*** RUND UM AGADIR ***

WAS DAS REISEN IN MAROKKO NICHT EINFACHER MACHT!




In agadir gibt es 250 autoverleiher - wir haben also die qual der wahl, für welchen wir uns entscheiden. die europäischen autoverleiher sind teuer. wir sollten also unbedingt auf die einheimischen ausweichen, die ihre autos oft zu einem drittel des preises der europäer anbieten.

der mietpreis für einen fiat uno, mit dem wir alle hier vorgestellten ausflüge bequem durchführen können, kostet zwischen 25 und 30 euro am tag. mehr sollten wir auch nicht ausgeben. es gibt seriöse marokkanische autovermieter, mit denen ich selbst beste erfahrungen gemacht habe. hier ist so einer, wobei ich keinerlei gewähr dafür übernehme, wie sein service aktuell aussieht.

DIE ADRESSE

(dies ist ein hinweis in meinem weblog, der jegliche haftung oder gewährleistung ausschliesst und nur als vorschlag zu betrachten ist.)

die fahrten, die ich hier vorstelle, sollten wir immer am frühen morgen beginnen. dann ist es kühl, die strassen sind noch nicht so stark befahren und wir haben die gewähr, vor einbruch der dunkelheit zurück zu sein.

es empfiehlt sich, vor jedem ausflug den autotank aufzufüllen. es gibt zwar überall tankstellen, aber es ist ein gutes gefühl, sich während des ausflugs nicht weiter um das benzin kümmern zu müssen - vor allem, wenn wir bleifreies tanken müssen, das nicht überall verfügbar ist.

was sollten wir auf unseren fahrten dabei haben?


ein strassenplan gehört unbedingt zur ausrüstung. „michelin“ hat gerade eine neue marokko-karte heraus gegeben, die uns gute dienste leisten kann. die autopapiere, den führerschein und unser geld verwahren wir am besten in einem brustbeutel. eine sonnenbrille ist zu empfehlen - und auch ein pulli, falls es in den bergen doch einmal kalt werden sollte.

wir sollten überdies darauf achten, ein langärmeliges hemd zu tragen. bei der hitze fahren wir in der regel mit offenem fenster und setzen unsere arme der sonne aus, - die verbrennungen bemerken wir bei dem fahrtwind gar nicht.

bei pausen sollten wir alle gegenstände aus dem fahrzeug entfernen und vielleicht auch das handschuhfach öffnen, um zu signalisieren, dass sich ein aufbruch des autos nicht lohnt. das empfiehlt sich besonders, wenn wir das auto über nacht an der strasse parken müssen.



wir müssen vermeiden, nach einbruch der dunkelheit zu fahren, denn dann machen sich die grossen überland-lastwagen auf den weg - und auch die busse, fussgänger und manchmal sogar die nomaden mit ihren viehherden. sie alle warten die kühle der nacht ab, um oft weite strecken zurück zu legen. eine nachtfahrt von tiznit nach agadir hat mich - mit dem chaos unbeleuchter fahrzeuge, auf die fahrbahn springender menschen, eseln und radfahrern  - vor jahren darüber belehrt, unbedingt nach einbruch der nacht das auto abzustellen und ein hotel aufzusuchen.

in den städten und ortschaften müssen wir stets versuchen, den blickkontakt zu den fahrern der anderen autos zu behalten. die marokkaner bewegen sich im verkehr sehr defensiv und tauschen durch gesten und blicke informationen aus.

immer wieder werden uns polizeikontrollen begegnen - beamte, die mitten auf der strasse stehen. wir sollten im schrittempo an ihnen vorbei fahren und ihr zeichen abwarten, dass wir den kontrollpunkt passieren können.

wenn wir diese tipps beherzigen, können wir die hier beschriebenen ausflüge sorglos geniessen, wenn nicht ...

ja, wenn nicht!


ich habe im laufe der vielen jahre, die ich nun schon nach marokko fahre, mit vielen urlaubern gesprochen und sie nach ihren eindrücken gefragt. die einen waren begeistert und versicherten, jederzeit wieder nach marokko zu kommen. die anderen waren enttäuscht und schworen, nie wieder einen fuss ins land zu setzen. einer mittleren gefühlslage - einem sowohl als auch - bin ich selten begegnet. entweder begeisterte zustimmung für das land oder schroffe ablehnung.

die schönheiten und vorzüge marokkos muss ich nicht betonen. sie sind für jeden, der das land bereist, offensichtlich. welchen grund hat also die von mir so oft beobachtete ablehnende haltung?

dazu - als illustration - drei begebenheiten:

1. in einem café läuft ein kleiner junge mit seinem schuhputzkasten auf mich zu. er will meine schuhe säubern. das lehne ich inzwischen ab.

wie oft habe ich es erlebt, dass ich einem kleinen schuhputzer für seine dienste - gar nicht geizig - entlohnte und dennoch ein grosses geschrei anhob? die bezahlten dirham - ganz egal, wie viel - waren nach meinung des schuhputzers nie genug, womit regelmässig ein zähes und lautes feilschen um den „richtigen“ preis bgann.

besser wäre es gewesen, wenn ich einfach auf die dienstleistung verzichtet hätte, um den streit gar nicht erst aufkommen zu lassen. aber nun waren die schuhe bereits geputzt.

also ging der streit weiter, bis sich der kleine schuhputzer irgendwann schimpfend und mürrisch abwandte und mich mit einer mischung aus empörung, mitleid, scham, trotz und unverständnis zurück liess.

ich habe keinen spass an diesen gefühlen!


2. in essaouira gibt es - ganz in der nähe des hafens - einen bewachten parkplatz. als ich ihn mit meinem auto verlassen will, stürmt ein marokkaner auf mich zu und verlangt seinen lohn. dagegen ist nichts einzuwenden - immerhin hat er mein fahrzeug bewacht. nun gibt es aber nirgends eine tafel, auf der die tarife fürs parken angezeigt sind. also gebe ich dem marokkaner 20 dirham und warte auf das wechselgeld. er nickt jedoch nur freundlich und winkt, dass ich weiter fahren soll.

wieviel kostet es denn nun, in essaouira auf dem bewachten platz zu parken?

ganz einfach: wenn wir einen 50 dirham-schein zur hand haben, kostet es 50 dirham. geben wir 20 dirham, beläuft sich das ganze auf 20 dirham, und halten wir dem marokkaner eine 10-dirham-münze hin, wird er eben diese summe akzeptieren.

der tourist kann also auf der weiterfahrt darüber rätseln, was es denn nun in wahrheit kostet, in essaouira einen bewachten parkplatz in anspruch zu nehmen.

ich mag dieses rätselraten aber nicht!

3. auf der fahrt nach tiznit werde ich von polizisten angehalten, die in marokko allgegenwärtig auf den strassen stehen und die autos im schrittempo an sich vorüber fahren lassen. nach lust und laune - so kommt es mir vor - werden autos aus dem verkehr gewunken und kontrolliert.

vor tiznit winken sie mich an den rand der strasse. freundlich bittet ein polizist um meine papiere. er nimmt sie und geht fort. weiter geschieht nichts. ich stehe mit meinem auto auf dem seitenstreifen und warte, während immer neue autos aus dem verkehr gewunken werden.

irgendwann kommt der polizist dann doch wieder zu mir. er fragt, ob ich ein tourist sei. ich nicke - er nickt auch und geht. nach 10 minuten ist er wieder da und fragt, wohin ich fahre. „nach tiznit!“ antworte ich. jetzt kommt der polizist langsam zum kern seines anliegens. er fragt mich - auf französisch -, warum ich die geschwindigkeitsbegrenzung übersehen hätte, wo doch nur 40 stundenkilometer gestattet seien. ich antworte, dass ich nicht schneller gefahren sei, da ich es mir in marokko zur angewohnheit gemacht habe, jedes, aber auch wirklich jedes strassenschild zu beachten und seinen anweisungen zu folgen.


warum ich dann trotzdem, so fragt der polizist weiter, so viel schneller gefahren sei. geduldig antworte ich, dass ich mich exakt an die vorschrift gehalten hätte, aber doch gern wüsste, wie schnell ich seiner meinung nach gewesen sei.

der polizist ruft zu seinem kollegen hinüber. der hantiert mit einem funkgerät herum und schaut aufs display. dann antwortet er.

„es waren 79 stundenkilometer, monsieur!“

„das kann doch gar nicht sein!“ rufe ich empört. der polizist verzieht keine miene, fragt aber, ob ich mit einem bussgeld einverstanden wäre. er will mir also klar machen, dass die ganze angelegenheit gegen eine kleine zahlung meinerseits - natürlich ohne quittung - vergessen ist.

jetzt verstehe ich ihn überhaupt nicht mehr - oder besser: ich will ihn nicht verstehen, selbst wenn ich fliessend französisch sprechen könnte und meinetwegen sogar französisch träumen würde.

er wiederholt seinen vorschlag und ich höre etwas von 20 dirham. ich zucke mit den schultern und bitte ihn, sein anliegen auf englisch zu wiederholen, damit ich es auch wirklich verstehe. wenn das aber nicht möglich sei, so fahre ich fort, gäbe es sicherlich bei der marokkanischen polizei einen dolmetscher, der einem touristen auf englisch erklären könnte, was die behörden ihm vorwerfen. ich wenigstens sei mir keiner schuld bewusst, hätte aber, um ehrlich zu sein, den vorwurf auch immer noch nicht ganz verstanden.

plötzlich hält mir der polizist meine papiere hin, wünscht mir eine gute fahrt und winkt mich in den verkehr zurück.

dieses verhalten der marokkanischen polizei ist wegelagerei.

und ich falle nicht gern unter die räuber!



was aber haben ein schuhputzer, ein parkplatzwächter und ein polizist miteinander gemeinsam? nichts weiter - nur dass sie sich ein vollkommen unakzeptables verhalten voneinander abgeschaut haben und es - je auf ihre art und in ihrem alltag - zu ihrer vorteilsnahme einsetzen.

ich verstehe, wenn mir touristen erklären, nicht wieder nach marokko fahren zu wollen. sie erwarten nämlich - ganz zu recht - ein korrektes verhalten, das die nerven schont und das zusammenleben von menschen erst erträglich macht. vermissen sie es - und in marokko kann uns das gefühl für fairness auf schritt und tritt verloren gehen -, ist die konsequenz wohl klar!

im übrigen: welche wut müssen erst marokkaner haben, die jeden tag mit so viel willkür traktiert werden, aber nicht - wie wir - das land nach einigen wochen wieder verlassen können?



nach imouzzer