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KREUZ UND QUER! *sechs neue notizen im juli 2004*
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(218)
aktuelle meldung: heuschreckenplage in nordalgerien - es droht eine hungerkatastrophe! dazu auch meine notiz aus dem mai! HIER! ***
für eine marokkanische frau - in dieser islamisch-traditionellen gesellschaft
- ist es eine katastrophe, ein kind zu bekommen und nicht verheiratet zu sein.
wohin mit dem kind, von dem niemand wissen darf? es wird in eine mülltonne
geworfen, oder - wenn es mehr glück hat - auf die stufen einer polizeistation
gelegt. es gibt einige waisenhäuser in marokko. eines davon befindet
sich auf dem gelände des städtischen krankenhauses in agadir. die
zustände dort waren bis vor kurzem erbärmlich. inzwischen wurde
ein neues haus gebaut, das wenigstens über vernünftige sanitäre
anlagen verfügt und auch eine grosse waschmachine hat, um die kleider
der kinder zu waschen.es mangelt dennoch an allem und jedem! betreut wird das waisenhaus von den frauen des "lions-club" in agadir - europäerinnen zumeist, die sich eine caritative aufgabe suchten. sie geben viel geld, um den kindern zu helfen - aber es reicht trotzdem nie! ich habe mich im waisenhaus umgesehen. besonders berührt haben mich die kleinen bündel, die in einem dunklen zimmer auf- und untereinander lagen: das waren die säuglinge, die gerade aus den mülltonnen gefischt worden waren. jetzt lagen sie zusammen auf einer matratze und schliefen. was sie wohl träumten?
immer noch besser zu träumen, als einem tag ins gesicht zu sehen, der für diese kinder nichts, aber auch gar nichts bereit hält. es ist schwer, den kindern adieu zu sagen, das waisenhaus zu verlassen und wieder nach deutschland zu fahren. es gibt gesichter, die man nicht vergisst ... und auch nicht ihre freude, wenn sie spüren, dass wir es gut mit ihnen meinen. wäre es nicht wichtig und richtig und überaus notwendig, den kindern in agadir zu helfen - damit sie aus ihren träumen nicht irgendwann aufwachen und sich ganz furchtbar erschrecken? ich weiss! an diesem gericht scheiden sich die
geister. auch fredi, mein neffe, der sich so gern von mir bekochen lässt,
stöhnt nur und meint: „wären doch alle hühner schnapsdrosseln,
dann würdest du ihre leber garantiert nicht essen!“
viele menschen mögen leber nicht. für mich hingegen gehört sie zu meinen leibgerichten. ich erinnere, dass ich mir als kind an meinen geburtstagen ein mittagessen wünschen durfte. und zum entsetzen meiner geschwister wählte ich immer: „leber mit zwiebeln, apfelmus und kartoffelbrei“.
egal! ich habe ein pfund hühnerleber besorgt. vielleicht muss ich sie noch in mundgerechte teile schneiden. in einer pfanne erhitze ich neutrales öl und butter zu gleichen teilen. das hat den vorteil, dass die butter nicht verbrennt, aber ihren geschmack an das geschmorte abgibt. ich gebe klein geschnittene zwiebeln dazu und dünste sie, bis sie goldgelb sind. sodann kommt die hühnerleber in die pfanne (aber bitte vorher nicht salzen, sonst wird sie zäh!). gut wäre es, auch noch apfelscheiben hinzu zu geben, deren kern wir vorher heraus geschnitten haben. das apfelaroma verbindet sich aufs beste mit der leber. ich rühre das ganze einige augenblicke, bis leber und äpfel farbe genommen haben. die leber darf nicht lange braten, sonst wird sie hart, trocken und zäh. jetzt wird es zeit, sie zu pfeffern und zu salzen. zuvor jedoch nehme ich die gebratenen apfelscheiben aus der pfanne und stelle sie zur seite. ich gebe einen ordentlichen schuss weisswein in die pfanne und lasse darin die hühnerleber eine kleine weile dünsten. zum schluss wird creme fraiche hinein gerührt. wer mag, verleiht dem gericht noch einen besonderen pfiff und gibt zu allem einen teelöffel dijon-senf und eine prise zucker. (warum ich stets FONDOR griffbereit habe, ist an anderer stelle nachzulesen. allerdings scheiden sich auch hier die geister: mit dem glutamat ist es eben wie mit der leber!) zum schluss kommt aber auf jedem fall fein geschnittene petersilie über alles. inzwischen ist auch der kartoffelbrei fertig. wie er - kinderleicht! - zubereitet wird, habe ich an anderer stelle aufgeschrieben ( HIER!). zu diesem gericht passt aber auch reis sehr gut. das apfelmus - wenn es neben den gebratenen apfelscheiben überhaupt noch sein soll - nehme ich aus dem glas und reiche es in einem extra schälchen. ich weiss, dass in restaurants das apfelmus oft zusammen mit der leber und dem kartoffelbrei auf einem teller serviert wird. ich kann allerdings diesem „mix“ nichts abgewinnen. hühnerleber ist ein schnelles gericht. also
hat fredi gar nicht viel zeit, darüber nachzudenken, wann er - oder ich
- nun wirklich geburtstag haben. als wir am tisch sitzen, steigt ihm der
weisswein in die nase, mit dem ich die hühnerleber abgelöscht habe.
er sieht mich erstaunt an. „ist was?“ frage ich.
„ich habe doch gewusst, dass hühner schnapsdrosseln sind!“ „sind sie doch gar nicht“, entgegne ich. „zwar könnte man die leber - statt mit wein - auch mit einem schuss cognac (oder sherry, oder portwein ...) ablöschen. heute befinden sich die drosseln aber, wie du siehst, im weisswein-apfelrausch!“ doch wenn
der tag dem krieg gehört die nacht aber dem frieden will ich nur noch unter sternen stehen und alles bedenken was die sterne mir sagen (c) r.d.v das bild zeigt tokio bei nacht. eine webcam übermittelt uns - fast im sekundentakt - grossartige bilder von dort. klicke für die webcam einfach ins bild! die riviera hat viel von ihrem glanz verloren.
einst treffpunkt der reichen und schönen und später sehnsüchtiges
ziel aller urlaubsreisenden, ist sie heute vielerorts zu einem überlaufenen
rummelplatz geworden.
erika und klaus mann, die ältesten kinder des schriftstellers thomas mann, schrieben 1931 gemeinsam einen reiseführer über die mittelmeeküste:
illustrationen zu ihrem buch steuerte henri matisse bei, der an der riviera lebte. dieser schon damals berühmte name zeigt, über welche verbindungen die geschwister mann verfügten und wie leicht es ihnen gefallen sein muss, grosszügige gastgeber zu finden. unter diesen umständen - wir glauben es ihnen gern - war es nicht besonders schwierig, auch ohne viel geld eine angenehme zeit an der riviera zu verbringen. ihre beschreibungen und anmerkungen lesen sich leicht dahin, spiegeln die atmosphäre der riviera, bleiben aber - was den informationsgehalt angeht - wenig ergiebig. erika und klaus schrieben das buch in einer zeit, als sie noch die verwöhnten und extravaganten kinder eines berühmten schriftstellers waren, die sich vieles erlauben durften. ihre eskapaden, bestaunt und manchmal belächelt, bildeten den unerschöpflichen gesprächsstoff in berlin und münchen der weimarer republik.
dieses leichtsinnig-fröhliche leben änderte
sich schlagartig, als die familie mann nach der machtergreifung der nazis
deutschland verlassen musste. erika wurde als schauspielerin sehr schnell
zu einer intellektuell-scharfen kritikerin des faschismus, ihr bruder klaus
gab zeitschriften und bücher heraus, mit denen er den kampf gegen die
nazis führte.
da waren die fröhlichen tage an der riviera nur noch eine flirrend ferne und schöne erinnerung. der rowohlt-verlag hat diesen harmlosen reisebericht vor einiger zeit neu heraus gegeben. wer von erika und klaus mann nichts anderes liest, erhält womöglich einen falschen eindruck, denn das buch verrät noch nichts über das spätere politische engagement der beiden geschwister, das sie zu bedeutenden repräsentanten der deutschen emigration machte. vielleicht ist ihr buch aber doch in sofern bemerkensenwert, weil es zeigt, wie politische konstellationen die biografien von menschen fundamental beeinflussen und verändern können. was gestern noch heiter und unbesorgt erschien, wird plötzlich zur äusserten gefährdung, bitteren erkenntnis, grenzenlosen wut und zum unermüdlichen politischen kampf. das buch trägt darüber hinaus noch eine - verborgene - botschaft in sich ... und diese botschaft ist eine tragödie. klaus mann, 1906 als ältester sohn von thomas mann in münchen geboren, hatte sich nach 1933 ganz dem politischen kampf gegen die nazis gewidmet. als schriftsteller eher unbedeutend, scharte er künstler und intellektuelle um sich, die alle ein gemeinsames ziel hatten: das faschistische deutschland mit allen mitteln zu bekämpfen und zu fall zu bringen. darin war er unermüdlich und immer streitbar. als er 1945 mit den us-truppen nach europa kam und als amerikanischer korrespondent über seine eindrücke im kriegszerstörten deutschland in die vereinigten staaten berichtete, hatte er sein ziel erreicht. 1948 nahm er im rundfunk zum ost-west-konflikt
und zur lage berlins stellung. dieses interview ist als tondokument erhalten.
bedeutsamer als das, was er sagt, ist, wie er es sagt: wir hören einen
präzis formulierenden, aber auch überspannt wirkenden klaus mann,
der zu einem politischen menschen werden musste, weil es die zeit von ihm
verlangte. wir spüren die last des grossen namens, an der er nur ein
jahr später zerbrach.
klaus mann im gespräch mit friedrich luft er hatte alles erreicht, fühlte sich bestätigt
im kampf gegen hitler-deutschland. doch jetzt stellten sich depressionen
ein. klaus mann spürte, dass er nach dem fall der nazi-diktatur neue
ziele suchen musste: entweder als eigenständiger schriftsteller oder
- und das war zuerst und zuletzt sein verhängnis - immer weiter als
sohn von thomas mann. er fand keine antwort und floh - auch als homosexueller
immer mehr vereinsamt - in drogen und alkohol. ratlos und von selbstzweifeln
zerrissen, nahm er sich 1949 das leben.
er starb an der riviera - ausgerechnet an dem ort, der für ihn einmal der heiterste und sorgloseste seines lebens gewesen war. nur sein jüngter bruder michael war dabei und spielte ein trauriges lied auf der violine, als klaus mann im mai 1949 in cannes begraben wurde: „ ... dort unten, wo das Licht härter und heißer, zugleich satter, blühender und trockener ist.» (zitat aus: "das buch von der riviera")
(214) was würden wir wohl sagen, wenn uns der rundfunk anrufen würde, um uns zu bitten, in wenigen augenblicken - (live und direkt in der sendung!) - zum palästina-konflikt, zur arbeitsmarktreform, zur finanzsituation der länder oder zum tod von herrn oder frau "ganz berühmt!" stellung zu nehmen? selbstverständlich würden wir uns geschmeichelt fühlen, aber doch wohl gleich anmerken, wie wenig kompetent wir in der regel sind, um diese fragen zu beantworten. aber wenn der rundfunk darauf besteht, gerade uns zu interviewen - warum nicht? irgend etwas wird uns schon einfallen, oder? das muss auch manfred kock gedacht haben, als ihn eines tages der norddeutsche rundfunk anrief und ihn um eine stellungnahme zum tod von ignaz bubis, den vorsitzenden des zentralrats der juden in deutschland, bat. wer aber ist eigentlich manfred kock? ich weiss es wirklich nicht! vielleicht ein rentner aus neumünster, den sie beim frühstück gestört hatten. aber warum fragten sie gerade ihn? der redakteur des norddeutschen rundfunks, herbert fricke, dachte darüber nicht weiter nach, sondern führte das interview mit manfred kock. seltsam war nur, dass er ihn immer wieder als präses der evangelischen kirche in deutschland ansprach. das bin ich doch gar nicht, mag manfred kock aus neumünster gedacht haben. er war doch nur ein einfacher rentner. dennoch beantwortete er alle fragen - so gut er eben konnte. erst viel zu spät dämmerte es den redakteuren des norddeutschen rundfunks, dass sie nicht manfred kock, den ratsvorsitzenden der evangelischen kirche in deutschland, ans telefon geholt hatten, sondern irgendeinen unbekannten namensvetter - eben den rentner manfred kock aus neumünster. da war das interview aber schon geführt und ausgestrahlt. (213) eine lästige begleiterscheinung des sommers sind die gewitter. inzwischen haben wir uns allerdings mehr oder weniger arrangiert und leben - wenn auch mehr schlecht als recht - mit ihnen. leider haben es gewitter so an sich, immer gerade dort aufzutauchen, wo sich unsere liebsten befinden: zum beispiel in düsseldorf oder in neuss am rhein. so war es auch, als eine besorgte omi die polizei anrief. hört selbst: ***
viele nationen unterhalten beobachtungsstationen
in der antarktis. auch deutsche wissenschaftler sind dort und arbeiten in
der "German Antarctic Receiving Station (GARS) O'Higgins/Antarktis". sie liegt
neben der chilenischen station (das sind die roten häuser), ist aber
- im sommer 2004 - nicht besetzt. die nächste kampagne beginnt im september
2004.
dennoch liefern auch jetzt die instrumente stündlich
detaillierte wetterdaten aus der antarktis. auch mehrere webcams wurden installiert,
die rund um die uhr bilder von dort liefern. alles das - und noch viel mehr
- bietet die homepage von GARS, die von der universität leipzig ins netz
gestellt wurde. mit einem "klick" auf die satellitenanlage geht es in die
antarktis!
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