*** RUND UM AGADIR *** ZUR KASBAH TIOUTE UND NACH TAROUDANNT! |
(ca. 7 stunden, 230 kilometer) bei der planung unserer ausflüge sollten
wir uns eine faustregel zu eigen machen: für 50 kilometer benötigen
wir in marokko immer eine stunde. wenn wir die pausen dazu nehmen, können
wir schnell errechnen, wie lange wir unterwegs sein werden. der ausflug nach
taroudannt dauert rund sieben stunden.
wir fahren aus agadir in südlicher richtung hinaus. wir können die grosse überlandstrasse nach marrakesch nehmen, müssen dann aber nach etwa 20 kilometern in richtung taroudannt abbiegen - oder wir fahren weiter über inezgane nach ait melloul. am ende des ortes ist eine kreuzung - mit einem scharfen rechtsknick nach tiznit. wir aber fahren geradeaus weiter. zu sehen gibt es noch nicht viel - ausser den langgestreckten orten mit den typischen arkaden beiderseits der strasse. wir sind mittem im sous-tal, dem hauptanbaugebiet marokkos für gemüse und früchte. deshalb begegnen uns auch immer wieder hochbeladene lkws und pick-ups, unter deren planen apfelsinen und tomaten aufleuchten. je weiter wir uns vom ballungsgebiet agadir entfernen, desto mehr lässt der verkehr nach. das autofahren ist jetzt ganz und gar problemlos, da auch die strassen gut ausgebaut sind. in den orten, die wir durchfahren, finden an unterschiedlichen tagen die souks, also die markttage statt. wenn wir auf unseren fahrten einen souk sehen, sollten wir anhalten und einen kleinen bummel unternehmen. auf den souks duftet die minze, melonen türmen sich zu grün-gesprenkelten pyramiden. inmitten eines meeres von leuchtend-roten tomaten hockt ein alter marokkaner und poliert mit einem tuch die früchte. sein kollege sortiert berge von kartoffeln, die in marokko rötlich schimmern und viel grösser als bei uns in deutschland sind. jetzt kommen wir auch an den gewürzständen vorbei, wo ein händler mit seiner langstiligen schaufel aus den pyramiden von paprika, kümmel und pfeffer hier und da eine prise nimmt und die gewürze in eine bereit gehaltene tüte füllt.
wenn wir nach unserem kleinen bummel zu unserem
auto zurück kehren, kann uns etwas passieren, was nicht zum angenehmsten
in marokko gehört. kaum wollen wir losfahren, stürmen mehrere marokkaner
zum auto und schwenken kleine zettelchen. „ticket, mister!“ das sind die
selbsternannten parkwächter, die uns das kleine fleckchen erde zum parken
„vermietet“ haben. nun wollen sie ihren lohn.
ich muss es jedem selbst überlassen, ob er bezahlt oder einfach - wegfährt. ich persönlich empfinde dieses verhalten der marokkaner als lästig und auch nicht nötig. es schreckt überdies die touristen ab, die auf eigene faust marokko erleben wollen. wer möchte sich schon beschimpfen lassen, nur weil er das selbstverständliche recht in anspruch nimmt, in marokko an einer strasse anzuhalten? nachdem wir die aufgebrachten parkwächter hinter uns gelassen haben, nähern wir uns auch schon taroudannt. die arganienbäume zu beiden seiten der strasse stehen - wenigstens jetzt im juni - in voller reife, ihnen zu füssen wächst die gerste. gelbe wolken von ginster fliegen an uns vorbei. das sous-tal wird immer grüner und in der ferne wachsen die gipfel des hohen atlas in den himmel. taroudannt ist vollständig von einer acht meter hohen lehmmauer umgeben und ähnelt damit ihrer grossen schwester marakkesch. die mauer erzählt uns etwas von der früheren bedeutung dieser stadt. jahrhunderte lang war sie eine wichtige station der karawanen, die gold, silber, vor allem aber sklaven aus dem inneren afrikas herbei brachten. über lange zeit war taroudannt auch ein wichtiger umschlagplatz für zucker, - rund herum lagen grosse zuckerrohr-plantagen, die der stadt wohlstand und reichtum brachten. heute ist die stadt das zentrum des obst- und gemüseanbaus im fruchtbaren sous-tal. wir halten noch nicht an, sondern biegen - am ende der lehmmauer - nach rechts ab und folgen weiter der hauptstrasse, die nach ourzazate führt. bald heisst es aufzupassen, denn im ort ait yazza zweigt eine geteerte strasse nach tata ab, die - weil nicht ausgeschildert - leicht zu übersehen ist. nach wenigen hundert metern verwandelt sich die
strasse allerdings in einen mühsam zu befahrenden schotterweg, der in
wahrheit das ausgetrocknete bett des "oued sous" ist, der dem tal seinen
namen gegeben hat, und die überwiegende zeit im jahr kein wasser führt.
deswegen lohnt es sich nicht, eine brücke zu bauen. wir durchqueren
also das flussbett, was mit einem normalen pkw und mit ein wenig vorsicht
problemlos möglich ist.
auf der anderen seite des flusses erreichen wir wieder die geteerte strasse. bald kommen wir zu einer kreuzung, wo es links nach agadir und rechts nach ourzazate geht. wir aber fahren geradeaus weiter und sind jetzt auf einer schmalen strasse. wie mit einem lineal gezogen führt sie geradewegs in den antiatlas. die ausläufer des gebirges sind nur spärlich bewachsen und die berge weitaus sanfter als die des zerklüfteten hohen atlas. nach einigen kilometern sind wir auch schon am - ausgeschilderten - abzweig nach tioute. eine enge teerstrasse führt in den ort, der in wahrheit jedoch aus sieben dörfern besteht, die sich am rande einer ausgedehnten palmenoase erstrecken. jetzt sehen wir auch schon die kasbah, die auf halber höhe auf einem bergrücken über tioute thront. dort hinauf geht es über einen schotterweg.
leider hat man die kasbah bei ihrer renovierung
nicht wieder in ihren originalzustand versetzt, sondern die mächtige
lehmburg mit modernen anbauten erweitert, die vielleicht zweckmässig
sind, aber den gesamteindruck trüben.
oben angekommen, springen sofort einige marokkaner auf uns zu, die ihre hilfe bei der besichtigung anbieten. sie haben auch gleich das programm der nächsten stunden parat: erst einmal müssen wir auf dem rücken eines esels die palmenoase besuchen. dort wartet „das paradies, der himmel, monsieur!“ - mit der stille unter palmen, den kühlen, schattigen wegen, dem saftigen, das auge beruhigende grün der gärten, den leise vor sich hin plätschernden quellen ... sodann geht es wieder zur kasbah hinauf, wo nicht nur ein stuhl, sondern „schöne kissen, gemütliche polster, monsieur!“ warten. so ganz und gar entspannt, am tee nippend und am gebäck knabbernd, werden uns die marokkanischen führer auch ganz gewiss bald fragen: „wie viele tage wollen sie bleiben?“ selbstverständlich können wir an diesem touristenprogramm teilnehmen, uns sogar entschliessen, den rest unseres urlaubs in tioute zu verbringen ... wir können aber auch schlicht auf der terrasse der kasbah unseren tee trinken, die prächtige aussicht geniessen, um uns danach höflich aber bestimmt zu verabschieden - immer aber in der gewissheit, zur tiefen enttäuschung der marokkanische fremdenführer beigetragen zu haben. unser nächstes ziel ist taroudannt. wir steuern am besten das tor in der lehmmauer an, vor dem sich der grosse taxen- und busparkplatz befindet. gleich hinter der mauer können wir unser auto abstellen und zu fuss weiter gehen. in wenigen minuten haben wir die plätze el alouine und tamoklate erreicht, womit wir auch schon im zentrum taroudannts sind - mit dem souk, den geschäften und den vielen cafés. ich schlage vor, dass wir uns unter den sonnenschirmen einen platz suchen und uns dann von dem kleinen marokkanischen welttheater verzaubern lassen. wir sehen nur wenige frauen. sie eilen, bis
an die nasenspitze verschleiert, an uns vorüber. die cafés
und strassen taroudannts gehören - wie überall in marokko - den
männern. sie flanieren - oft hand in hand - auf und ab oder sitzen beisammen
und bestaunen das neue handy ihres nachbarn, das fortwährend piept.
ein kleiner schuhputzer heftet sogleich sein scharfes auge auf unsere staubigen
schuhe und will sie unbedingt blank polieren. kaum haben wir ihm zu verstehen
gegeben, dass es bei uns nichts zu verdienen gibt, steht der nächste
bursche vor uns und klopft mit einer bürste energisch an seinen holzkasten.
wir werden auch auf einen losverkäufer aufmerksam. er verteilt kleine
zettel, auf denen zwar nur eine nummer steht, die sich aber - vielleicht
- in wenigen tagen zu nie gekanntem reichtum verwandelt. für träume
ist in marokko immer zeit.
ein junger marokkaner schleppt unzählige uhren, sonnenbrillen und ledergürtel an unseren tisch. er sieht uns auffordernd an. wir sollen uns nun bald entscheiden, denn alles ist „gute qualität, mister - und ganz billig!“ im inneren des cafés sitzen marokkaner wie auf einer hühnerleiter aufgereiht und starren erregt auf ein fernsehgerät, das hoch oben auf einem wackeligen regal steht. es ist sonntag, ein fussballspiel wird übertragen - und das in einem land, wo den sportbegeisterten menschen selbst der staubigste hinterhof zu einer tobenden fussballarena wird, wenn dafür nur genügend fantasie vorhanden ist. aber daran mangelt es in marokko nie. in taroudannt gibt es nicht viel zu besichtigen - keine bedeutenden moscheen, keine medresen, vielleicht den palast, aus dem sie ein hotel gemacht haben. wir brauchen uns also nicht den kopf zu zerbrechen, was wir alles gesehen haben müssen, bevor wir die stadt wieder verlassen. der ort selbst ist die sehenswürdigkeit, oder vielmehr: es sind die menschen, die jederzeit dafür sorgen, dass wir ihrem leben - diesem kleinen welttheater, das keine pause kennt - vielleicht manchmal verwundert, immer aber staunend zusehen können. gerade kommt ein bunt gekleideter musikant vorbei, der auf seinem zupfinstrument ein kleines, arabisches lied singt. alle hören zu - bis auf den schlafenden marokkaner in der weissen djellaba ganz hinten im café. dem sitzt eine fliege auf der nase, die - ganz unberührt vom lauten treiben um sie herum - sorgfältig ihre flügel putzt. EINIGE FOTOS - EIN SOUK, TIOUTE, TAROUDANNT! |