THOMAS UND HEINRICH MANN
- KINDER, ONKEL, TANTEN
-
skizzen und notizen zu einer literarischen familie in deutschland

INHALT:


(KLICK! zum lesen auf den titel)

THOMAS MANN - SECRET LIFE!

ERIKA MANN - DIE TOCHTER!

GOLO MANN - EIN HISTORIKER ERZÄHLT GESCHICHTE!


KLAUS MANN - DER EINSAME TOD IN CANNES!

DIE FRAUEN IN DER FAMILIE MANN

MIT KLAUS UND ERIKA AN DER RIVIERA!

EINEM IRONIKER BRICHT DAS HERZ!

FLUCHTORT "EXIL" - SANARY-SUR-MER!

MONIKA MANN - DIE UNGELIEBTE!

DIE NAZIS DROHEN: "MIT HANDKUSS FÜR IHRE GATTIN UND HANDSCHLAG FÜR SIE"!


 in dieser reihe sind alle notizen versammelt, die bei KREUZ und QUER
zur familie mann erschienen sind und noch erscheinen werden


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THOMAS  MANN - SECRET LIFE!


thomas mann hat neben seinem literarischen und essayistischen werk ein konvolut von tagebüchern hinterlassen, die nach seinem testamentarischen willen erst geraume zeit nach seinem tod veröffentlicht werden durften. inzwischen liegen sie - sorgfältig ediert und kommentiert - vor. ich gestehe: sie langweilten mich über weite strecken. wer interessiert sich schon für das magengrimmen und kopfweh eines schriftstellers? diese persönlichen befindlichkeiten nehmen jedoch in den tagebüchern einen breiten raum ein.

thomas mann schrieb bereits als junger mann fast täglich an seinen tagebüchern. die frühen eintragungen hat er aber schon in den 20er jahren vernichtet. er wollte nicht, dass sie an die öffentlichkeit gelangen - denn eines war immer klar: seine tagebücher sollten nicht nur zur eigenen reflektion dienen - sondern waren immer auch für das lesepublikum gedacht. deswegen musste thomas mann allzu brisantes aus der frühzeit löschen. wir können dankbar sein, dass die späteren tagebücher von einem so unbestechlichen herausgeber wie peter de mendelssohn editiert wurden. mag sein, erika mann, wäre sie noch am leben gewesen, hätte rigoros in den corpus der späteren tagebücher eingegriffen und heikles einfach gestrichen.

als thomas mann 1933 ins exil ging - das heisst: von einer lesereise im ausland nicht mehr nach deutschland zurück kehrte und stattdessen in die schweiz ging - hatte er ein fürchterliches problem. seine manuskripte lagen in münchen, seinem wohnort - darunter auch die tagebücher, die er über alle jahre nach seiner hochzeit mit katia pringsheim geführt hatte. die vorstellung, dass diese aufzeichnungen den nazis in die hände fallen könnten, versetzten ihn in eine solch´ ausserordentliche besorgnis, dass er zeitweise an selbstmord dachte. die aufzeichnungen schienen ihm so geartet, dass sie seine reputation und seinen ruf ruinieren könnten.



porträt thomas mann

was stand in den tagebüchern?

sein sohn golo mann ist es zu verdanken, dass die manuskripte sicher in die schweiz kamen. er fuhr heimlich nach münchen und konnte unter lebensgefahr das elternhaus betreten, wo die tagebücher in einem safe verwahrt wurden. dies - und vieles andere, was golo mann in dieser schwierigen zeit tat - war ausserordentlich tapfer und erhält zusätzliches gewicht, wenn man weiss, in welch´gespanntem verhältnis er sich zeitlebens zu seinem vater befand.

thomas mann - wir wissen es heute - fürchtete sich davor, dass seine homosexualität publik werden könnte, zu der er sich an vielen stellen seiner tagebücher äussert. dies mag auch ein fingerzeig sein, warum er seine frühesten tagebücher, die er als unverheirateter mann führte, vernichtete. es ist mit fug und recht anzunehmen, dass das thema homosexualität dort einen noch viel breiteren raum einnahm.

thomas mann war zeit seines lebens kein praktizierender homosexueller mann. er verbot sich seine neigungen, die er als „ungesund“ bezeichnete, und verordnete sich stattdessen die ehe mit katia pringsheim. wir wissen heute, dass in dieser ehe zwar sechs kinder geboren wurden, aber auch, dass das eheleben der beiden über weite strecken rein kameradschaftlicher natur blieb. schon auf seiner hochzeitsreise begab sich thomas mann in ärztliche behandlung. wir ahnen, warum er es tat. nicht unerwähnt soll bleiben, dass katia - eine weltoffene, intelligente frau - um die neigungen ihres mannes wusste, sie aber tolerierte und ihm nachsah. das war gewiss das beste, was thomas mann passieren konnte.

ich habe nie verstanden, warum um die sexuellen neigungen thomas manns solange ein geheimnis gemacht wurde. schon seine frühe novelle „tonio kröger“, die er 1903, also noch als relativ junger mann (er war 28 jahre alt) verfasste, gibt hinweise in fülle auf den erotisch-sexuellen konflikt, der dieser novelle wenigstens im ersten teil  (unausgesprochen) zugrunde liegt.

vollends zum thema wird die homosexualität dann im „tod in venedig“, eine novelle, die - wie „tonio kröger“ - stark autobiographische züge trägt. sie erschien 1912, als thomas mann 37 jahre alt war und damit endgültig seine jugend hinter sich gelassen hatte. ein bemerkenswertes biografisches datum, das zusätzlich brisanz durch die inzwischen erfolgte eheschliessung mit katia pringsheim (1905) erhält. nur eine bildungsbeflissene, konservative literaturkritik konnte darin das zentrale thema der homosexualität und seiner schmerzhaften leugnung übersehen und so tun, als handelte es sich „nur“ um den konflikt eines ästheten und künstlers in einer trivial-bürgerlichen umgebung.

nur folgerichtig tauchte das thema homosexualität im erzählerischen werk später nicht mehr auf - höchstens noch in andeutungen und aufs äusserste sublimiert. der „tod in venedig“ markierte das ende dieses themas für thomas mann. die novelle liefert auch gleich die begründung: sie findet sich in der tragischen, am ende grotesken gestalt des gustav aschenbach.

 

aus dem film "tod in venedig"

so wie er wollte thomas mann niemals enden. diese figur war das gegenbild zu einer repräsentativen, bürgerlichen existenz, wie sie sich thomas mann für sich - freilich um den preis der selbstverleugnung - vorstellte.

noch steht eine würdigung des werkes thomas manns unter genau diesem aspekt aus: wie verabeitete der schriftsteller sein lebensthema - die homosexualität - in seinen romanen und erzählungen? wie hat man sich - allgemeiner gefragt - die situation eines homosexuellen (oder doch bisexuellen) mannes in der ersten hälfte des 20. jahrhunderts vorzustellen? denn eines ist gewiss: das schicksal thomas manns ist kein einzelfall. viele männer fürchteten sich damals vor der entdeckung ihrer neigungen - in einer gesellschaft, die homosexualität tabuisierte und bestrafte. der ausweg war die verdrängung, die ästhetisierung und sublimierung - um den preis der gelebten lebens.

diese notiz möchte anregung sein, dass wissenschaftler sich dem werk thomas manns endlich einmal konsequent unter dem psycho-sexuellen aspekt nähern - das schliesst andere sichtweisen überhaupt nicht aus, verengt also nicht das thema „thomas mann“. die forschung in dieser richtung blieb bisher leider immer fragmentarisch - vielleicht auch deswegen, weil sie im grunde nur ein schwuler wissenschaftler bewältigen könnte.

das thema „thomas mann“ würde eine ausserordentliche erweiterung erfahren, wenn die politisch-gesellschaftliche konstellation und die debatten um die homosexualität in der ersten hälfte des 20. jahrhunderts konsequent mitbedacht würden. zu viele menschen sind damals an ihren neigungen gescheitert, weil die gesellschaft sie nicht duldete, und haben es vorgezogen, den freitod zu wählen. thomas mann - zu keiner zeit ungefährdet - ging einen anderen weg.

diese (exemplarische) biografie, scheint mir, muss erst noch geschrieben werden



thomas und katia mann in lübeck



ERIKA MANN - DIE TOCHTER!


über dem leben erika manns, älteste tochter von thomas mann, liegt eine tragik, die erst beim zweiten blick offenbar wird. sie war zeitlebens die lieblingstochter ihres vaters, ihr wurde alles verziehen, was bei den geschwistern zu strengen ermahnungen führte. am 9. november 1905 kam sie in münchen zur welt. mit ihrem nur ein jahr jüngeren bruder klaus verband sie eine besondere und innige beziehung, die über seinen selbstmord hinaus reichte. erika war es, die das literarische werk ihres bruders nach seinem tod betreute und - gut möglich - vor dem vergessen bewahrte.



thomas mann mit erika

noch vor ihrem abitur im jahre 1924 setzte sie sich gegen ihrer eltern durch und trat ein engagement als schauspielerin am „deutschen theater“ in berlin an, dessen intendant max reinhardt war. nach ihrem schulabschluss absolvierte sie eine schauspielausbildung und ging unter anderem an das bremer theater.

ihre schauspielausbildung prädestinierte sie geradezu, im theaterstück „anja und esther“, das ihr bruder klaus geschrieben hatte, eine rolle zu übernehmen. zusammen mit ihm, gustav gründgens und pamela wedekind bestritt sie 1925 die uraufführung des stückes in hamburg, was zu einem echten skandal geriet.

nicht nur auf der bühne spielten die vier „grosses theater“. sie waren - als kinder berühmter eltern - in deutschland als „enfants terribles“ bekannt und berüchtigt, die jede konvention verlachten und für immer neue gesellschaftliche skandale sorgten. dazu gehörte, dass (die sich zu frauen hingezogen fühlende) erika aus einer laune heraus den homosexuellen gustav gründgens heirate. dazu gehörten aber auch die eskapaden ihres homosexuellen bruders klaus, der überhaupt keinen hehl aus seiner veranlagung machte. ihn schützte das talent - viel mehr aber noch die herausragende stellung seines vaters, der nach der verleihung des nobelpreises zu einer gesellschaftlichen und moralischen instanz in deutschland geworden war.



die geschwister erika und klaus

ihre ehe mit gustav gründgens ging schon bald in die brüche, was erika aber keine besondern schmerzen bereitete, da diese verbindung nur aus leichtsinn und nicht aus liebe zustande gekommen war. stattdessen ging sie 1927 mit ihrem bruder klaus auf eine reise, die neun monate dauerte und deren ergebnis ihr gemeinsamer reisebericht „rundherum - das abenteuer einer weltreise“ war.

in diese zeit fällt auch erikas abkehr vom theater und ihre hinwendung zur publizistischen arbeit. sie schreibt für den rundfunk und die „münchener neuesten nachrichten“. die artikel, die sie abliefert, werden zunehmend politischer und beschäftigen sich vor allem mit dem heraufziehenden nationalsozialismus, den sie bekämpft, wo sie nur kann.

erika mann lebt als emanzipierte frau in der weimarer republik und widerspricht dem gängigen frauenbild der zeit ganz und gar. dieses „image“ pflegt sie sorgfältig, kleidet sich burschikos und extravagant, raucht in der öffentlichkeit und fährt leidenschaftlich gern auto. 1931 gewinnt sie eine 10.000 kilometer lange rallye durch südeuropa.

niemals aber vergisst sie ihr politisches engagement und beteiligt sich 1931 auch an einer pazifistischen veranstaltung, die von der „internationalen liga für frieden und freiheit“ organisiert wird. die nationalsozialisten, denen die publzistische tätigkeit erka manns schon lange ein dorn im auge ist, bringen sich gegen sie in stellung, beschimpfen und beleidigen sie - am ende muss sie gegen die infamen verleumdungen prozessieren. erholung von der politischen arbeit findet sie in ihrem literarischen schaffen. 1931 erscheint das erste einer ganzen reihe von kinderbüchern aus ihrer feder: „stoffel fliegt über das meer“.

sie, die wohl gar keinen wunsch nach eigenen kindern hatte - fühlt sich auf wunderbare weise in die seelen ihrer kleinen leser ein, denen sie in ihren büchern auf spielerische weise mut, zuversicht und gradlinigkeit vermittelt. geholfen beim schreiben der bücher hat ihr gewiss der umgang mit ihren vier jüngeren geschwistern, denen sie - zumal den jüngsten - fast eine zweite mutter war.

1933 gründet erika - zusammen mit ihrer gefährtin und freundin therese giehse - das politische kabarett „die pfeffermühle“. mit selbstgeschriebenen, ironisch-spitzen texten setzt sie - die schauspielerin und politische publizistin - ihren kampf für soziale gerechtigkeit und gegen den nationalsozialismus auf der bühne fort.

schon am 13. märz 1933 - die nationalsozialisten waren gerade an die macht gekommen - verlässt sie deutschland und versucht auch ihren vater, der sich gerade auf einer lesereise im ausland befindet, davon zu überzeugen, nicht nach münchen zurückzukehren. sein leben - aber noch viel mehr das leben seiner jüdischen frau katja - war in höchter gefahr.

die familie findet sich im südfranzösischen sanary-sur-mer wieder zusammen, von wo aus sie in das schweizer küssnacht übersiedeln. in zürich führt erika, zusammen mit therese giehse, die „pfeffermühle“ weiter, wirbt - gemeinsam mit ihrem bruder klaus - für einen engen zusammenhalt der europäischen intellktuellen gegen die nazis und bemüht sich, ihren vater davon zu überzeugen, entschieden gegen hitler stellung zu beziehen.

thomas mann zaudert. er befürchtet, sein deutsches lesepublikum zu verlieren. noch verlegt der s. fischer-verlag ohne nennenswerte repressionen seine bücher im deutschen reich. erst 1936 stellt er sich in einem zeitungsartikel entschieden vor die exilierten deutschen schriftsteller und bricht ein für allemal mit nazideutschland.

dieser sinneswandel ist vor allem seiner tochter erika zu verdanken. sie hatte einen unwiderruflichen bruch mit ihrem vater angedroht, wenn er sich nicht - als der prominenteste deutsche schriftsteller, dessen wort in der welt etwas galt - zum antifaschistischen kampf bekennen würde.

nach dieser schlimmen zeit der vorwürfe und missverständnisse, des zorns und der schroffen ablehnung vertiefte sich die geistige und seelische verbundenheit thomas manns zu seiner tochter, deren rat und hilfe er nun immer dringender benötigte. zwar heiratete erika mann den englischen dramatiker wystan h. auden, aber die ehe bestand nur auf dem papier, da auden homosexuell war. der wahre grund für die verbindung bestand in der englischen staatsbürgerschaft, die erika mit der eheschliessung erhielt. schon 1937 geht sie nach amerika und bereitet dort die ankunft ihrer eltern und ihres bruders klaus vor.

von nun an weicht sie nicht mehr von der seite ihres vaters. sie begleitet ihn auf seinen vortragsreisen durch amerika, übersetzt fürs amerikanische publikum und leitet die pressekonferenzen. thomas mann, der nie richtig englisch gelernt hat, wird zunehmend abhängiger von seiner tochter, die seine literarische arbeit befördert und organisiert. das hindert sie aber nicht daran, auch weiterhin eigenständig publizistisch tätig zu sein. sie nimmt als korrepondentin am spanischen bürgerkrieg teil und schreibt für zahlreiche amerikanische zeitungen und für den rundfunk.



thomas mann und erika

das kriegende in europa bedeutete für sie eine tiefe und irritierende zäsur, mit der sie innerlich nicht fertig wurde. sie wählt in dieser krise des lebens und der arbeit gottseidank nicht den freitod - wie ihr bruder klaus. aber genau wie sein publizistischer kampf ist auch der ihre plötzlich obsolet geworden, weil das ziel - hitler zu beseitigen und deutschland zurück in eine demokratie  zu führen - erreicht ist.

es folgt die grosse leere - eine intellektuelle sinnkrise, die es nötig macht, neue, andere ziele ins auge zu fassen. erika und klaus gelingt dies nicht - eine tragödie, weil mit der beseitigung hitlers noch längst nicht die demokratie in deutschland gefestigt war. die publizistische arbeit dieser beiden so begabten menschen hätte - unter veränderten prämissen - noch lange weitergehen können. sie wäre in der politisch restaurativen adenauerzeit auch dringend nötig gewesen.

erika wählte jedoch einen anderen - und wohl auch resignativen - weg und etablierte sich als die vertraute „frau eckermann“ ihres vaters. sie widmete sich fortan ganz und gar seiner literarischen arbeit, korrigierte und kürzte - wie sie es auch später zu tun pflegte - seinen neuen roman „dr. faustus“, führte seinen terminkalender und begleitete ihn auf allen reisen. ihr mut zum eigenen leben schien erloschen. sie zog stattdessen 1952 - nach rückkehr thomas manns aus amerika - in das haus ihrer eltern in kilchberg/schweiz, litt unter schweren migräneanfällen und tyrannisierte mutter und zu besuch kommende geschwister. michael, der jüngste bruder, meinte nach dem tod seiner schwester: „ich wusste gar nicht, dass es in kilchberg auch gemütlich sein kann!“

den tod ihres bruders klaus versuchte sie zu bewältigen, indem sie seine essays, lebensberichte, theaterstücke und romane neu edierte und dafür einen verlag suchte. versöhnen konnte sie sich mit dem schicksal ihres bruders indes nicht - was ihre verbitterung in einem mass wachsen liess, dass mancher sie als unausstehlich in erinnerung behielt.

1955 - nach dem tod des vaters - wurde sie die bevollmächtigte für seinen nachlass. sie kümmert sich um die literarischen rechte und beaufsichtigte die nach den romanen ihres vaters gedrehten filme. in den 60er jahren gab sie schliesslich eine dreibändige ausgabe ausgewählter briefe thomas manns heraus und schrieb ein anrührendes erinnerungsbuch über das letzte jahr ihres vaters.

1969 starb erika mann in zürich.

die forschung indes ist heilfroh, dass thomas mann noch zu lebzeiten bestimmt hatte, seine tagebücher erst 20 jahre nach seinem tod zu veröffentlichen. so konnte erika mann wenigstens daran nicht ihre editorische hand legen. wäre es anders gekommen, würde die welt wohl bis heute nicht wissen, dass thomas mann zeitlebens homosexuelle wünsche hatte, die er allerdings streng hütete und nicht auslebte.

die tochter hätte schon gewusst, wie man solche „despektierlichen“ bekenntnisse aus den manuskripten eines geliebten vaters streicht.






GOLO MANN - EIN HISTORIKER ERZÄHLT GESCHICHTE!


spätestens mit seinem geschichtswerk „wallenstein“ war Golo Mann, der sohn von Thomas Mann, in deutschland als historiker anerkannt. dennoch verhinderten massive widerstände seine - verdiente - professur. in frankfurt vereitelten das Max Horkheimer und Theodor Adorno, wobei sie nicht davor zurück schreckten, seine homosexualität gegen ihn ins feld zu führen. ihr argument: er könnte seine studenten verführen.

prüde, schlimme jahre!

Golo Mann, 1909 geboren, hat unter seinem elternhaus, vor allem aber unter seinem vater gelitten. er spürte, ähnlich wie sein bruder Klaus, den übermächtigen väterlichen schatten ein leben lang. Klaus zerbrach daran. Golo aber distanzierte sich schon früh und verliess das elternhaus. dass er schliesslich ein historiker von überragendem erzähltalent wurde, war vielleicht sein ausweg, um sich nicht auf dem feld behaupten zu müssen, das sein vater mit meisterschaft beherrschte - das der literatur.

 


ende der dreissiger jahre folgte Golo Mann seinen eltern ins exil in die usa, nicht ohne zuvor noch einmal unerkannt nach münchen zu fahren, um einige wichtige unterlagen aus dem elternhaus zu retten - unter anderem die „tagebücher“ seines vaters, die später für so viel aufmerksamkeit und wirbel sorgten. er rettete sie - musste aber seinem vater versprechen, keinen blick hinein zu tun.

es ist auch Golo Manns verdienst, dass Heinrich Mann die flucht aus deutschland gelang. Golo begleitete seinen onkel auf dem schwierigen weg nach portugal, wo sie einen dampfer in die usa erreichten. Heinrich Mann sagte später, dass ihm die flucht ohne seinen neffen nicht gelungen wäre.

als amerikanischer offizier kehrte Golo Mann ins nachkriegsdeutschland zurück. es war ein glück, dass er noch relativ jung war und schon bald seine arbeit als historiker fortsetzen konnte. in fachkreisen wurde er zuweilen hart kritisiert, - man misstraute einem geschichtsschreiber, der es verstand, geschichte grossartig zu erzählen.

 


Golo Mann verlangte von sich selbst grösste disziplin. in seinem leben hatten zufälle und leidenschaften keinen platz. vielleicht waren ihm die lebensschicksale seiner älteren geschwister eine warnung.

Klaus und Erika faszinierten in den 20er jahren als „enfants terribles“ ganz deutschland. über alle massen talentiert, schrieben sie bücher, spielten theater, reisten durch die welt und kämpften, als es darauf ankam, gegen die nazi-diktatur. und doch starb Klaus von drogen krank und einsam in südfrankreich, Erika, ebenso ratlos und vereinsamt, flüchtete sich zu ihren eltern, die nach dem krieg in die schweiz zurück gekehrt waren. dort stand sie - unglücklich, herrschsüchtig und verbittert - ihrem vater in seinen letzten jahren bei der schriftstellerischen arbeit zur seite.

ich kann mir gut vorstellen, dass Golo Mann mit einigem schrecken das leben eines homosexuellen führte. das schickal seines bruders Klaus, der in immer neue affären mit jungen männern verstrickt war, stand ihm bedrohlich vor augen - und auch das schicksal seines vaters, der nur mit mühe und äusserster disziplin seine homosexuellen neigungen bezwang - wenn er sie schon nicht verbergen konnte.

ich kann mir Golo Mann nicht als einen glücklichen menschen vorstellen. aber was heisst das schon? manchmal muss es reichen, eine mit viel lob und ehren begleitete arbeit zu tun. über seinem leben, das 1994 zu ende ging, liegt - bei allem wissenschaftlichen glanz - eine schattenhafte tragik, der er als sohn eines berühmten vaters und mit neigungen, die in den frühen jahren der bundesrepublik verborgen werden mussten, nicht wirklich entkommen konnte.




KLAUS MANN - DER EINSAME TOD IN CANNES!


morphiumsüchtig und vereinsamt starb klaus mann, der älteste sohn von thomas mann, 1949 in cannes. er nahm sich mit einer überdosis schlaftabletten das leben. 1906 in münchen geboren, stand er zeitlebens im schatten seines übermächtigen vaters, der eine seltsame abneigung gegenüber seinem sohn hegte - vielleicht konnte er nur so - wie in einem spiegel - seine eigene homosexualität bekämpfen. denn klaus war homosexuell und machte aus seiner veranlagung auch gar keinen hehl.

trotz der spannungen im elternhaus war klaus - zusammen mit seiner schwester erika - das „enfant terrible“ nicht nur münchens, sondern der weimarer republik - sie waren beide höchst talentiert, verwöhnt und überaus leichtsinnig. man schrieb über ihre tolldreisten einfälle, mehr noch aber „klatschte“ man über die beiden.

die grosse wende in klaus manns leben kam mit der machtergreifung der nazis. er schloss sich sogleich dem antifaschistischen widerstand an und beschwor seine zögerlichen eltern, deutschland den rücken zu kehren. sein rat - es kann schon sein - verdanken thomas und katja mann ihr leben.

seine publizistische arbeit zwischen 1933 und 1945 war geprägt von dem unbedingten willen, die nazis von der macht zu vertreiben. dafür nutzte er sein schriftstellerisches talent genau so wie seine vielfältigen - und prominenten - kontakte. er gründete antifaschistische zeitschriften, in denen die wichtigsten schriftsteller des exils mitschrieben. daneben verfasste er romane, reiseberichte und eine biografie, die aber teilweise erst viel später, - da war klaus mann schon lange tot - nämlich in den 60er jahren jene beachtung fanden, die sie verdienten.

das hat gewiss mit der schwierigen verlegerischen arbeit im exil, aber auch mit der nicht unumstrittenen person des autors zu tun. und dann: nicht nur klaus mann - sondern alle, die aus dem exil zurückkehrten, mussten sich im nachkriegsdeutschland bittere vorwürfe anhören, die darin gipfelten, dass sie als aussenstehende kein recht hätten, über die situation in deutschland zwischen 1933 und 1945 zu urteilen.

überdies hatte klaus mann mit seinem roman „mephisto“ auch noch ein ätzendes porträt über gustav gründgens verfasst, der im nachkriegsdeutschland nahtlos an seine erfolge im dritten reich anschliessen konnte und gefeierter theaterschauspieler blieb. wer hätte ihn besser beschreiben können als klaus mann? immerhin war gründgens - wenn auch nur für kurze zeit - mit erika, der ältesten tochter von thomas mann, verheiratet gewesen.

nach amerika emigriert, trat klaus mann - wie so viele europäische intellektuelle - in die armee ein und kehrte als offizier nach europa zurück. seine aufgabe bestand darin, nazis zu verhören, um der amerikanischen regierung ein möglichst genaues bild über nazideutschland zu vermitteln.

nach dem zusammenbruch des dritten reichs und den folgenden nürnberger prozessen war die politische aufgabe, die sich klaus mann gestellt hatte, erfüllt. es konnte bei so einem sensiblen mann gar nicht ausbleiben, dass sich depressionen einstellten. überdies waren seine erfolge als schriftsteller gering und es gab auch nur vage zusicherungen, seine bücher in westdeutschland zu verlegen. er war mit seinen 42 lebensjahren einsam wie nie zuvor, blieb weiterhin auf die geldschecks seiner eltern angewiesen und - wurde langsam alt. dies ist für alle, besonders aber für einen homosexuellen wie klaus mann, der zeitlebens mehr oder weniger ohne tiefere freundschaftlich-erotische bindung war, eine nicht einfach zu bewältigende aufgabe.

woran er schliesslich scheiterte und verzweifelte, wissen wir nicht. es wird wohl von allem etwas - und viel zu viel - gewesen sein, als er in jenen verregneten frühlingstagen in südfrankreich einen selbstmordversuch unternahm. das war nicht sein erster, aber doch der, der sein leben auslöschte.

sein berühmter vater hörte vom tod seines sohns auf einer lesetour - bedauerte mit knappen worten und setzte die reise fort. nur michael, der jüngste bruder, fuhr nach cannes, um am begräbnis von klaus teilzunehmen. er spielte auf seiner violine, als der sarg ins grab gesenkt wurde.






DIE FRAUEN IN DER FAMILIE MANN!

ich muss immer wieder lachen, wenn ich diesen satz höre oder lese: "was wäre ich ohne meine frau!" ja, was wären die herren doktoren, professoren und politiker ohne ihre frauen? hilflose erdenbewohner, nicht in der lage, sich ein ei zu kochen oder einen tee zuzubereiten. sie müssten, mit anderen worten, verhungern und verdursten.

aber dieser satz sagt noch viel mehr. unausgesprochen erwartet er, dass sich die frauen den lebensplanungen und -zielen ihrer männer unterordnen, sozusagen das "räumkommando" auf dem steinigen weg zu ruhm, macht und einfluss sind. die männer schreiten pausenlos voran und ihre gattinnen betätigen sich als trümmerfrauen, die möglichst geräuschlos alles aus dem weg schaffen, was ihre gatten ins stolpern bringen könnte.

die grossen männer! und ihre schatten!


auf diesem foto sind rechts thomas mann und links sein bruder heinrich mann zu sehen. heinrich heiratete eine herzensgute bardame aus dem berliner milieu. sie war ihm geistig himmelweit unterlegen, diente aber wohl sonst allen wünschen, die ein mann an eine frau hat. heinrich war ein rechter schwerenöter, der schon als 16-jähriger gern die bordelle in lübeck besuchte.

und thomas mann? er heiratete katja pringsheim, die ihm zur liebe eine wissenschaftliche karriere aufgab. thomas schmückte sich mit dem fräulein aus reicher münchener professorenfamilie. der rest ist bekannt. schon die hochzeitsreise nach zürich geriet zu einem fiasko, weil thomas mann nicht recht in der lage war, die ehe zu vollziehen. er konsultierte mehrere ärzte, die aber auch keinen rat wussten. eine homosexualität ist eben nicht mit lauwarmen fussbädern und heissen kompressen zu kurieren.

dann aber muss er sich wirklich zusammen gerissen haben. denn katja gebahr ein kind nach dem anderen, regelte darüber hinaus den haushalt und die finanzen, damit der "zauberer" in aller ruhe seinem schriftstellerischen geschäft nachgehen konnte. das hatte er in seinem lübecker elternhaus gelernt! als kaufmannssohn macht man sogar aus der literatur ein handelsgeschäft. und katja? sie verschwand im schatten ihres berühmten gatten und unterschrieb fortan ihre briefe mit "frau thomas mann". selbstverleugung um eines höheren zweckes willen.

wer ein wenig über die frauen in der familie mann nachdenkt, sinniert am ende manchmal über eine groteske.




katja mann


MIT KLAUS UND ERIKA AN DER RIVIERA!


die riviera hat viel von ihrem glanz verloren. einst treffpunkt der reichen und schönen und später sehnsüchtiges ziel aller urlaubsreisenden, ist sie heute vielerorts zu einem überlaufenen rummelplatz geworden. aber es gab auch andere, schönere zeiten und erika und klaus mann, die ältesten kinder des schriftstellers thomas mann, schrieben 1931 gemeinsam einen reiseführer über die mittelmeeküste:

 


sie wollten berichten, was nicht im baedeker stand und beweisen, dass man auch an der riviera, die schon damals ein teures pflaster war, mit wenig geld auf nichts verzichten und sogar sehr angenehm leben konnte.

illustrationen zu ihrem buch steuerte henri matisse bei, der an der riviera lebte. dieser schon damals berühmte name zeigt, über welche verbindungen die geschwister mann verfügten und wie leicht es ihnen gefallen sein muss, grosszügige gastgeber zu finden. unter diesen umständen - wir glauben es ihnen gern - war es nicht besonders schwierig, auch ohne viel geld eine angenehme zeit an der riviera zu verbringen.

ihre beschreibungen und anmerkungen lesen sich leicht dahin, spiegeln die atmosphäre der riviera, bleiben aber - was weitergehende informationen betrifft - wenig ergiebig.

erika und klaus schrieben das buch in einer zeit, als sie noch die verwöhnten und extravaganten kinder eines berühmten schriftstellers waren, die sich vieles erlauben durften. ihre eskapaden, bestaunt und manchmal belächelt, bildeten den unerschöpflichen gesprächsstoff in berlin und münchen der weimarer republik.


 

dieses leichtsinnig-fröhliche leben änderte sich schlagartig, als die familie mann nach der machtergreifung der nazis deutschland verlassen musste. erika wurde, was sie schon in in der weimarer republik gewesen war: eine unerbittliche kritikerin des faschismus, ihr bruder klaus gab zeitschriften und bücher heraus, mit denen er den kampf gegen die nazis führte.

da waren die fröhlichen tage an der riviera nur noch eine flirrend ferne und schöne erinnerung.

der rowohlt-verlag hat diesen harmlosen reisebericht neu heraus gegeben. wer von erika und klaus mann nichts anderes liest, erhält womöglich einen falschen eindruck, denn das buch verrät noch nichts über das spätere politische engagement der beiden geschwister, das sie zu bedeutenden repräsentanten der deutschen emigration machte.

vielleicht ist ihr buch aber doch in sofern bemerkensenwert, weil es zeigt, wie politische konstellationen die biografien von menschen fundamental beeinflussen und verändern können. was gestern noch heiter und unbesorgt erschien, wird plötzlich zur äusserten gefährdung, bitteren erkenntnis und zum unermüdlichen politischen kampf.

das buch trägt darüber hinaus noch eine - verborgene - botschaft in sich ...

und diese botschaft ist eine tragödie.


klaus mann, 1906 als ältester sohn von thomas mann in münchen geboren, hatte sich nach 1933 ganz dem politischen kampf gegen die nazis gewidmet. als schriftsteller eher unbedeutend, scharte er künstler und intellektuelle um sich, die alle ein gemeinsames ziel hatten: das faschistische deutschland mit allen mitteln zu bekämpfen und zu fall zu bringen. darin war er unermüdlich und immer streitbar. als er 1945 mit den us-truppen nach europa kam und als amerikanischer korrespondent über seine eindrücke im kriegszerstörten deutschland in die vereinigten staaten berichtete, hatte er sein ziel erreicht.

1948 nahm er im rundfunk auch zum ost-west-konflikt und zur lage berlins stellung. dieses interview ist als tondokument erhalten. bedeutsamer als das, was er sagt, ist, wie er es sagt: wir hören einen präzis formulierenden, aber auch überspannt wirkenden klaus mann, der zu einem politischen menschen werden musste, weil es die zeit von ihm verlangte. wir spüren die last des grossen namens, an dem er schwer trug und nur ein jahr später vollends zerbrach.

er hatte alles erreicht, fühlte sich bestätigt im kampf gegen hitler-deutschland. doch jetzt stellten sich depressionen ein. klaus mann spürte, dass er nach dem fall der nazi-diktatur neue ziele suchen musste: entweder als eigenständiger schriftsteller oder - und das war zuerst und zuletzt sein verhängnis - immer weiter als sohn von thomas mann. er fand darauf keine antwort und floh - auch als homosexueller immer mehr vereinsamt - in drogen und alkohol. ratlos und von selbstzweifeln zerrissen, nahm er sich 1949 das leben.

er starb an der riviera - ausgerechnet an dem ort, der für ihn einmal der heiterste und sorgloseste seines lebens gewesen war.

nur sein jüngter bruder michael war dabei und spielte ein trauriges lied auf der violine, als klaus mann im mai 1949 in cannes begraben
wurde:

 „ ... dort unten, wo das Licht härter und heißer, zugleich satter, blühender und trockener ist.» ("das buch von der riviera")



 
EINEM IRONIKER BRICHT DAS HERZ!


wer sich im labyrinth der worte und gegenworte nicht mehr zurecht findet, sollte zur besinnung kommen und sich an thomas mann halten. seine diktion ist klar, seine haltung nobel, seine moral unbestechlich und seine literatur die beste, die wir besitzen.

es muss ja nicht gleich der „doktor faustus“ oder „lotte in weimar“ sein. beginnen wir doch einfach mit dem wunderbar heiteren roman „königliche hoheit“ oder dem grotesken schelmenstück „felix krull“.

wir werden schon bald - sozusagen als lesender „nimmersatt“ - zu den „buddenbrooks“, dem „tod in venedig“ und zum „zauberberg“ greifen.

thomas mann verführt zum lesen. der ungewöhnlich ruhige klang seiner prosa überrascht, irritiert und hält uns gefangen. genau so - das versichern alle, die dabei waren - war die wirkung seiner rede. wer ihn einmal auf seinen lesereisen hörte, blieb dieses erlebnis unvergessen. thomas mann war der brillianteste - und magischeste - interpret seiner texte.




1949: verleihung des "goethe-preis" an thomas mann

nicht nur der literarischen, übrigens!

1949 -  in der paulskirche in frankfurt - sprach er von anderem. er blickte auf sein exil zurück und machte den deutschen auf noble und der ihm eigenen, freundlichen art deutlich, dass sie in den 12 jahren der nazidiktatur nicht nur einem vernunftfernen „rausch“, sondern vielmehr noch einer - den rausch notwendig begleitenden - intoxikation, einer „vergiftung“, verfallen waren. wie nebenbei bemerkt thomas mann in dieser rede - die ein dank für den goethe-preis der stadt frankfurt war - dass er schon lange vor 1933 seine ganze kraft darauf verwendet hatte, die deutschen geradewegs auf diese gefahr aufmerksam zu machen. er vermeidet in seiner ansprache jedoch - und das ist die noblesse thomas manns - jede laute anklage und alle schuldzuweisung.

 


die "deutsche trägheit des herzens" war auch das generalthema der rundfunkreden, die thomas mann im 2. weltkrieg hielt und von der BBC nach deutschland ausgestrahlt wurden. diese reden waren der grund, dem schriftsteller nach dem krieg immer wieder schwere vorwürfe zu machen. die kritik an thomas mann nahm in deutschland zeitweise böse und gemeine züge an.

wir müssen die reden aber nur richtig lesen, um zu verstehen, was thomas mann mit ihnen sagen wollte:

vor vielen jahren habe ich seinen roman "doktor faustus" gelesen - ein düsteres werk und abgesang an deutschland, geschrieben im zweiten weltkrieg, als die bomben der engländer und amerikaner hamburg, köln, dresden und auch  ... lübeck, thomas manns vaterstadt, in schutt und asche legten.

seltsam, dass thomas mann in seinem roman die dissonante zwölf-ton musik von schönberg zum thema machte - warum nicht die musik von mozart oder beethoven?

heute meine ich, die antwort zu wissen:

thomas mann glaubte an überhaupt keine harmonie mehr, denn was er erlebte, war eine einzige, schrille dissonanz. seine beschäftigung mit der musik schönbergs diente dem zweck, das zu illustrieren, was er sah: die zerstörung deutschlands und das inferno, das jeden glauben an irgendeine harmonie vollkommen absurd machte.

in einer seiner ansprachen in der BBC begrüsste thomas mann die bombardierung der marienkirche in lübeck. der aufschrei war über alle massen laut, die empörung grenzenlos, man nannte ihn einen zyniker und wollte ihm seine rede auch später nicht verzeihen.

aber nur ein ironiker wie thomas mann konnte die zerstörung der marienkirche in lübeck gut heissen, die er liebte und in deren schatten er aufgewachsen war. einem zyniker hingegen wäre das alles egal gewesen.

dem ironiker thomas mann aber brach es angesichts der in flammen versinkenden kirche - trotz anders lautender rede - das herz.



 
FLUCHTORT "EXIL" - SANARY-SUR-MER!


thomas mann kam mit seiner familie schon 1933 ins südfranzösische sanary-sur-mer. nachdem die rückkehr ins nazi-deutschland zu gefährlich war, kehrten sie nach einer vorlesereise gar nicht erst nach münchen zurück, sondern reisten - nach kurzer winterlicher station in der schweiz - weiter in das französische hafenstädtchen. hier fanden sie ihr erstes längerfristiges quartier im exil, bevor sie in küssnacht/schweiz sesshaft wurden - was aber auch nur vorübergehend war - ihr letzter fluchtort wurde schliesslich amerika.

katja, die ehefrau von thomas mann, hatte den ort entdeckt, von dem sie vielleicht dachte, dass er nur eine vorübergehende station sein würde, bis sich die lage in deutschland wieder beruhigt hätte. keiner dachte zu diesem zeitpunkt an ein längeres exil. wie dem auch sei: sanary-sur-mer versprach ein mildes klima und eine ruhige umgebung - gerade richtig für ihren mann, der gerade an seinem „josephs roman“ schrieb. die „villa la tranquille“ (!) wurde ihr zu hause, wo alles so sein musste wie im fernen, geliebten münchen. thomas mann konnte nur in gewohnter umgebung arbeiten - und das war zu allererst sein arbeitszimmer, in dem die bücher, möbel und accessoires so angeordnet sein mussten, wie er es immer schon kannte. katja sorgte unter grössten anstrengungen dafür, dass es ihm an nichts fehlte.

unterhalb der villa - am hafen - wohnten im „hotel de la tour“ ihre ältesten kinder - erika und klaus mann - und bereiteten sich auf die politische arbeit im exil vor, die für mehr als ein jahrzehnt ihr denken und handeln bestimmen sollte.

thomas mann bezeichnete sanary-sur-mer rückblickend als die „glücklichste etappe“ seines exils. der zweite weltkrieg war noch nicht entbrannt und die nazi-barbarei noch nicht in ihrer ganzen fürchterlichen fratzenhaftigkeit zu erkennen.

thomas manns präsenz lockte andere, aus deutschland geflüchtete schriftsteller-kollegen nach südfrankreich. die feuchtwangers kamen und die werfels, bertolt brecht nahm quartier in sanary-sur-mer und auch zeitweise joseph roth, der selbst hier auf seinen geliebten (und ruinösen) pastis nicht verzichten musste.

ludwig marcuse nannte das städtchen am mittelmeer die „hauptstadt der deutschen literatur im exil“.

man besuchte einander, traf sich im café („herr roth, sie trinken zu viel!“) unternahm gemeinsame ausflüge, tauschte die immer schrecklicheren nachrichten aus deutschland aus und fühlte sich im kreis der deutschen intellektuellen elite ein wenig wie zu hause.

das jähe ende ihres südfranzösischen exils kam
für die deutschen schriftsteller, als hitler in polen einmarschierte und frankreich im gegenzug die deutschen internierte. thomas mann konnte - nun schon in küssnacht - mit seiner familie nach amerika fliehen, lion feuchtwanger aber wurde in mes milles interniert und hermann kesten in das zum gefangenenlager umgebaute sportstadion von paris verschleppt. beiden gelang erst viel später die flucht in die vereinigten staaten.

hermann kesten hat das lebensgefühl der deutschen exil-schriftsteller - nicht nur in südfrankreich - in schöne, aber auch erschütternde worte gefasst:

 "Wenn man im Exil lebt, wird das Kaffeehaus gleichzeitig das Familienhaus, das Vaterland, die Kirche und das Parlament, eine Wüste und ein Wallfahrtsort, die Wiege der Illusionen und der Friedhof ... im Exil ist das Kaffeehaus der einzige Ort, wo das Leben weitergeht."


 

das "hotel de-la-tour" in sanary-sur-mer




MONIKA MANN - DIE UNGELIEBTE!


thomas mann hatte mit seiner frau katia sechs kinder. die ältesten waren erika und klaus, es folgten monika und golo. die „nachzügler“ waren elisabeth und michael.

das waren drei geschwisterpaare, die jeweils ganz verschiedene positionen in der familie inne hatten. die ältesten - erika und klaus - wurden schon früh zur selbständigkeit angehalten und verbrachten die meiste zeit ihrer jugend - wie übrigens ihre jüngeren geschwister auch - ausserhalb des elternhauses in internaten - wohl auch deshalb, weil thomas mann für seine arbeit strengste ruhe einforderte. kinder waren ihm (wenigstens in den ersten jahren seiner ehe) eher lästig. als die jüngeren kinder später ebenfalls auf internate kamen, geschah dies wohl nicht mehr wegen der besonderen ruhebedürftigkeit ihres vaters, sondern aus inzwischen familiärer tradition.

erst als die jüngsten kinder - elisabeth und michael - zur welt kamen, änderte sich thomas manns haltung. die kleine elisabeth liebte er abgöttisch und wollte sie stets in seiner nähe haben. zu michael allerdings gewann er kein rechtes verhältnis, worunter der sohn zeitlebens litt.

es bleiben die „mittleren“ kinder - monika und golo. es scheint, als hätten diese beiden in der familie überhaupt keine rolle gespielt. bei der konkurrenz und dem kräftespiel zwischen den einerseits viel älteren und anderserseits viel jüngeren geschwistern verschwanden sie in einer art familiären niemandsland - kaum beachtet, fast vergessen.

golo hat dies traurig und bitter erinnert und kommentiert. sein vater - so sein spätes, ratloses fazit - blieb ihm ein fremder, an dem er fast gescheitert wäre. seelisch gerettet hat ihn womöglich, dass sich der ausweg ins internat nach salem bot - und er so eine distanz schaffen konnte, um an den schwierigen familienverhältnissen nicht zu zerbrechen.

seine schwester monika indes wurde - so scheint es - das „opfer“ der komplizierten und wohl auch neurotischen familienkonstellation im hause thomas mann.



sie wurde 1910 als viertes kind geboren. ihre mutter, katia mann, die wegen der heirat ihr studium und eine mögliche karriere als wissenschaftlerin aufgegeben hatte, war nach der entbindung dieses kindes so erschöpft, dass sie bald darauf erkrankte. die ärzte diagnostizierten bei ihr, die einmal gesagt hatte: „ich habe in meinem leben nie tun können, was ich hätte tun wollen“ eine tuberkulose. deswegen musste sie sich langen santoriumsaufenthalten in der schweiz unterziehen, von denen sie thomas mann ausführlich berichtete. ihre briefe waren der anstoss zu seinem roman „der zauberberg“.

während er die schilderungen seiner frau und die besuche in der schweiz genoss und alles, was er dort sah, sogleich zu literatur stilisierte, litten die kinder schwer unter der abwesenheit der mutter - vor allem auch monika, die in ihren ersten, so entscheidenden jahren ohne die gegenwart ihrer mutter aufwuchs.

hinzu kam, dass 1914 - monika war gerade vier jahre alt - der 1. weltkrieg ausbrach. die sorgen dieser jahre gingen auch an der familie thomas manns nicht spurlos vorüber.

alles personal wurde entlassen, denn es musste gespart werden, weil das geld schon bald nichts mehr wert war. es gestaltete sich in jenen jahren äusserst schwierig, eine vielköpfige familie satt zu machen. monika hat kein behütetetes elternhaus kennengelernt - sondern eines, in das die not und der mangel einzug gehalten hatte. wünsche, wie sie alle kinder haben, waren den eltern lästig, weil sie nicht erfüllt werden konnten.

ist es verwunderlich, dass sich unter diesen voraussetzungen ein wortkarges, introvertiertes kind entwickelte? denn so war monika - das tagebuch ihres vaters verzeichnet manches erbitterte wort über seine tochter.

aber, war das gerecht?

die älteren geschwister werden gewiss schon begriffen haben, was in deutschland geschah und fügten sich entweder unter die - kriegsbedingt sparsamkeit erfordernden - regeln der familie, oder versuchten selbst, das eine oder andere bei nachbarn und bekannten zu „organisieren“.

den jüngsten hingegen blieben wegen ihres zarten alters die bitteren wahrheiten erspart. nur die „mittleren“ - golo und monika - mussten die auswirkungen des krieges in ihrem elternhaus als eine katastrophe empfinden. sie erduldeten etwas, das sie überhaupt nicht begriffen, für das sie auch keine schuld trugen, das ihr leben aber trostlos grau machte.

thomas mann notierte indes unerschrocken in sein tagebuch: „mönle“ - so nannte er seine tochter monika - sei faul und habe darüber hinaus auch kein rechtes talent.

dieses urteil nahm er auch später nicht zurück, womit er seine tochter auf dauer stigmatisierte. denn nachdem er den patriarchalischen urteilsspruch über monika verhängt hatte, wurde dieser - man kennt das aus anderen familien  - zum gern benutzten zitat und liess der tochter keine chance, das gegenteil zu beweisen. an der charakteristik war nichts mehr zu ändern und monika hatte fortan nicht viel mehr zu tun, als diesem urteil gerecht zu werden:

sie wurde in der tat launisch, sonderbar, einsilbig und introvertiert.

so quälend ihr verhältnis zu den eltern auch war, folgte sie ihnen doch - da war monika eine junge frau, die ihren platz noch nicht gefunden hatte - 1933 in die emigration in die schweiz. erst 1937 befreite sie sich aus der - jede selbstbewusste initiative erstickenden - familienklammer und ging nach wien. dort heiratete sie 1939 den ungarischen kunsthistoriker jenö lány und zog wenig später mit ihm nach london.

alles deutete in diesen jahren darauf hin, dass monika sich aus den fesseln ihres elternhauses gelöst und die verdikte, urteile und mutmassungen über ihre person hinter sich gelassen hatte.

1940 fasste das junge paar den entschluss, nach kanada auszuwandern. deswegen schifften sie sich auf der „city of benares“ ein. inzwischen war jedoch der 2. weltkrieg ausgebrochen und der atlantik wegen der dort eingesetzten deutschen u-boote nicht mehr sicher.

es kam zur katastrophe. das schiff wurde von torpedos getroffen und versank. monika wurde gerettet, ihr mann aber ertrank im atlantik.

kanada - das nicht erreichte ziel der reise - war weit entfernt von amerika, wohin monikas eltern zuvor ausgewandert waren, lag aber doch in einer distanz, die es erlaubte, sich gegenseitig zu besuchen. die wahl der neuen heimat entsprang gewiss monikas willen, ein eigenständiges leben zu führen - und sich von ihrem elternhaus endgültig zu emanzipieren. sie wählte als einzige aus ihrer familie kanada als das land des neubeginns - alle anderen geschwister hatten die nähe der eltern in den vereinigten staaten gesucht.

vor diesem hintergrund wird klar, was der tod ihres ehemanns für monika bedeutete. das war nicht nur eine schreckliche katastrophe, sondern der grausame zusammenbruch ihres ganzen lebens.

ihren plan, nach kanada auszuwandern, musste sie nach diesem unglück aufgeben. stattdessen ging sie - was für eine bittere und tragische ironie! - zu ihren eltern in die vereinigten staaten. anders als ihre geschwister, die in amerika inzwischen ein berufliches auskommen gefunden hatten, konnte monika dort nicht fuss fassen. sie blieb finanziell von ihren eltern abhängig, versuchte zwar, in chicago und new york ein eigenes leben zu beginnen, kehrte am ende aber immer wieder resigniert zu ihren eltern zurück.

auch nach ende des 2. weltkriegs wollte sie in der nähe ihrer eltern bleiben und folgte ihnen in die schweiz. jetzt war sie keine junge frau mehr und die hoffnung auf ein selbstbestimmtes leben schwand immer mehr. sie blieb „die schwierige und ein wenig sonderliche“ monika, die keiner so recht ernst nahm - mit einer ausnahme: golo hatte viel verständnis für seine schwester  - vielleicht deswegen, weil er ein zwar nicht äusserlich, aber doch innerlich ähnliches schicksal mit ihr teilte.

auch wenn monika zumeist die unverstandene tochter und schwester blieb, mit der kaum etwas anzufangen war, schlugen die wellen der empörung doch besonders hoch, als sie ihren entschluss mitteilte, nach capri zu gehen, um dort fortan mit dem fischer antonio sparado zu leben.

es wird schon so sein, dass sie ihrem herzen folgte.

für die familie aber - allen voran ihre eltern, die so sehr auf etikette und anstand achteten - kam dieser entschluss einem skandal gleich. monika jedoch tat nur das, was sie ein ganzes leben lang gewollt hatte: ein eigenes leben führen - und das fernab ihrer familie, die alles in sich vereinigte, worunter sie litt.

erst 1985 - da hatte sie längst ihr (bei der kritik nicht eben enthusiastisch aufgenommenes) erinnerungsbuch: „vergangenes und gegenwärtiges“ geschrieben und veröffentlicht, verliess sie capri. ihr lebenspartner war gestorben und sie wollte nicht allein auf der insel zurück bleiben.



also kehrte sie - ein letztes mal - in ihr elternhaus zurück, das ihr bruder nach dem tod der mutter allein bewohnte. es kann schon sein, dass dieses gemeinsame leben der geschwister in kilchberg gespensterhafte züge trug. golo, ein einsiedler und grüblerisch veranlagt, wurde von depressionen heimgesucht. seine wortkarge schwester - inzwischen noch verschrobener und eigensinniger - wird ihm wohl kaum die heiterste gesellschaft gewesen sein. dazu kam der grosse name und das geistige erbe, das auf dem haus in kilchberg drückend schwer lastete.

man mag sich - in der stille dieses hauses - das laute ticken der wanduhren gar nicht ausmalen.

monika mann starb 1992. das letzte jahr ihres lebens verbrachte sie aber nicht in kilchberg, sondern in leverkusen. dort wurde sie von der witwe des adoptivsohns von golo mann betreut und gepflegt. auch golo, der 1994 starb, begab sich in seinem letzten lebensjahr in die obhut seiner schwiegertochter - die nach dem tod der geschwister erst das vermögen von monika, dann das von golo erbte und wenig später - ohne die familie noch gross zu fragen - das haus in kilchberg samt inventar verkaufte.

wir können nur hoffen, dass die wanduhr auch dabei war.

begraben wurde monika im familiengrab in kilchberg - an der seite der eltern und ihrer schwester erika. auf dem friedhof liegt auch golo mann. allerdings hatte er ausdrücklich darauf bestanden, am anderen ende und an der entferntesten stelle zum familiengrab zur letzten ruhe gebettet zu werden.

so wurde den beiden geschwistern nach ihrem tod auf symbolische weise das erfüllt, was sie zu lebzeiten nicht ändern konnten und deswegen - der eine zu fern, die andere zu nah - ihr grösstes unglück blieb.




MIT HANDKUSS FÜR IHRE GATTIN UND HANDSCHLAG FÜR SIE!
klaus mann, "die sammlung" und hanns johst

klaus mann, der sohn von thomas mann, war schon 1933 aus nazi-deutschland emigriert und organisierte von amsterdam aus den widerstand. dazu hatte er mit hilfe des holländischen querido-verlags eine zeitschrift ins leben gerufen: „Die Sammlung“. dort publizierten bedeutende exilschriftsteller wie heinrich mann, alfred döblin, anna seghers, walter mehring und viele andere.

die erste nummer der zeitschrift erschien im herbst 1933. schon im februar 1933 waren thomas mann und seine familie (der schriftsteller befand sich zum zeitpunkt der nationalsozialistischen „machtergreifung“ gerade auf einer lesereise im ausland) nicht mehr nach münchen zurückgekehrt. wie richtig diese entscheidung war, zeigt der brief, den der schriftsteller und präsident der (gleichgeschalteten) deutschen akademie der dichtung, hanns johst, im herbst 1933 an heinrich himmler schrieb (und dabei dem irrtum aufsass, thomas mann sei noch in deutschland):

In Amsterdam erscheint das derzeitig unflätigste Emigrantenblatt „Die Sammlung“. Sie werden sich ja jederzeit Belegexemplare verschaffen können, sonst übersende ich Ihnen auch gern ein Exemplar dieses Schmutzes. Als Herausgeber zeichnet der hoffnungsvolle Sproß des Herrn Thomas Mann, Klaus Mann. Da dieser Halbjude schwerlich zu uns herüber wechselt, wir ihn also leider nicht aufs Stühlchen setzen können, würde ich in dieser wichtigen Angelegenheit doch das Geiselverfahren vorschlagen. Könnte man nicht vielleicht Herrn Thomas Mann, München, für seinen Sohn ein wenig inhaftieren? Seine geistige Produktion würde ja durch eine Herbstfrische in Dachau nicht leiden, denn wir wissen aus unseren eigenen Reihen, welches famose Schrifttum gerade von nationalsozialistischen Häftlingen zur glücklichen Niederschrift kam ... Mit Handkuß für Ihre Gattin und Handschlag für Sie immer

Ihr getreuer Hanns Johst


(zitiert nach „Fritz H. Landshoff, Erinnerungen eines Verlegers)

ich frage mich, wie menschen dazu kommen, andere auf diese weise zu diffamieren und zu denunzieren. ist es dummheit? versprechen sie sich dadurch eigenes fortkommen? ist es neid auf die talentierteren? ist ihre bösartigkeit ausdruck der hoffnung, auf der politisch „richtigen“ seite zu stehen?

was bringt einen mann wie hanns johst dazu, ungefragt an heinrich himmler zu schreiben, um ihm vorzuschlagen, thomas mann zu verhaften? ist es rachsucht? war da noch eine alte rechnung offen? woher kommt dieser ausbruch von häme und hass?

wir wissen nicht, was ihn dazu trieb, diesen ungeheuerlichen brief zu schreiben, der nichts anderes vorschlägt, als den schriftsteller und nobelpreisträger thomas mann ins KZ zu schaffen.

was ist das nur für eine erbärmliche niedertracht, einen so gemeinen brief zu schreiben und ihn an einen der grössten verbrecher des 20. jahrhunderts zu schicken?

hanns johst war (und blieb) ein glühender verehrer heinrich himmlers. es muss hier nicht berichtet werden, wie devot und speichelleckend er stets seinem idol hinterher lief.

den krieg überlebte johst unbeschadet, musste sich aber danach mehreren entnazifizierungsverfahren stellen. 1949 stufte man ihn als „mitschuldigen“ ein, aber schon im august 1949 wurde er als „hauptschuldiger“ genannt. in einem dritten verfahren, 1951, galt er dann allerdings nur noch als „belasteter“.

alle verfahren gegen ihn wurden schliesslich 1955 eingestellt - nicht ohne den letzten schuldspruch für ungültig zu erklären. hanns johst lebte unbehelligt bis zu seinem tod, 1978, am starnberger see.

zu thomas mann hat er sich öffentlich nicht mehr geäussert.



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