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KREUZ UND QUER!
*sechs neue notizen*
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(160) ich habe mich lange geweigert, mich mit reinhold messner zu beschäftigen. vielleicht ist es seine attitüde des „einsamen helden, grenzgängers und aussenseiters“, die ich nicht mag. „der erste, der einzige“ - diese attribute entwerten alle, die vielleicht nur zweiter oder dritter geworden sind - oder sogar scheitern. doch selbst im scheitern liegt manchmal grösse, auch wenn davon kaum jemand spricht. jetzt aber hat ausgerechnet messener genau dies zu seinem thema gemacht.
... hier mischt sich in meinen wunsch, über dieses buch zu berichten, sofort wieder die bekannte irritation: warum fühlen sich manche menschen gerade vom schwersten und gefahrvollsten herausgefordert? hätte das ganze wenigstens zweck und sinn, müsste ich diese fragen nicht stellen. aber der versuch, den nanga parbat über die rupalwand zu besteigen, ist in meinen augen wirklich sinnlos! daraus erwächst keine erkenntnis und kein zugewinn von wissen! das alles scheint mir selbstzweck zu sein und narzisstischer wunsch, sich über menschliche grenzen hinweg selbst zu beweisen. 1970 wagten die brüder reinhold und günther messner den aufstieg zum nanga parbat. sie erlebten ihren triumph, als sie die rupalwand erfolgreich durchstiegen hatten und bis zum gipfel vorgedrungen waren. beim abstieg kam es dann aber zur katastrophe: günther messner wurde von einer lawine fortgerissen und stürzte in der wand ab - es gab keine rettung. über den tod seines bruders am nanga parbat spricht reinhold messner in seinem buch zum ersten mal. das hat gründe: 30 jahre lagen die „verwertungsrechte“ an der expedition bei anderen. verwertungsrechte! zum ersten mal hören wir von dem „schlüsselerlebnis seines lebens“ und von der „grenzüberschreitung vom diesseits zum jenseits, vom leben zum tod, vom tod zum leben“. 33 opfer hat der nanga parbat bisher gefordert - das waren bergsteiger wie günther messner. sein bruder reinhold kehrte später zum nanga parbat zurück und trotzte der rupalwand - dieses mal allein - unter extremsten bedingungen erneut sein leben ab. der nanga parbat liess ihm seinen willen.
für weitere informationen - speziell zum nanga parbat - klicke aufs bild! ich zitiere von der homepage:
"The British Alpine climber Albert F. Mummery led the first attempt to ascend the glacier- and snow-covered mountain in 1895, but he died in the attempt. At least 30 more climbers (mostly German-led) also perished on Nanga Parbat because of the severe weather conditions and frequent avalanches before the Austrian climber Hermann Buhl reached the top in 1953. Nanga Parbat (The Naked Mountain) has claimed more lives than any of the mountain of Himalayas and the Karakorams and thus became the notorious as the most "Murderous Peak" of the world. Some called it "killer Mountain"."
(159) tibet - das war über jahrhunderte das "verbotene land", gelegen auf einem hochplateau und im süden begrenzt durch den himalaya. viele forscher zog es dorthin, unter anderem auch den engländer henry savage landor, der 1890 von indien aus mit einer ganzen schar von einheimischen trägern die hohen und steilen pässe überquerte, um zur hauptstadt tibets mit ihren geheimnisvollen klöstern zu gelangen.
aber henry savage landor hat lhasa nie erreicht. dennoch veröffentlichte er, kaum dass er nach england zurück gekehrt war, einen reisebericht, den er - fantasievoll wie er war - mit abenteuerlichen begebenheiten ausschmückte und mit allerhand mordgeschichten würzte. diese märchengeschichte veröffentlichte er in der „times“. weil seine halbwahrheiten und flunkereien aber so offensichtlich waren, liess der skandal nicht lange auf sich warten. es meldeten sich augenzeugen zu wort, die etwas ganz anderes zu berichteten wussten: landor hatte seine expedition nach lhasa so selbstherrlich geführt, dass die allermeisten seiner begleiter auf dem weg dorthin das weite gesucht hatten und er selbst an der grenze zu tibet verhaftet worden war. übrig geblieben war am ende nur sein diener chanden singh, den er mit nach london nahm. aber chanden singh fand sich in england nicht zu recht. das land war eben so ganz anders als indien. deswegen kaufte ihm landor, dem dieser indische „tolpatsch“ inzwischen lästig geworden war, kurzer hand ein schiffs-ticket und schickte ihn in seine heimat zurück. diener haben eben zu parieren und sich nicht dumm anzustellen - zumal, wenn sie im dienst eines so vornehmen herren stehen. henry savage landor besorgte sich einen neuen diener (ohne zweifel einen englischen!), setzte sich an seinen kamin, schlug das buch auf, das er über seine tibet-reise geschrieben hatte und las jedem, der es hören wollte (oder auch nicht), etwas vor - wenigstens einen ausschnitt. wie zum beispiel diese begebenheit: alles kommt ins purzeln! wen der ganze reisebericht interessiert - hier ist der link:
(158) ich empfinde es als ein gewisses unglück, dass viele alte berufe vergessen werden - und mit ihnen die damit verbundenen fertigkeiten. mein urgrossvater zum beispiel war müllermeister und einer der ersten, der in der lüneburger heide eine holländische mühle baute. während bei den alten mühlen das drehgelenk noch am fuss sass und der gesamte corpus in den wind gedreht werden musste ...
... brauchte bei den holländischen nur noch der mühlenkopf mit den flügeln bewegt werden ...
die arbeit des müllers war schwer und die mechanik der mühlen musste ständig betreut und gewartet werden. wer einmal in einer holländischen mühle stand, wird den eindruck gewonnen haben, sich auf einem schiff und nicht an land zu befinden - die flügel rauschen im wind und die balken knarren. weil aber die mühlen in den meisten fällen ein wenig ausserhalb der ortschaften lagen, ging dem müller der ruf nach, ein eigensinniger und kautziger kerl zu sein. und wie ist das mit den „zeidlern“? auch dieser beruf ist ausgestorben. er wurde überflüssig, als die bienenzucht kultiviert wurde.
zeidler wanderten durch die wälder, trugen eine armbrust bei sich, um sich der wilden tiere - vor allem der wölfe und bären - zu erwehren und suchten nach den brutstöcken der wilden bienen, die in den hohlen bäumen der wälder nisteten. mit einer leiter und anderen gerätschaften sammelten die zeidler den honig ein, der nicht nur die speisen süsste, sondern auch als ein wertvolles heilmittel galt. oft höhlten die zeidler selbst die bäume aus, - in der hoffnung, dass dort bienen quartier nehmen würden. manchmal schnitzten die zeidler masken in die bäume - geisterhafte fratzen, durch deren münder die bienen ein und aus flogen. diese bann- und schreckmasken sollten böse geister - vor allem aber auch tiere abwehren, die auf der suche nach dem honig waren.
irgendwann ging man dazu über, die hohlen bäume zu zersägen und sie zusammen mit den brutstöcken der bienen nahe der menschlichen behausungen aufzustellen. damit war die bienenzucht, wie wir sie heute kennen, geboren und der beruf des zeidlers starb aus. mit einem klick auf den "klotzbeuten" geht es zu weiteren informationen!
(157) ich habe meine reihe "panthersprünge und rosinenbrötchen - essays und notizen zum kolonialismus" mit einem aufsatz zu david livingstone fortgesetzt, der nach afrika kam, um dort zu missionieren - und den sambesi fand! *** *** 18 künstler sind in der ausstellung mit ihren fotografien, videoarbeiten, installationen und filmen vertreten. ich habe ein foto und eine installation ausgewählt, die sich auf überraschende weise gegenseitig erklären, obwohl sie von ganz unterschiedlichen künstlern stammen.
(156) ich habe den sehr lesenswerten aufsatz von peter bexte "aufstand in der wüste - theorie des partisanen" in meine "babel-bibliothek" aufgenommen. bexte kam beim wiederlesen des buches von thomas edward lawrence, über den ich HIER etwas aufgeschrieben habe, zu verblüffenden einsichten. ***
meinen neffen fredi kennt ihr ja schon. das ist der, der immer so viel appetit hat. vor einigen tagen kam er zu mir - und hatte gar keine zeit. er wollte mit seinen freunden eine party feiern. limonade und mineralwasser, sagte er, hätte er schon besorgt wie vornehm! "dann reiche ihn doch!" antwortete ich und las weiter in einem rezepte-buch, das ich gerade erworben hatte: "party snacks - dann schmeckts!". ich hätte es mir nie gekauft - denn ich brauche keine snacks! - aber es kostete nur 99 cent - im sonderangebot. "klar doch!" rief fredi, als er das buch entdeckte, "es kann auch ein snack sein - nur irgend etwas sollte es schon sein!" das buch - ich wusste es - half bei fredis problem nicht weiter. also machten wir uns auf den weg zum metzger und kauften ein kilo schnitzelfleisch - vom schwein. das liess ich mir in ganz dünne scheiben schneiden und jede scheibe auch noch vier mal teilen. mit diesem riesigen schnitzel-paket kehrten wir in meine küche zurück. "wo ist denn das rezept?" fragte fredi und blätterte aufgeregt im 99 cent-sonderangebot.
"da hast du ausnahmsweise recht!" pflichtete ich ihm bei. warum wurde ich mit einem male so vornehm wie fredi? ich pflichte doch sonst nicht bei! egal! ich nahm zwei teller. in den einen verrührte ich zwei eier, in den anderen streute ich - nicht zu knapp - paniermehl. als nächstes würzte ich die schnitzel - wie viele waren es eigentlich? - mit pfeffer und salz, wendete sie in den eiern und wälzte sie anschliessend im paniermehl. ich hatte auch nicht vergessen, eine grosse (wirklich grosse!) pfanne aufs feuer zu setzen. dort hinein kam eine grössere menge neutrales öl und butter. ich weiss auch nicht, warum es so ist. aber butter wird, zusammen mit neutralem öl, nie schwarz - aber gibt ihren geschmack ans öl ab ... und darum muss bei diesem rezept butter ans öl. das öl muss heiss sein, - aber bitte nicht zu heiss! dort hinein legte ich die panierten schnitzel - sie müssen darin fast schwimmen - und liess sie sanft braten. wenn die panade langsam gelb wird, kann die hitze noch ein wenig gesteigert werden - aber bitte nicht zu sehr! sonst werden die schnitzel schwarz. so etwas reicht man doch nicht zum imbiss, oder? als die schnitzel auf beiden seiten knusprig braun gebraten waren, nahm ich sie aus der pfanne und legte sie auf ein bereit gelegtes küchenpapier - das saugt auch noch das letzte fett aus ihnen heraus. jetzt mussten die schnitzel nur noch kräftig mit zitronensaft beträufelt werden und dann ... " ... kann gegessen werden!" rief fredi und leckte sich die lippen. "aber nein!" entgegnete ich. "jetzt kommen die schnitzel in den kühlschrank. denn kalt serviert und morgen auf deiner party mit einer chili-sauce gegessen, passen sie ganz wunderbar zu limonade." "und wie schmecken sie zu bier?" fragte fredi und zwinkerte mir frech zu. "dazu wohl am allerbesten!" lachte ich.
(155) wer in den 50er jahren gross geworden ist, kennt ihn ganz bestimmt und wird vielleicht auch das eine oder andere buch von ihm besessen haben. wenigstens für mich gehörte „mecki“ zu meinen kindertagen wie legobausteine und wiking-autos.
„mecki“ war die redaktionsfigur der fernseh- und radiozeitschrift „hör zu“. seit 1951 erschienen darin die cartoons vom strubbeligen igel - gezeichnet von reinhold escher und wilhelm petersen. der erste chefredakteur der zeitschrift, eduard rhein, nahm die figur in sein blatt und schrieb die texte zu den vielen mecki-abenteuern. es gab auch noch charly pinguin und den schrat, mit denen mecki viel erlebte. jedes jahr zu weihnachten gab es ein grosses, buntes mecki-buch. davon habe ich einige besessen, kann mich aber heute kaum noch an die geschichten erinnern. doch die schönen und oft turbulenten zeichnungen sind mir im gedächtnis geblieben. wenn mir heute ein buch von mecki begegnet - etwa „mecki bei den eskimos“ -, dann sehe ich plötzlich einen grossen lichterbaum mit vielen kerzen und habe den geschmack von schokolade und marzipan auf meiner zunge. hier gibt es von „mecki“ mehr zu sehen:
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