ofen und lege sie - vorsichtig - auf einen teller. den fond in der bratform muss vielleicht noch einmal mit ein wenig wasser angegossen werden. ich lasse alles kurz aufkochen und gebe saure sahne in die sauce. es wäre gut, jetzt noch einmal mit salz und pfeffer nachzuwürzen (vielleicht auch fondor?) und die sauce einkochen zu lassen, bis sie sämig ist. wenn auch fredi von seiner imaginären reise mit käpt´n iglo aus der nordsee zurück ist, wo sie einmal wieder vergeblich nach „steaks mit pommes“ gefischt haben, und auch die kartoffeln gar sind, kann gegessen werden. fredi lässt sich eine gefüllte gurke reichen, gibt sauce über die kartoffeln, beugt sich über den teller und ruft: „warum denke ich eigentlich die ganze zeit an sommer?“ ich will gerade über seine worte lächeln - da fällt mir ein: ich habe vergessen, zum schluss klein geschnittenen dill in die sauce zu geben. das tue ich das nächste mal - aber doch wohl nur, wenn käpt´n iglo nicht inzwischen „steaks mit pommes“ in seinen netzen gefunden hat!
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