| (278) wenn sich die befindlichkeit eines volkes an medialen ereignissen ablesen könnte, befänden sich die deutschen zur zeit im spagat von depressiver endzeitstimmung ("der untergang") und euphorischer aufbruchsstimmung (alexander von humboldt). zu letzterem (und uns!) lesen wir amüsiert (und ein wenig erschrocken?) diese spitzfindigkeit in der "neuen züricher zeitung": HIER! ***
vor einigen tagen besuchte mich mein neffe fredi und sagte - er
stand noch in der haustür: „wann waren wir eigentlich das letzte mal
chinesisch essen?“ ich überlegte: „das ist lange her, ich erinnere mich
aber, dass die fledermaus-pastete ganz vorzüglich schmeckte!“ fredi
sah mich ganz entgeistert an: „und soetwas haben wir gegessen? das wusste
ich gar nicht!“um bei der wahrheit zu bleiben: fledermaus-pastete haben wir noch nie serviert bekommen. der grund, es fredi zu erzählen war, dass ich überhaupt keine lust hatte, das haus zu verlassen. also sagte ich: „ich mache dir einen vorschlag: statt irgendwo fledermaus-pastete zu essen, koche ich uns eine chinesische entenbrust!“
aus sambal-oelek, einer scharfen paste, die wir inzwischen überall kaufen können, honig, soja-sauce, zerdrücktem knoblauch, salz, pfeffer (wer es zur hand hat, nimmt sezuanpfeffer), ingwer und zitronensaft (oder reisessig) bereite ich eine marinade. dort hinein lege ich die entenbrust und lasse sie ein bis zwei stunden marinieren. sodann erhitze ich eine pfanne (ohne fett) und lege die entenbrust, deren haut ich zuvor mit einem zahnstocher (oder einer gabel) an einigen stellen durchstochen habe, mit der fettseite hinein. durch die löcher kann nämlich das fett austreten. wenn die haut dunkel und schön kross ist (nach ca. 6 minuten), nehme ich die entenbrust aus der pfanne und giesse das ausgetretene fett fort (es schmeckt nämlich nicht besonders!) stattdessen greife ich zu neutralem öl und brate darin - bei geringerer wärmezufuhr - die entenbrust auf der fleischigen seite. nach sechs bis acht minuten ist sie gar - je nachdem, ob wir sie blutig oder durchgebraten mögen. ich nehme sie aus der pfanne und lege sie zur seite. wir sollten sie nicht in alufolie warm halten, denn dadurch verliert die haut ihre knusperigkeit. in jedem fall sollte die entenbrust aber einige minuten ruhen, damit sich der saft setzen kann. inzwischen habe ich die pfanne gesäubert und giesse die marinade hinein - vermischt mit ein wenig wasser und einem schuss reisessig. wenn alles aufgekocht ist, dicke ich die sauce mit einem saucenbinder leicht ein. zum schluss schmecke ich noch einmal ab. in der pfanne kann ich auch noch in wenig öl sojasprossen, paprikastreifen, karotten und klein geschnittenen lauch schwenken. wenn der langkornreis (oder als variante der klebreis) fertig ist, kann gegessen werden. die marotte, zu allem parfümierten basmatireis zu servieren, mache ich nicht mit. dieser reis passt wirklich nur zu ganz leichten, wenig gewürzten gerichten. als fredi vor seinem teller sitzt, bemerkt er nachdenklich: „wie bereitet man eigentlich die flügel von fledermäusen zu? etwa paniert?“ die idee für dieses enten-rezept stammt von dennis. vielen dank dafür! wir können es übrigens auch abwandeln und statt der entenbrust geschnetzteltes schweinefleisch nehmen. wer allerdings eine ganze ente im ofenrohr zubereiten möchte, dem empfehle ich ein leckeres rezept im internet. mit einem KLICK auf die ente geht es direkt dort hin: (277) in diesen tagen wollte ich mir noch einmal den amerikanischen film "das urteil von nürnberg" ansehen. der film thematisiert den prozess gegen die kriegs- und menschenrechtsverbrecher im nationalsozialismus. in diesem film ist viel die rede von "gerechtigkeit" und der "moral". das ist auch alles richtig und ganz notwendig, um sich dem nationalsozialismus zu nähern und ihn - schliesslich - zu verdammen.
ich hörte - wie damals schon - viel von moral, menschenrecht und gerechtigkeit. es steht ganz ausser frage (und der film hat genau dieses anliegen!), dass im namen des menschenrechts verbrechen angeklagt und abgeurteilt werden müssen. aber: wie eigentlich spricht der film darüber und warum konnte ich gar nicht zuhören? warum musste ich schliesslich auf "aus" drücken? anders gefragt: wie konnte sich amerika (oder seine repräsentanten!) allmählich so weit entfernen von allem, was menschen unter moral, gerechtigkeit und menschenwürde verstehen, dass jeder, der genau daran glaubt, sich heute schaudernd abwendet? dieser film, der anfang der 60 er jahre gedreht wurde, und eine ganze generation von deutschen davon überzeugen wollte (und es tat!), dass amerika mit einem intakten moralischen recht das dritte reich bekämpfte, verkommt plötzlich - angesichts der ereignisse im irak (und nicht nur dort!) - zu einem possenspiel von phrasen und halbwahrheiten. vielleicht ist falsch, welche folgerung ich daraus ziehe: dass nämlich der völlige zusammenbruch aller werte für die deutschen nicht 1945 geschah, sondern erst in der nachfolgenden generation auf schlimme art realität gewinnt. dennoch stelle ich ernüchtert fest: das meiste in diesem film - wenigstens das, was dort in ideologisch-moralischer überhöhung formuliert ist - klingt plötzlich wie hohle phrase, geschwätz und furchtbar billig. also wurden wir - rechnet man das eine zum anderen - wohl immer schon getäuscht! (276) mohand sroub, politologe und linguist aus münster, hat einen nachruf zum tod von Ali Sidqi Azayku geschrieben. ich hatte ihn bereits in KREUZ UND QUER - kopiert aus dem marokko-forum und leicht bearbeitet - veröffentlicht. mohand sroub hat den nachruf extra für meine kolumne noch einmal durchgesehen, so dass ich jetzt den von ihm authorisierten aufsatz veröffentlichen kann (HIER!) vielen dank dafür! ***
als die bruderschaft gegründet wurde, gehörten allein der deutschen sektion 700 kapitäne und fahrensleute an. heute sind es gerade noch 50 männer, die - hochbetagt - nicht mehr an den treffen teilnehmen konnten. deswegen schlossen sie jetzt ein kapitel seefahrtsgeschichte, nachdem sich im letzten jahr bereits der internationale bund der cap hoorniers aufgelöst hatte, der 1936 gegründet worden war. cap horn ist heute so gefürchtet wie damals. die wetter sind tückisch und die stürme sprichwörtlich. mit einem segelschiff, das in früheren zeiten über keine oder wenige navigationshilfen verfügte, musste gegen den wind gekreuzt werden - und das bei oft turmhohen wellen und einem fürchterlichen wind, der die segel zerfetzte. niemand wusste, was ihn erwartete, wenn er die südspitze chiles erreichte, und wie viele tage die passage dauern würde - wenn man sie überhaupt heil überstand. keiner hat darüber buch geführt, wie viele schiffe bei kap horn verloren gingen - um so grösser war die dankbarkeit all´ derer, die eine umrundung schafften und heil nach hause zurück kehrten. hier ist das rundfunk-interview mit einem segler, der das kap horn umrundet hat (mit einem KLICK aufs logo ist es zu hören): mit einem KLICK auf das segelschiff "posen" geht es direkt zur homepage "www.seefieber.de": (275) als ich dieser tage nach passenden bildern zur illustration des artikels von mohand sroub (HIER) suchte, entdeckte ich einige beeindruckende schwarz-weiss-fotos im internet. sie wurden in casablanca und algier gemacht und sind so ausdrucksstark, dass ich nach weiteren informationen suchte und dabei auf den fotografen melvin cyrus shaffer stiess. 1924 geboren, kam er mit den amerikanischen truppen während des zweiten weltkriegs erst nach marokko und dann über algerien nach italien und frankreich. seine letzte station war das kriegszerstörte berlin. ich freue mich, bei KREUZ UND QUER zwei seiner fotografien vorstellen zu können. wer mehr wissen und sich weitere arbeiten von melvin c. shaffer ansehen möchte, klickt einfach ins brandenburger tor: (274) die marokkanische sprache ist eine mischung aus arabisch, einheimischen dialekten und anlehnungen an die französische (bzw. spanische) sprache. ein marokkaner sagte mir einmal: "unsere sprache ist ähnlich der eines türken, der sich bei euch - ohne der deutschen sprache wirklich mächtig zu sein - verständlich machen will." das TAMAZIGHT hingegen ist die alte, angestammte sprache der in marokko lebenden masiren. diese sprache der berber (und damit der allermeisten bewohner des landes) wurde lange zugunsten des (viel später in marokko durch die eroberer eingeführten) arabisch von staats wegen unterdrückt. marokkaner, die sich für die wiedereinführung des tamazights einsetzten und damit den respekt für ihre kultur und identität forderten, wurden regelmässig verhaftet. sie standen der „arabisierung“ des landes im wege und wurden verdächtigt, in opposition zum staat zu stehen. erst in letzter zeit wird die sprache (und damit die kultur) der masiren mehr und mehr anerkannt und kehrt ins öffentliche bewusstsein zurück. kürzlich wurde in rabat ein institut für tamazight eröffnet. der folgende artikel ist von mohand sroub, einem marokkaner, der in münster als politologe und linguist lehrt und sich als sprachwissenschaftler für die wiedereinführung des tamazight einsetzt (den nachruf auf ali sidqi azayku hat er freundlicherweise für meine kolumne KREUZ UND QUER zur verfügung gestellt. vielen dank dafür!).
Nachruf
Ali Sidqi Azayku Ein Poet und Historiker aus Marokko 1942 - 18.09.2004 Ali Sidqi Azayku, der wichtigste moderne Poet der Masiren ( Berber ), starb am 18.09.2004 im Krankenhaus in Casablanca. Er ist 1942 in einem kleinen Dorf zwischen Agadir und Tiznit geboren. Nach seinem Abitur arbeitete er als Lehrer in Imi n tanut ( bei Marrakesch ). Er nahm ein Studium der Geschichte und Geographie in Rabat auf und schloss es mit einem Magister ab. Im Jahre 1967 gründete er in Rabat mit einigen Studenten aus Südmarokko die erste kulturelle Organisation ( AMREC ), die sich für die Anerkennung und Entwicklung der masirischen Identität in Marokko einsetzte. Nach einer zweijährigen Lehrertätigkeit in Rabat ging er nach Paris, wo er in Geschichte und Linguistik promovierte. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich arbeitete er am Lehrstuhl für marokkanische Geschichte an der Universität Rabat. Neben seinen Tätigkeiten an der Universität, engagierte er sich für die Anerkennung, Kodifizierung und Modernisierung des Masirischen. Er veröffentlichte die erste masirische Anthologie < Imuzzar > und entwickelte die erste moderne Orthographie für das Masirische ( Berberischen ) in Marokko. Er übernahm Teile der alten Orthographie, welche von den Masiren des 18. und 19.Jh in Gebrauch war. Durch die Monatzeitschrift < Arraten / Dokumente >, die er leitete, begann sich das Masirische als Schriftsprache zu entwickeln. Seinen Kindern gab er berberische Vornamen ( Tilila und Ziri ) und nahm eine einjährige gerichtliche Auseinandersetzung in Kauf. In dieser Zeit beherrschte die Ideologie des Panarabismus das politische Klima und die Arabisierungspolitik wurde als die beste Lösung der Sprachenfrage und als wichtigstes Ziel der Sprachenpolitik in Marokko betrachtet. Ali Sidqi Azayku schrieb, um die masirsiche Identität Marokkos zu verteidigen, sehr viele wissenschaftliche Beiträge und Zeitungsartikel in arabischer, französischer und masirsicher Sprache. Er ist bekannt als moderner Lyriker und Poet : Awal inu gan amazigh ur ten issen yan
Usin urd imikk mad izdârn a sers ihûc ? (…) Ils inu ddern ukan ar sawaln Ger idêrdâr ur rêmin (...) Meine Zunge ist frei und keiner kennt sie, Sie trägt ins sich nicht wenig aber wer bewegt sie ? Meine Sprache lebt und spricht noch, Zu den Gehörlosen spricht sie immer noch. Im Gedicht <Imula / Schatten > kündigt er an, was für die Masiren zu ist : Gan itran inagan f wadân n tillas
Ayyur idrus igh ibidd gh imi n igenwan Rebbi ! Nnigh is muddan felan agh ur nessin… Akal ur sar issengi ugin agh igenwan Ifessi skern agh adêrf gh iger n irafan Mad ufigh ur a jjenjamgh awal igh nnigh Ur a sar naf imendi gh wakal n wiyyâd… (…) Mad ufigh ur a jjenjamgh awal igh nnigh Megrat agh nasi gh iger nnegh Kigan ur nkerz. Nachdichtung : Sterne bezeugen die dunklen Nächte, Der Mond irgendwo im Himmelsgewölbe, O Gott ! alle haben mich verlassen, dachte ich, Und ohne Wissen verlassen, sagte ich. Das Feld ist nicht mehr wie früher, Der Himmel lehnt uns auch noch ab, Nur das Schweigen macht aus uns Wasser, Für das durstige Feld. Warum tue ich nicht was ich sage, Und lasse die anderen fremden Felder liegen, Nun ist höchste Zeit für mein Feld. Dieses und andere Gedichte wurden vom Sänger Ammouri Mbarek vertont und erreichten somit viele junge Masiren der siebziger und achtziger Jahren. Er verliess die Organisation AMREC und gründete 1981 mit einigen Intellektuellen und Politikern die Organisation <Amazigh>, die mit den damaligen Schriftstellern und Politikern Léopold Sédar Senghor aus Senegal und Mahjoubi Aherdan aus Marokko eine Konferenz über die probleme der berberischen Identität in Nordafrika und ihre Gemeinsamkeit mit der Negritude in Afrika organisierte. Der Poet und Historiker nahm an dieser Konferenz mit einem Vortrag über das richtige Verständnis der nationalen Kultur in Marokko teil. Die Veröffentlichung dieses Vortrages ( in arabischer Sprache !) im Jahre 1982 in der ersten Ausgabe der Zeitschrift < Amazigh > führte zur seiner Verhaftung und Verurteilung zu 3 Jahre Gefängnis. Er war somit der erste politische Häftling der masirischen Frage im <unabhängigen> Marokko. Nach einem Jahr Gefängnis wurde er entlassen und dürfte seine Tätigkeit an der Universität fortsetzen. Ali Sidqi Azayku zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und verarbeitete seine Gefängniserfahrungen in den Gedichten. Im Jahre 1988 erscheint sein erstes Gedichtband < Timitar / Zeichen >, das 33 Gedichte beinhaltet. Alle Gedichte tragen in sich die alte masirsiche Symbolik, die bei den alten Poeten wie Sidi Hêmmu Ttâlb oder Lhâj Belaid zu finden ist, aber das neue bei Ali Sidqi Azayku sind die Themen und die sprachlichen Prägungen. Die Gedichte können von allen masirischen Sozialschichten verstanden werden, weil der Poet ohne Neologismen auskommt. Die Themen des ersten Gedichtbandes kreisen um die masirische Identität, das Leben, die Kindheit, den Panarabismus in Marokko und Zukunft der masirischen Kultur. Ali Sidqi Azayku arbeitete auch mit Mohamed Chafik an dem größten Wörterbuch der Masiren ( Arabisch-Tamazight in drei Bände ). Im Jahre 1993 brachte er ein Kinderwörterbuch Tamazight-Arabisch heraus. Im Jahre 1995 erscheint sein zweites und bestes Gedichtband < Izmulen / Gedächtnisnarben > mit 19 Gedichte. Seine Erfahrung im Gefängnis, die Emanzipation der Masiren und Modernisierung des Masirischen sind die Hauptthemen der Gedichte : Ilulluyen
Muddigh ur-n mdigh mani Alulluy Agh mdêlgh isuggasen Deln nit s tgodîwin Nettenti a yegan imurig gh wul inu Ddern iss Nttenti ad righ ad azengh i wiyyâd Agwin Ad asin tagodî Gint imurig iddern... (...) Nachdichtung : Ziellos Ruhelos wandere ich hin und her, Und begrabe nun die Jahre, Meine traurigen und schönen Jahre, So ist meine Poesie, Im traurigen Herzen trage ich sie. Ich möchte sie allen schicken, Diesen und jenen Leichen, Sie wollten meine Stimme ersticken, Nun werden sie eines Tages meine Poesie erblicken. Der marokkanische Schriftsteller französischer Zunge Mohammed Khair-Eddine sagt in der Zeitung < Almaghrib vom 22.12.1980 > über Azayku : << Ein großer masirischer Poet, aber auch ein brillanter marokkanischer Intellektueller...er lebt in seiner Welt und erinnert mich an Mallarmé> . Sein langes Engagement für die masirische Identität trug am Ende kleine Früchte. Die Politisierung der masirischen Frage an den Universitäten und in der Gesellschaft, zwang den König Hassan II bereits 1994 sich endlich zu masirsichen Frage in Marokko zu äußern. Er stellte die Einführung des Masirischen in das marokkanische Schulsystem in Aussicht. Die Entstehung radikaler Strömungen innerhalb der masirischen Kulturbewegung nach dem Tod des Königs Hassan II 1999 führte zum ersten Sieg des Masirischen in Marokko. Zum ersten Mal wird die masirische Identität als Bestandteil der marokkanischen <Nation> anerkannt. Der neue marokkanische König Mohammed VI brach in einer Rede mit einem alten politischen Tabu und erließ das königliche Gesetz zur Gründung des königlichen Institut für die masirische Kultur ( Institut Royale de la culture amazighe / Ircam ). Der Poet Ali Sidqi Azayku gehörte diesem Institut an und arbeitete an den ersten Schulbücher für berberische Kinder mit, die zum ersten Mal in ihrer Muttersprache eingeschult werden. Azayku hinterließ viele Beiträge zur marokkanischen Geschichte und zum Masirsichen. Diese Beiträge wurden in dem Buch < Intellektuelle Auseinandersetzungen um Tamazight> veröffentlicht. Wichtige Veröffentlichungen : Ali Sidqi Azayku. Histoire du Maroc ou les interprétations possibles. Rabat 2002 Ali Siqi Azayku. Al-amazigh wa al-islam ( Die Masiren und der Islam ). Rabat 2002 Ali Sidqi Azayku. Timitar. Gedichtband auf Masirisch. Rabat 1988 Ali Sidqi Azayku. Izmuln. Gedichtband auf Masirisch. Rabat 1995 Maa´arik fikriya hâwla al-amazighiya (Intellektuelle Auseinandersetzungen um Tamazight). Publikation des Zentrum <Tariq Ibn Ziyad> Rabat 2002 M. Sroub Friesenring 8 48147 Münster NRW
(273) ein weiteres kapitel aus meiner "kleinen geschichte irlands"(wer den aufsatz mit seinen inzwischen vier kapiteln als ganzes lesen möchte, klickt bitte HIER!). noch einmal steht das christliche irland im mittelpunkt der betrachtungen, bevor ich mich einem düsteren abschnitt zuwenden muss, der mit den wikingern - oder normannen - zu tun hat, die in europa plündernd und brennend einfielen, aber auch in entlegenen gebieten - wie irland - siedlungen gründeten und sesshaft wurden. 4. THE BOOK OF KELLS
viele, die das buch beschrieben haben, bemühten überirdische vergleiche: die handschrift sei nicht von dieser welt, sondern zusammengefügt durch die emsigkeit eines engels, meinte zum beispiel giraldus cambrensis im 13. jahrhundert. das „book of kells“ steht im zusammenhang mit dem liturgischen bedarf der jungen kirche in irland. benötigt wurden weihgefässe, messgewänder und bücher für den gottesdienst. neben handlichen evangeliaren, die zur missionsarbeit mit im gepäck waren, wurden altarbücher verfasst, die ihren festen platz in den kirchen hatten. dazu gehört neben dem „book of kells“ - als dem herausragendsten beispiel - das lindisfarne-evangeliar (london) und das echternacher evangeliar (paris). der einfluss der irischen buchkunst ist auch an zahlreichen anderen evangeliaren nachzuweisen, die bis heute auf dem europäischen kontinent in klöstern, kirchen und bibliotheken aufbewahrt werden. sie alle haben die sogenannte „insulare“ handschrift und ornamentik gemeinsam.
das kloster von iona war 561 von collum cille, dem späteren heiligen columban, gegründet worden. nachdem iona immer wieder zum schauplatz von plünderungen durch die normannen (wikinger) wurde, gründeten die mönche 807 das irische kloster kells als ausweich- und zufluchtsort. in dieser zeit, so nimmt die wissenschaft an, muss das „book of kells“ entstanden sein. collum cille - der heilige columban - wurde 521 in der grafschaft donegal geboren. als junger mann verliess er mit einigen gefährten seine familie und gründete während seiner christlichen missionstätigkeit auf der kleinen insel iona ein kloster, das bald weitreichenden einfluss in irland und - mit der gründung des klosters lindisfarne -auch im norden englands gewann. das klösterliche leben in iona ist gut dokumentiert, weil dort im 7. jahrhundert der abt adamnan (628 - 704) eine chronik verfasste, in der auch eine lebensbeschreibung von collum cille zu finden ist. das „book of kells“ wird bis heute in einem atemzug mit dem heiligen columban genannt, obwohl es erst drei jahrhunderte nach seinem tod in einem kloster, das er gegründet hatte, entstand. als reliquie verehrt, war der praktische nutzen des evangeliars immer schon eingeschränkt, weil das buch textliche fehler hat und die buchstaben auf vielen seiten wegen der reichen ornamentik kaum zu lesen sind.
mit dieser letzten bemerkung greifen wir der geschichte jedoch weit voraus. wird fortgesetzt!
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